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State of the Game: PvE #1
Autor: 4thVariety, letztes Update: 07.07.2006

Eines sei von vornherein klargestellt. Hier geht es nicht im geringsten um PvP. Nicht mal ein bisschen. Echt nicht. Dieser Artikel dreht sich um PvE. Der Umfang soll dabei im lesbaren Rahmen bleiben. Deswegen gibt es immer nur ein Thema auf einmal.

Heute: Der Handel

PvE Spieler genießen sehr große Freiheiten, wenn es um die Gestaltung ihres Charakters geht. Die Kampagnen sind nicht so aufgebaut, als dass eine bestimmte Rüstung, oder ein paar Prozent hin oder her auf der Waffe, den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage darstellen würden. Beim Spielen kann man also maximalen Wert auf modisches Design legen. Mit dem Verlauf der Zeit ist der Wert der Gegenstände weniger proportional zu den rein statistischen Werten geworden und entspricht heute eher ihrem Design oder Protzerwert. Der Skin entscheidet! Das werden vor allem Krieger wissen, die wie keine andere Klasse dem Modediktat unterworfen sind.

Die erste Stufe des Wahnsinns umfasst dabei die Farbe der Waffe. Nicht weil das beim Akkordschlachten in den Missionen von Nöten wäre. Nein, es gilt sich möglichst effektvoll vom Gegenüber in der Gruppe abzugrenzen. Der erste Schritt besteht deshalb im Kauf einer goldenen Waffe. Grün ist notfalls ok, lila ist definitiv schon ein Statement, dass man kein Geld hat. Pr0tz0r-technisch als unter allen Umständen zu vermeiden. Waffen vom Händler, sind schon deswegen Tabu, weil man sie nicht Schwarz-Schwarz-Blau färben kann, auch wenn es im Zweifelsfall nur 4 Pixel vom Griff wären.


An potentiellem Goldwert pro Pixel kaum zu übertreffen – Der Griff der Platinklinge


Allein die goldene Waffe reicht nicht, denn unter den 2 Millionen Spielern muss man sich doch schon etwas mehr abgrenzen, ist man versucht modisch und einzigartig zu werden. Daher fällt der Zweite Blick meist auf den sog. mittleren Bonus. Dieser ist auch so zu wählen, dass er rein theoretisch den Mitspielern überlegen wäre. Klar, das eine extra Prozent wird weder Shiro noch den Lich groß jucken, die Spieler untereinander juckt es gewaltig.


Nur eines dieser Items kostet 300P, das andere ist aber individueller

Dieser Anspruch führt dazu, dass, selbst wenn man es wollte, kein +13% bei Leben über 50% bekommt, denn die Leute tendieren dazu, solche Items schneller wegzuwerfen, als man WTB tippen kann. Im Gegensatz dazu rechtfertig ein 15^50 Item meist sofort horrende Preise. Zum guten Ton gehört es, davon auszugehen, dass man weder jemals unter 50% Leben haben wird, niemals Verhext sein wird und schon gar nicht selber auf sich eine Verzauberung wirkt. Parallel zum Verfall des Rufes der Kmöter (Krieger-Mönche), ging in den Foren auch der Preisverfall der +15 bei Verzauberung Items einher. Folglich sind solche Upgrades zu meiden. Rüstung -10 oder Energie -5 sind nur marginal mehr akzeptiert, dafür ist der Energie +5 Bonus, wenn auch nur langsam, auf dem Vormarsch. Und das zu Recht, ein Schlag mehr in der Combo freut doch die meisten unter uns mehr, als nur einfach so einmal mehr zuzuschlagen.


Neuerdings nutzt es sogar wenig, wenn bis hierher die Waffe perfekt ist. Denn die Anforderung an das Attribut ist das Gebot der Stunde. Dank verbesserter Dropraten bei Factions sind die Zeiten vorbei, in denen man nicht auf die Anforderung blickte. Heute muss es schon mindestens eine einstellige Anforderung sein um zum Verkauf geeignet zu sein. Aus persönlicher Erfahrung konnte ich unlängst lernen, dass ein 15^50 Zodiakus Bogen mit Anforderung 8, für 400.000 Gold nun wirklich ein Schnäppchen sei. Und tatsächlich wird man keine Probleme haben, ihn dafür loszuwerden. Der gleiche Bogen mit Anforderung 10, gilt jedoch schon für 100p in den Augen der meisten Kaufinteressenten als überteuert. Zwar wird man als Waldi nirgendwo mitgenommen, oder gar dumm angemacht, sollte man sich erdreisten seine Treffsicherheit unter 15 geskillt zu haben; für angehende Waffenbesitzer gilt unverdrossen: Nur 8 ist heutzutage akzeptabel, 7 eigentlich besser und den Satz „Ich brauch den für ein Special Build“ sollte man immer im Zwischenspeicher haben. Im PvE, ja klar. In der Realität findet meine Elementarmagierin mit „Special Build“ und req.8 Bogen weiterhin keine Gruppen. Warum also Anforderung 8 verlangt wird dürfte Jedem einleuchten; mein Schwert, mein Taktikschild, meine Klobrille der Feuermagie. Die Sucht nach der Einzigartigkeit der persönlichen Ausrüstung siegt über jede Build-Realität.


30 Leben und weniger Schaden merkt man im PvE bestenfalls marginal, Zeit für mehr Farbe also

Der Ort des Handels-Geschehens, ist zurzeit das Kaineng Zentrum. Im jeweils ersten Distrikt, treffen sich potentielle Verkäufer und einige Käufer. Zwar ist der Ruf nach einem Auktionshaus meist sehr laut wenn es innerhalb der Community zu Diskussionen kommt, die Rufe nach Items im Spiel sind meist sehr leise. Einer Flut von WTS oder VK Postings, stehen nur sehr wenige und zumeist irrwitzige Suchanfragen gegenüber. Abseits davon wird höchstens versucht ein paar Goldstücke beim Ankauf von seltenen Materialien zu sparen und ein anderes Mal quetscht jemand noch 1-2 Gold aus normalen Materialien heraus. Generell wird weniger gezielt gesucht, sondern eben der Tradechannel durchgelesen, auf der ewigen Suche nach Schnäppchen, die einem entsprechend zufällig begegnen.


Wer kann auf diesem Bild einen funktionierenden Markt entdecken?

In dieser Situation wäre ein Auktionshaus eigentlich genau das Falsche. Denn es würde das Überangebot noch effektiver organisieren und sichtbar machen. Gut für Käufer die gern sinkende Preise sehen würden. Für Händler, die gern Gewinn machen wollen, genau das Falsche. Wer riskiert es schon sein „perfektes“ Item bei einer Auktion zu verschleudern? Da bleibt er lieber noch darauf sitzen und hofft später mehr rauszuholen. Sollte ein Auktionshaus gar einen einstellbaren Mindestpreis haben, so braucht sich kein Keiner einbilden, dass dieser dann unter dem durchschnittlichen VK-Angebot liegen wird. Was erschwerend hinzukommt ist, dass Items bei GW, im Gegensatz zu WoW oder Anderen MMOs, für den Fortschritt im Spiel keine Rolle spielen. Die Nachfrage, von der ein Erfolg einer solchen Auktionseinrichtung abhängt, ist somit ohnehin nicht gegeben.



So wird man sich wohl weiter an Listen klammern, die in Foren veröffentlicht, einst dazu dienten die Situation zu beschreiben, aber die inzwischen zu reinen Vorschriften verkommen sind. Manche befolgen diese Preislisten inzwischen genauer als das Grundgesetz und die Bibel zusammen. Auch wenn es profitabel sein kann, Items für 1 Platin zu kaufen und 2 Platin weiterzuverkaufen, so frage ich mich, ob man dauerhaft aus Gier einen spielerischen Gewinn ziehen kann. Schenken macht auch Spass und im Hinblick auf „imperfekte“ Zodiakus Items ist Schenken die größte Form der Insubordination gegenüber Arenanet. Ich mache Items öffentlich zugänglich die zuvor von der Spielmechanik eifersüchtig bewacht wurden. Wer ist jetzt 1337? Und wie bildet man von einer Zahl den Komperativ bzw. Superlativ?

Reine Rollenspielfetischisten bei GW wünschen sich ohnehin schon länger die Verbannung sämtlicher Händler auf eine einsame Insel. Zugegeben, ein zentralisierter Handel auf Xunlai-Island hätte fast die gleichen Auswirkungen wie ein Auktionshaus, und wäre wohl einfacher zu programmieren. Sofern sich die Beteiligten endlich trauen würden den Handel mehr in den Internationalen Distrikten abzuwickeln und dabei weniger stark den „gottgegebenen“ Listen zu folgen, würde der Markt durchaus dynamischer werden. Ohnehin weiß ich nicht, wo ich nach einem grünen Factions Item am schlauesten suchen soll. In der Nähe des Ortes an dem es dropt, oder doch eher in Kaineng, wo die Händlerkaste schon begierig auf mein „Suche:“ lauert.


So in etwa stellen sich Hardcore Rollenspieler die Lösung des Handelsproblems vor


Beschwerden über Handelspam im Allgemeinchat glaubt man mit einer solchen Totalabschiebung aus dem regulären Storybetrieb auch zu beheben. Denn wer einen Sortierfilter programmiert, der darf ihn auch jede Woche anpassen, schließlich gibt es 5 Millionen Arten seinen Verkaufswunsch im Allgemeinchat zu äußern, ohne dass sich der Filter regt. Wer alle Händler aus dem regulären Missionsverlauf ausgliedert, wird seine Ruhe haben, sofern er meint die Hektik des Handels hätte sein Spiel beeinträchtigt. Aber vielleicht ist der gute Händler ja auch der, der den Anschluss zur potentiellen Kundschaft sucht? Der Grundstock zu einer Endlosdiskussion zu diesem Thema ist somit gegeben.


In solch einem Spielmodus würde niemand die Spitzhacke in Frage stellen

Handel der ganz besonderen Art regt sich ohnehin nicht im Spiel, sondern in den entlegenen Ecken der Foren. Hier werden Skins und Boni gedealt die nur hinter vorgehaltener Hand erwähnt werden. Früher war ein solches Item die „Sichel“-Axt. Exklusivität und Wert entsprangen irrsinnigerweise nicht ihrer Perfektion, sondern der totalen Absenz einer Solchen. Freunde der Sichel handelten Exemplare, welche normale Spieler unter normalen Umständen gar nicht bis zum Händler getragen hätten, schon mal um die 100p. Eine Sichel war zwar nie perfekt, aber es war ein Skin den praktisch keiner benutzte. Damit war sie perfekt geeignet Individualität auszudrücken, eigentlich genau das, was alle ursprünglich wollten. Dabei ist die Wertschätzung des Skins seitens der Community mindestens genauso wichtig, wie die Seltenheit ihrer Anwender. Nur so ist es zu erklären, dass die Kampfhacke weiterhin ein Schattendasein führt. Ein Fakt, welches Kenner der US Version des Computerspiels Silent Hill kaum nachvollziehen können. Das Brutalozockerideal des mit einer Spitzhacke auf den Kopf des Gegners Eindreschens, wird einzig unter den Fans von Guildwars abgelehnt. Aber vielleicht ist das auch gut so.



Eine andere Klasse der Most-Wanted Items sind die „echten unconditionals“. Die Legende besagt, dass in den ersten Tagen des Spiels Items droppten, welche einen Schadensbonus von +13-15% hatten, jedoch KEINERLEI Nachteile oder Bedingung daran geknüpft waren. Hier und da tauchen noch welche auf, auf dem Wartower waren meines Wissens bislang noch alle Fakes, und die Legende selbst lässt sich anhand der Anet Update-Logs nicht überprüfen. Darüber hinaus schaffen es nur die seltensten Skins, zu der Preisliga zu gehören, in der „Unconditionals“ und Kristallschwerter spielen. Ob es in Factions das Diamant-Aegis sein wird, ist noch nicht abzuschätzen. Die Zodiak Items werden es sicherlich nicht werden. Davon gibt es längst mehr als genug und wenn dann sind sie eher weniger Wert, denn deren Droprate in den Elitemissionen ist ja ERHÖHT und nicht gesenkt. Man braucht auch nur beim ersten betreten ein Taxi, anschließend kommt man über seine Allianz oder Bekannte immer wieder rein.

Das soll es zum PvE State of the Game: Handel gewesen sein. Ich hoffe, jetzt wisst ihr bescheid.












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