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State of the Game: PvE #5
Autor: 4thVariety, letztes Update: 12.09.2006

Preview, Preview, Preview, tretet ein Preview-Liebhaber. Ich weiß alles als Erster und in Farbe, all mein Verstand geht heute über Bord, ich schreib über PvE, PvP, PvGC, ja sogar über PvRL. Ich hab mir nur für euch ins Bein geschossen und schreib jetzt mal ein wenig darüber, wie es ist wirklich auf den Teppich zu bluten.


Das Thema Heute: Preview Panik

Zuerst ein Blick zurück ins Fernsehen der 80er Jahre. Dort begann jede Folge der Fernsehserien wie „Night Rider“, „Colt für alle Fälle“, oder „Ein Duke kommt selten allein“, mit einem Zusammenschnitt der Folge. In etwa 15 Sekunden wurden alle Storybits einschließlich des finalen Cliffhangers zusammen geschnitten und dem Zuschauer präsentiert. Einschalten musste man erst wieder zu den letzten zwei Minuten, um den Stunt eines fliegenden Autos zu sehen, mit dem sich alles zum Guten wendet. Spannungskurve war gleich null, wenn man den Zusammenschnitt am Anfang aufmerksam betrachtet hatte. Auch Film-Trailer verfuhren früher nach diesem Prinzip. In 90-180 Sekunden erfuhr man, ohne Rücksicht auf Wendungen und Spoiler, Alles über den Film. Heute hat diese Unsitte in der Medienwelt aufgehört. Der Ganzen Welt? Nein, eine Branche leistet erbitterten Widerstand.


In den 70ern hat man den ganzen FIlm schon mal im Trailer erzählt

Nicht nur die PCG enthält tonnenweise Spoiler

Ihr Spezialgebiet ist das virale Marketing. Hip und Up-to-Date. In allen Ecken des Netzes werden kleinste Informationen gestreut, die Fieberhaft von den Schnitzeljägern aller Communities zusammengetragen und -gefügt werden. Mit weiterer Hilfe von riesigen, exklusiven, mit möglichst vielen Bildern und Videos ausgestatteten, Zeitungspreviews, entsteht schon vor dem Release ein komplettes Bild des Spiels. Das Drucken von Komplettlösungen noch vor der Veröffentlichung des Spiels ist der finale Sargnagel. Jeder Beteiligte ist Komplize bei dem Verbrechen am Spiel, denn Jeder trägt die Infos weiter als wären sie etwas Tolles. Dabei lebt ein Spiel auch von der Erzählung, der Storyline und der Tatsache, dass es sich langsam entfalten kann. Das Erlebnis selbst wird durch die Previews also ruiniert, denn auch ein Buch, von dem ich alle Storydetails, Gegenden und Wendungen kenne, würde ich nicht lesen; und erst recht nicht kaufen.

Leider hat sich auch auf der GC bewahrheitet, dass die meisten Devs zwar stolz wie Oskar auf ihr Produkt sind, aber darüber vergessen, dass man von seinem Content nicht schon alle Details vorher rausposaunen sollte. Der gekrönte König der Spoiler ist derzeit Crysis, von dem es kaum etwas gibt, dass ich noch nicht irgendwo gelesen habe. Alles was ich noch machen muss, um Crysis zu genießen, ist 1000€ in ein Rechnerupgrade stecken, 40€ an Ubisoft zahlen und dann 20h lang im „Preview Deja-Vu“ zu schwelgen.


Vorher Wissen ist der natürliche Feind des Erlebens


Ich klettere also durch das Fenster meines Autos ins Innere, vergewissere mich dass ein Schweißgerät im Kofferraum ist, und aktiviere den „Hot-Pursuit Mode“. In Leipzig angekommen stelle ich nun die Frage aller Fragen: „Was ist der Hauptgrund dir 40€ für Spiel X zu zahlen?“. Hier die Antworten.


Die Spielepromo in ihrem Lauf...

Den Anfang macht Martin Kerstein mit der Aussage „Nightfall wird das Spiel revolutionieren“. Ein Mutiges Statement an historischer Stätte. Die Antwort auf die Frage, ob Kerstein sich damit als dritter Leipziger Revolutionär neben Liebknecht und Ulbricht positionieren will, oder seine Revolution in der Tradition von 1989 steht, ist noch offen. Ich hoffe, dass ich nicht der einzige GuildWars Spieler bin, der die Meinung vertritt, dass neuer Content zwar dringend, eine Revolution jedoch überhaupt nicht gebraucht wird. Die Preview-Mission in Leipzig scheint zumindest zu bestätigen, dass die Entwickler einer ähnlichen Meinung sind. Sanfte Evolution beim Gameplay umspült die Sinne, man muss mir nicht alles neu erklären; wie zum Beispiel nach einer …hmmm.. sagen wir Revolution?

Besondere Erwähnung gebührt Age of Conan. Nach einer Vorführung am Microsoft Stand, deren Hauptfokus auf dem berittenen Enthaupten von Gegnern lag, war die Antwort auf die Frage nach dem Hauptgrund schlicht: „Combat!“ Bei Crom, eine rollenspielerisch hochkorrekte Antwort die wahrlich in der Tradition von Conan steht. Überhaupt fühlt man sich den Traditionen von Game-Shows sehr verpflichtet. Eine davon ist das zur Schau stellen spärlich bekleideter Frauen. Die Idee dahinter scheint zu sein, dass je mehr man von Nacktheit abgelenkt wird, umso weniger die Qualität des Spiels in Frage stellt. Eine Werbestrategie die bislang nur auf Männer ausgerichtet zu sein scheint. Dem viel betonten, wachsenden Frauenanteil auf der GC wurde nicht in Form von entkleideten Männern Rechnung getragen. Dabei würde, meiner Meinung nach, ein im Ledertanga gekleideter Body Builder mit Peitsche die Verkaufszahlen einer Pony-Reiterhof Simulation sicherlich mehr steigern, als alle Bikini-Bimbos auf allen Motorhauben.


Lösung gibts dann nächste Woche

Ein Überblick über die GC-Loot-Kategorien

Sorgt das noch nicht für genug Aufmerksamkeit, so kann man noch ein wenig Geld sparen indem man Sachen verschenkt. So wird totes Material aus den Lagern in das Publikum gefeuert und in steuerlich absetzbare Werbekosten verwandelt. Das muss für die betreffende Firma nicht bedeuten, dass ich mich an sie erinnere. Als echter Profilooter von Conventions, konzentriere ich mich auf das wesentliche, wie die Flugbahn, Flughöhe und meine Armreichweite, um mich so im PvRL gegen jeden durchzusetzen. Mein Tipp, sobald man etwas gegriffen hat, anfangen zu drehen, dann können eis einem Andere schlechter im Nachfassen entreißen. Welche Firma dabei Mousepads und Headsets ins Publikum warf, hab ich bereits vergessen. Sorry, wer auch immer ihr seid, der steuerliche Vorteil muss diesmal reichen.

All dieser Trubel kann kaum eine sinnvolle Entscheidungshilfe sein. Ultimativ ist die Spielebranche immer eine Unterhaltungsbranche. Sobald jemand beweisen kann, dass er für den Preis genug unterhaltenden Gegenwert bietet, ist sein Spiel gekauft. Damit gesellt sich zum Silikonwettrüsten und Müllwerfen, die dritte Disziplin: Feature-Spamming. Dabei wird versucht durch eine möglichst lange Liste von Gründen den Kaufreiz beim Kunden zu stimulieren. Diese Features lassen sich in Kategorien einteilen: (1) Wie gut die Graphik/Sound sind und was wird „nur“ benötigt damit das Spiel funktioniert. (2) Wie toll Umfangreich das Spiel doch ist. (3) Das Herausstellen von sinnlosen Detailfeatures die keine Auswirkung auf das Spiel haben.


Auch auf dem Coverrücken wird verzeifelt nach Kaufargumenten gerungen, vergleicht selbst!


Nightfall wird wohl leider Opfer dieser Werbestrategien werden. Selbst wenn Anet und NCSoft sich zurückhalten, so wird die Masse an pressemappen-wiederkäuenden Webseiten, Zeitungen und Fernsehshows sicherstellen, dass euch versucht wird einzureden ein anderes Spiel wäre besser (oder schlechter), weil dort mehr (weniger) Polygone, mehr Reittiere, mehr Stufen, oder mehr Sonst was drin ist. Auf für den Spielspass entscheidende Elemente werden dabei kaum Worte verschwendet. Dazu ist man zu sehr mit Graphik, Sound und Storyspoilern beschäftigt. Manchmal wird es noch mit Kommentaren gewürzt, bei denen sich der erfahrene Spieler verwundert fragt, ob der Rezensent dass Spiel überhaupt gespielt hat. Anders kann ich mir viele Berichte heute nicht mehr erklären. Ein technisches Problem sollte es nicht sein, ein Spiel anhand von ein paar Screenshots, der Soundtrack CD und ein paar Statistiken zu testen.


Soviel Spannung erzeugt derzeit kein Spiel, eigentlich eine Schande

Mir ist es egal, ob es 12 neue Schwertskins gibt, oder 300 neue Skills. Es ist auch egal, ob es ein wenig komfortabler geworden ist umzuskillen. Ich habe auch weiterhin keinen Weltretterkomplex und kauf nur Spiele in welchen ich die Welt retten muss. Die Sims verkaufen sich auch gut ohne, dass man eine wahnsinnige Herrscherin davon abhalten muss, mit der Macht eines gefallenen Gottes, die Welt zu zerstören. Die Intensität der Spannungskurve ist in Computerspielen ohnehin noch meilenweit von durchschnittlichen TV-Serien entfernt. Nur ein paar Ausnahmen zeigen das erzählerische Potential des Mediums. Trotzdem spielen wir alle Computerspiele. Denn neben all den austauschbaren Dingen, deren tabellarische Gegenüberstellung zur Meinungsbildung eine journalistische Bankrotterklärung und kein cleverer Einfall ist, besitzen Spiele eine Qualität, die man bereit sein muss in mehr als nur zwei Worten zu auszudrücken. Versteht mich nicht falsch, Zeitungen sind gut, aber nicht wenn sie das Spielerlebnis ruinieren. Ein guter Bericht sollte, wie ein guter Trailer, mehr Spannung auf das Spiel erzeugen und nicht schon alles vorher verraten und höchstens noch das letzte Level offen lassen.



Wer seinen Spaß bei Nightfall optimieren will, sollte weniger versuchen „Teil des Hypes“ zu werden und irgendwelchen Infos hinterher zu rennen. Man sollte dringend darauf verzichten, seinen Kaufentscheid von Feature X abhängig zu machen. Nutzt lieber die Zeit und bereitet euch auf den zentralen Aspekt von Nightfall vor: Das Spielen. Dazu braucht ihr eine gute Gilde, in der Leute da sind, mit denen man gerne zusammen spielt, und eine gepflegte Friendslist, die auch in der Richtung behilflich ist. Denn mit einer Gruppe Gleichgesinnter macht JEDES Spiel Spaß. Wer sich dennoch lieber auf Previews verlässt, der sei eindringlich gewarnt, nicht auf Meckerer hereinzufallen, die Wohl und Wehe eines Titels von der Verfügbarkeit von Detail-Features abhängig machen. Lacht sie aus die Leute, die Graphik, Sound, sowie andere aussagelosen Zahlen Vergleichen. Nehmt euch die Zeit und sucht ein wenig nach neuen Kontakten in den Gildenhallen der Elite-Fanseiten. Dies wird mehr zur Spielqualität von Nightfall beitragen, als das vorherige Wissen eines bestimmten Details, auf das es doch nicht ankommt. In diesem Sinne, viel Spass bei GW-Nightfall, ich werd ihn haben.













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