State of the Game: PvE #2 Autor: 4thVariety, letztes Update: 21.07.2006
Eine Warnung an alle die es mit dem PvP ernst meinen: Lest nicht weiter. Ich bin die Sorte Idiot die von den CTs verlangt, dass sie ein M249 mit 200 Schuss vor die Tür legen oder ich erschieß die Geiseln. Beinhaltet rollenspielerisch korrektes Verhalten für euch auch eine detailgetreue Wiedergabe psychischer Krankheiten des Mittelalters? Dann tretet ein.
Heute: Erforschen
Der traditionelle Computerspieler ist für seine virtuelle Heimat Segen und Fluch zugleich, denn mit der Rettung der Welt ist es für ihn lange nicht erledigt. Meist wird im Anschluss mit großer Neugier jeder Winkel der Welt abgegrast. Schon Helden wie Link durften auf dem SuperNintendo erst ruhen, nachdem sie der Spieler die letzte Hecke im Königreich ausreißen hat lassen. Als J.C. Denton durfte man sich schon mal anrüffeln lassen wonach ein Mann in der Frauentoilette sucht; dabei war das doch ganz klar: Ausrüstung. Die Neugier im hintersten Winkel nach allem Möglichen zu buddeln hat jeden erfasst und ist fester Bestandteil aller Spiele.
r0f0 nlfg AdH, Baby
Faulschuppe kennt heute jedes Kind
Aber was sind schon hinterste Winkel in einem Spiel wie Factions? Die Populationsdichte ist geradezu beunruhigend hoch. War man es aus Tyria noch gewohnt sich abseits von Missionen und Questen in der Landschaft zu verirren, so ist in Factions an jede Ecke Betrieb. War man einst damit beschäftigt den Boss mit dem gewissen Eliteskill in den Zittergipfeln überhaupt zu finden, so muss man neuerdings eher aufzupassen nicht aus Versehen noch einen zweiten oder dritten Boss in den Kampf mit hineinzuziehen. An jeder Ecke schallt es dazu „lfg PQ“.
In der Community darf deshalb über den richtigen Umfang gestritten werden. Ist Umfang nun die Größe des Spielfeldes? Ist die Anzahl der Questen gemeint? Ist Umfang die Anzahl der Stunden, die man „normalerweise“ braucht? Oder ist gar eine Rückkehr zu den chauvinistischen Wurzeln des Begriffes Umfang die einzig wahre Lösung. Dann sollte man lieber Dead or Alive spielen und nicht Factions.
Umfang? Ich geb dir gleich Umfang.
Der traditionelle MMO Ansatz ist es, den Spieler mit enormen Laufwegen zu erschlagen. So wird das Fortschreiten im Spiel maximal in die Länge gezogen und der Spieler unterliegt der Illusion der Umfang wäre riesig. In einer Welt ohne eine Methode sich von A nach B zu teleportieren wird so jeder Quest zu einem erbarmungslosen Kampf mit der persönlich verfügbaren Zeit. In solch einer Welt braucht sich keiner einbilden schnell mal ein paar Leute zusammenzutrommeln mit denen man losmarschiert. Je weiter man im Spiel fortschreitet, umso mehr diktiert die Gruppe, der man regelmäßig angehört, die Spielzeiten. Meist fährt man schließlich einmal zwei Wochen in den Urlaub und stellt danach fest, dass die meisten auf der Friendslist nun zu weit voraus sind, um sich ihnen einfach anzuschließen und die Laufwege der Freunde zu weit, um mal eben zum Aushelfen zurückzukehren.
Eines schönen Tages war es plötzlich mit der Ruhe vorbei
Factions verschont den Zocker mit solcher Spielmechanik. Stufenunterschiede sind kaum ein Thema und Questen laufen überwiegend unter 30 Minuten ab. Der Spielrhythmus ist sehr entgegenkommend für alle, die nicht der Kaste der Powergamer angehören. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine Gruppe aus acht Fremden nicht wirklich ein Problem darstellt. Selbst wenn der Spieler auf die schlechtesten aller Mitstreiter trifft, so bleibt es ein Schrecken mit Ende nach 30 Minuten. Man findet nicht erst nach einer Stunde Anreise zum Dungeon und einer weiteren Stunde Spielen heraus, dass man getrost wieder eine Stunde zurückjoggen kann nur weil die Pugs nix taugen. Nicht einmal die High-Level Questen in Guildwars müssen über zwölfundzwanzig Foren organisiert werden; das kann alles bequem im Spiel erledigt werden. Ein Ruf in den Allychannel und schon teleportieren alle Gelangweilten aus allen Ecken des Spiels innerhalb einer Minute herbei. In anderen MMOs undenkbar. Über zuviel Zeit, die durch schlechte Gruppenwahl verloren geht, muss sich schon mal keiner bei Factions beschweren. Das gilt umso mehr, da im regulären Missionsverlauf, kaum unüberwindbare Hürden zu finden sind. Hier und da mal eine Mission, bei der man einsehen muss, dass es mit dem Kopf nicht durch die Wand geht, und das war es in Sachen Schwierigkeitsgrad auch.
Ein wenig mauer ist die Lage für den, der sich wirklich zur Kaste der Powergamer zählt. Denn sollte er PvP nicht mögen, so könnte es passieren, dass ihm nach einiger Zeit die ganzen Missionen, sowie die nach Final Fantasy XI Standards geradezu lächerlich kurzen Questen auf den Geist gehen. Er wird sich dann nach High-End PvE Futter umsehen. Das kommt zunächst in der Form von Unterwelt und Riss des Kummers. Diese Beiden, aus Prophecies bekannten „Riesendungeons“, bieten stundenlanges Gameplay und Herausforderung. Viel zu schade zum schnöden Farmen und nach Entfernung etwaiger Buchtricks auch wieder sehr gut zu spielen. Da aber davon ausgegangen werden kann, dass die meisten PvE Enthusiasten Riss und UW schon kennen, ist die eigentliche PvE Neuerung für gehobenes PvE Spiel die Elite Mission. Wie so vieles in Factions kommt diese in den zwei Geschmacksrichtungen Kurzick und Luxon. Leider ist die Factionsgemeinde extrem abhängig von einigen wenigen Spielern was den Zugang zu diesen Missionen angeht.
Vor den PvE haben die Götter die Halle der Helden gesetzt
Das ist nichts Neues, schon Riss und Unterwelt erfordern, dass Europa die Halle der Helden, eine PvP Zone, kontrolliert. Für uns inzwischen ab nachmittags eine Selbstverständlichkeit, ehemals höchst selten und Anlass zu verärgerten Flame-Threads. Sogar der Account Exodus in die USA war zu jener Zeit sehr beliebt. Welcher PvE Begeisterter macht sich schließlich die Mühe und verdient sich erst im PvP höchste Meriten um DANACH Zugang zum High Level PvE zu haben. Richtig, keiner. Allein die gute europäische PvP Community macht uns diesen Umstand vergessen. Die Japaner und Taiwanesen mit Spaß am PvE sehen das bestimmt anders.
Der Zugang zu den Elitemissionen in Factions erfordert derweil die Freundlichkeit der herrschenden Allianz, auch ein Punkt an dem die Community zuletzt alles andere als Einigkeit zeigte. Klar könnte man dem Spieler mit Eliteanspruch vorwerfen, er müsse sich nur mehr um die Elite Mission bemühen und einer ordentlichen Allianz beitreten, doch das geht am Punkt vorbei. Die Elitemission ist defacto der einzige neue Missionstyp, der Zustimmung findet, Gruppen für den Jadesteinbruch oder eine Highscoremission zu finden ist eine Qual. Unter diesem Aspekt dem Spieler abzuverlangen, dass er sich jeden Tag für den Zugang zu den Elitemissionen den Hintern wund spielt ist nicht akzeptabel. Die Art des Punkteerwerbs empfindet die PvE Elite schlichtweg als unter ihrer Würde. Soziale Manipulation und Bestechung hingegen nicht. Und so wird eine Spielmechanik umgangen wo sie nur kann, dabei war doch das Ausnutzen von Exploits gegen die Eula. Oder ist der Hintereingang zu den Elitemissionen doch kein Exploit?
Sie haben 14h gewartet. Machen sie bitte eine Pause.
Captain, er behauptet wir sollen uns einfach eine größere Föderation suchen um zu Ihm beamen zu können.
Warum überhaupt die Gilde wechseln? Viele PvE Spieler sind in PvE Gilden und schätzen dort vor allem das kooperative abwechslungsreiche Spiel. „Nur“ eine Stunde täglich einseitig Punkte zu verdienen ist hier eine Horrorvorstellung. Ein Verlassen der Gilde ein Sakrileg. PvE Gilden sind keine Söldnertrupps mit Transfermarkt, dort gibt es keine täglichen Trainings, keine rigiden Vorschriften wer wie zu spielen hat, und man klammert sich schon gar nicht an Traumvorstellungen von Sponsoren oder $100.000 Preisgeld. PvE Profis werden sich nicht wie die Lemminge alle nacheinander die Beine ausreißen um einer Elite-Mission hinterherzuhecheln. Viel schlimmer, die spielen am Ende einfach ein anderes Spiel.
Der Schuldige ist die höchst repetitive Natur des Punkteverdienens. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, da die Allianzen, welche in Konkurrenz um die Hauptstädte stehen, immer bestrebt sein werden, beim Punktesammeln den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Egal ob dieser aus Kistenschleppen, High Score Missionen, oder PvP-Light besteht, er wird immer in Punkte pro Stunde gemessen und immer höchst repetitiv sein. Klar kann man auch weniger effiziente Methoden verwenden, das wird sich aber im Zeitaufwand niederschlagen und den will man ja so kurz wie möglich halten. Schließlich will man lediglich in die Elitemission rein, um seinen Forscherdrang zu stillen und nicht um sich von 200h des Farmens abzulenken. Erst 600 Leute zu suchen und dann 14 Tage Punkte zu sammeln um [oOo] vom Thron zu stoßen ist eine absurde Vorstellung, die nur von der Idee übertroffen wird, ein PvE Spieler würde erst lernen wie er fünf Runden lang die Halle der Helden hält und dies jedes Mal tun bevor er in den Riss geht. PvE Spieler, werden immer warten bis die Ampel von Alleine grün wird, sich beschweren warum sie Rot bleibt, danach versuchen die Ampel zu demolieren und, wenn alles nicht hilft, an eine andere Kreuzung gehen.
600 Gleichgesinnte zu finden ist eine Kunst
Das Konzept einer Belohnung für das Verdienen irrwitziger Punktzahlen ist ihnen so fremd wie egal. Darauf angesprochen wird dieser Typus Spieler höchstens schnippisch entgegnen, dass die Elitemissionen in den Ankündigungen als Belohnung für fähiges Spielen, nicht ausdauerndes, beworben wurden. Längst hat Anet angekündigt die Methoden des Zugangs zu überarbeiten, das Geschrei von Zeter und Mordio ist dank regelmäßiger Taxis quasi verstummt.
Das ist gut so, denn gegen Geltungsbewusste Allianzen, deren Alterstruktur einen Zeitaufwand erlaubt, der über den der arbeitenden Bevölkerung hinausgeht, ist in jedem Fall kein Kraut gewachsen. Mag sich einer noch so sehr zwei bis drei Mal pro Woche für 4-5 Stunden mit GW zudröhnen, er wird keine Chance haben. Die Lebensumstände der echten Welt spalten die Factions Welt in zwei Lager. Auf der einen Seite diejenigen, die beim Konkurrieren um Hauptstädte mitmachen könnten, und diejenigen die auf Grund ihres Lebens IMMER auf Taxis angewiesen werden sein.
Gerade diese letzte Gruppe von PvE Spielern ist es, die nicht Geltung, Ruhm oder Erfahrungspunkte suchen, sondern die Herausforderung abseits von Wiederbelebungsschreinen und Gefolgsleuten. Sie haben jede Ausrede für eine Story schon mal gehört, alle Drachen getötet, alle Prinzessinnen befreit und alle weltumspannenden Verschwörungen zerschlagen. Sie forschen nur noch des Forschens Willens. Allein die Idee wieder in den Katakomben von Ascalon rumzurennen, reicht ihnen als Spiel völlig aus. So schön die große Anzahl an kleinen Missionen auch ist, man sollte sich ab und zu auch ganz ohne roten Faden in einer Ecke verirren dürfen.
Das ist der Zustand des Spiels: Erforschen. Wir warten begierig darauf uns befreit von allen Handlungssträngen in fremde Welten zu stürzen. Entdecken kann so schön sein ohne den ganzen Stress, dass man ständig der Heilsbringer der Verheißung ist oder seinen Elitestatus durch endlos sinnlose Fingerübungen nachweisen muss.