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State of the Game: PvE #14
Autor: 4thVariety, letztes Update: 00.00.0000

Ein Apfel ist keine Birne, deswegen kann man sie nicht vergleichen. Diese Weisheit wird von Kindheit an in uns eingetrichtert. Der Unsinn dieser Behauptung zieht endlos seine Bahnen, denn wozu brächte man denn überhaupt einen Vergleich, wenn die beiden zu vergleichenden Objekte von vornherein Identisch sein müssen um einen Vergleich zu erlauben?


Apfel und Birne in einem? Nashis gehören verboten!


Heute: Von Äpfeln und Birnen


Fleisch ist Fleisch, oder?

In Äpfel und Birnen ausgedrückt kann es zwei Gründe geben, warum ein potentieller Vergleich mit dem Sprichwort bedacht wird. Entweder ist eine Partei nicht daran interessiert verglichen zu werden und nutzt diese Analogie um den Vergleich ins Lächerliche zu ziehen; oder man ist schlicht nicht fähig den Apfel und die Birne mit den passenden Attributen zu versehen. Kann auch sein, dass man gar nicht weiß worauf man die Äpfel und Birnen untersuchen will, dann hätte man wirklich ein Problem mit einem Vergleich. Dabei muss man kein Botaniker sein, um festzustellen, dass beides Früchte eines Kernobstgewächses aus der Rosenfamilie sind. Allein zufällig gewählte Attribute in Wechselwirkung mit persönlicher (oder kultureller) Präferenz können bereits dazu dienen die beiden Stücke Obst zu vergleichen. An meinem persönlichen Geschmack könnte jetzt jeder sofort zweifeln, die Unterstellung, dass Geschmäcker eben verschieden seien, schützt die Anhänger der mir widersprechenden These davor, sich mit meinen Fakten konfrontieren zu müssen und hilft, sich weiter in ihrer Wahrnehmung der Dinge abzuschotten. Was ich dabei als meine Meinung betrachte, ist oftmals nur Ergebnis jahrelanger Prägung. Ich find Schweineschnitzel toll und habe hier keine Probleme mit der Aussage. Wäre ich aber in Dubai aufgewachsen, würde ich das anders sehen. Nicht weil Schweinefleisch in Dubai anders schmeckt, sondern weil ich dann dazu erzogen bin Schweinefleisch abzulehnen. Ist ein wenig wie mit Tokio Hotel und Mädchen, die zwingen sich das schon gegenseitig auf gut zu finden, denn isolieren will sich keine. Jungs machen das eben nicht mit Tokio Hotel sondern mit….Moment mal.


Im Klartext bedeutet das für uns hier, dass wir dazu erzogen wurden zu glauben, man könne Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, oder GuildWars mit anderen Spielen des gleichen Genres, anderer Genres oder Fußball. Aber warum nicht? Denn sobald man das PC Magazin aufschlägt, wirft man doch auch alle persönlichen Äpfel und Birnen Thesen über Bord. Jetzt liest man ja eine Zeitung, das muss muss muss ja die Wahrheit sein was da drin steht, in Prozent noch dazu. Dabei vergleichen auch die nur Computerspiele miteinander in den Kategorien Graphik, Sound, Gameplay und Gesamt. Nur gilt dort das Äpfel und Birnen Gesetz komischerweise nicht. Dabei liest man allenorten, dass die [Graphik / Sound / Gameplay] für ein [fps / MMO / RPG] nicht schlecht sei. Relativierende Sätze überall, was mich als Kunden ehrlich gesagt abtörnt. Denn auch Dieter Bohlen würde mir Recht geben, dass es keine Rolle spielt wenn ein 55-jähriger, übergewichtiger LKW Fahrer mit Kehlkopfkrebs für seine Verhältnisse sehr gut singt. Das ist trotzdem noch scheiße. Die CD kauft keiner. Genauso geht es mir als Computerspieler. „Sehr gut für ein [fps / MMO / RPG]“ ist die höfliche Art zu sagen, dass etwas eigentlich veraltet ist. Ob ein Genre an sich der Zeit hinterherhinkt, spielt aus Kundensicht keine Rolle. Kackgraphik, ist und bleibt Kackgraphik. Das kommt, weil der Spieler in erster Linie ein Entertainmentprodukt kauft. So sehr ich mich bemühen würde Flash Gordon aus den 80ern schönzureden, sind die Effekte eben heutzutage leider Mist. Zu behaupten man könne einen 27 Jahre alten Film nicht mit heutigen Machwerken vergleichen hilft nichts. Zumindest nicht im Verkaufsregal und dort zählt es.


Der eine will die Klappe nicht halten, der andere bekommt sie nicht auf. Anet taten was sie konnten..


Kabuki ist keine Darstellungsform welche die Lebenszeit eines Spiels verlängert

Will man wirklich wissen wo man steht, muss man den Blick über den Tellerrand wagen und den scheinbar unmöglichen Vergleich anstreben. Der ist gar nicht so schwer wie man denkt! Fangen wir mit der Optik an. Graphisch gesehen sind 100% aller derzeitig erhältlichen MMOs total veraltet. GuildWars macht dabei nicht die Ausnahme. State of the Art sieht anders aus. State of the Art hat auch ganz andere Hardwareanforderungen. Wenigstens hier macht Guildwars einen guten Eindruck. Es holt relativ viel aus „älteren“ Gfx-Karten heraus. Dabei bleibt die Optik einheitlich und passt zusammen. Oft kombinieren Spiele plumpe DX6 Landschaften mit einem DX9 Effekt und wünschen ausschließlich an Letzterem gemessen zu werden, doch so einfach ist das nicht. Denn die DX9 Effekte drücken auf die Hardwarelast, was dann dazu führt, dass die Besitzer eines entsprechenden Rechners wiederum eher die DX6 Landschaft bemängeln. Zur Graphik gehört auch längst mehr als nur im Standbild gut auszusehen. Ein besserer Ausdruck für Graphik wäre „optische Präsentationsebene“ und dazu gehören, neben Polycount und Texturen, auch Animationen Schnitt und Kameraeinstellungen. Stellt euch alleine nur mal vor die Ingame-Sequenzen bei Guildwars hätten nur den Schnitt und die Kameraeinstellungen auf einem Niveau wie die beiden CGI Intros. GuildWars wäre präsentationstechnisch mit einem Schlag fast auf der Höhe der Zeit, wie gesagt nur Polycount und Textur opfert man eben dem Altar der Hardwareanforderung. Das mit dem Schauspielern der NPCs in Emotes ist auch Hardcore Oldskool und entspricht nicht jedermanns Vision des Jahres 2007. Dank frühkindlicher Prägung ist das in den Augen vieler schon wieder ein Apfel und Birnen Vergleich, denn was kann man von einem MMO schon erwarten?


Bei der Bewertung der optischen Präsentationsebene ist imho trotzdem darauf zu achten, ob alle Teile berücksichtigt wurden. Einen Teil nur deshalb von der Bewertung auszugrenzen, weil das in dem Genre unüblich ist, macht keinen Sinn. Jump and Run war auch mal ein Pixelhaufen Genre. Dann kamen Prince of Persia und Another World und definierten die Erwartung an die Animation der Charaktere neu. Plötzlich war er sichtbar, der Abgrund in der Graphik. Auf der einen Seite die Sexyness eines vielfarbigen Standbildes mit vier Animationsphasen, auf der anderen die hypnotisch flüssigen Bewegungen. Heute ist alles 3D, 2D-Birnen sind tot, es gibt nur noch Äpfel. Trotzdem sind weite Teile der Präsentation des Inhaltes stiefmütterlich vernachlässigt. Trotzdem werden weiterhin innerhalb Computerspielen, und damit meine ich auch GuildWars, Filmsequenzen auf einem Niveau präsentiert, dass Regisseuren die Augen bluten, Schauspielerische Leitungen geboten die immer einer goldenen Himbeere würdig sind, und ein Schnitt an den Tag gelegt zu dem mir immer wieder John Carpenters Kommentar einfällt: „Hey wir waren jung, wir hatten keine Ahnung, da schwenkt man halt rein in die Totale und dann schwenkt man wieder raus“. Das alles ist komisch, denn verbesserter Schnitt, Kamera und Schauspielerei sollten doch allemal einfacher zu bezahlen sein als höherer Polycount und Auflösung. Wer die Ebene des Geschichtenerzählens betritt muss sich eigentlich warm anziehen. Mehr Polygone helfen da wenig.


Bei den geboten Dialogen sieht nicht die Mumie alt aus. Wieder mal.


Harmonieren Bild, Schnitt und Ton bleibt eine Szene im Gedächtinis

Gleiches gilt für alle Soundbelange. In der Videospielsteinzeit war es klar: Das ist Level 3, da dudelt mod.worldthree. Mit erhöhter Szenenhaftigkeit der optischen Präsentation, müsste sich auch die Soundpräsentation anpassen. Fehlanzeige. Durch die Bank plätschert der Sound vor sich hin. Eine Walkline oder ein Battlemusic Trigger sind schon das höchste der Gefühle. Die Verknüpfung von markanter Szenerie und markantem Sound fehlt in Computerspielen gänzlich. Wie man 99% der Computerspiele guten Gewissens auf einer Skala von 1-10 mehr wie eine 3 für Sound geben kann, ist mir ein Rätsel. Achja, man könnte natürlich Vergleiche als unzulässig deklarieren und nur erlauben am Genreprimus messen. Doch mit dem ist es bei MMOs halt wie mit dem 55-jährigen LKW Fahrer. Dazu kommt, dass ich vielleicht als Kunde gar nicht bereit bin so viele genretypischen Einschränkungen zu akzeptieren. Ich will ein tolles Spiel, kein Genre. Von Spannungsbögen und Handlung will ich gar nicht erst anfangen. Klar ist es ein Fortschritt, dass GW als MMO überhaupt eine Handlung hat. Nur weil andere MMOs keine haben, lege ich deswegen die Messlatte noch lange nicht niedriger. Das ist ein zulässiger Vergleich, denn im Streben nach Entertainment durch Handlung, ist der Markt knüppelhart. Es gibt einen Grund warum man von der neuesten Folge 24 aufgeregter erzählt, als von der letzen GW-Mission die man gespielt hat. Es ist im Übrigen der gleiche Grund warum man NIE aufgeregt von Questen in Grind-MMOs erzählt, sondern gleich zum virtuellen Genitalienvergleich anhand zweistelliger Zahlen übergeht. Ist GW nun gut in dieser Hinsicht? Nur wenn man bereit ist auszublenden, kann die einzige Antwort lauten.


Zyniker mögen mich fragen, „Ja warum spielst du dann noch, wenn alles Scheiße ist?“ Doch gerade hier liegt der Reiz. Außerhalb der abgetrampelten Genretypisierungen und Messkategorien von Magazinen mit Prozentfetisch tut sich was. Multiplayer. Hier ist das MMO Genre uneinholbar vorne und besitzt einen Einzigartigen Mechnismus: Sozialen Druck. Man ist nicht gerne das einzige Kid in der Nachbarschaft, das nicht skatet, das suckt irgendwie gewaltig. Man ist auch nicht gerne der einzige Dad ohne praktischen Kombi, der dennoch ein sportliches Fahrwerk hat. Dieses altbekannte Wettscheißen wurde erfolgreich von Computerspielen an sich, auf ein einziges Spiel herunterkonzentirert. Speziell im PvE Bereich. Massively Online Competitive kann man jedes Genre bieten. Shooter, Teamshooter, Strategie, sogar Rollenspiel. Competitive Adventure kein einziges. Abenteuer erlebt schon immer gemeinsam und plötzlich geht es. Ein angeblich totes Genre erhebt sich aus der Asche. Der Effekt des Spielens potenziert sich schnell, wenn man RL-Freunde mit einbezieht. Gemeinsam vorankommen übt den uneinholbaren Reiz der kooperativen Onlinespiele aus. Manchmal ist PvP auch nur eine Umverpackung, denn ob „die Anderen“ nun Spieler oder Computer NSCs sind spielt keine Rolle. Hier liegt auch der Hund begraben. Oberstes Kriterium für die Wahl der Spielwelt, ist nicht unbedingt ihre Qualität in graphischer oder spielerischer Hinsicht. Sozialer Druck aus dem Freundeskreis bringt zumindest einen Teil der Spieler viel schneller zu einem Spiel, als alles andere. Pokemon ist Mist? Pokemon ist ein verdammt gutes Spiel, vorausgesetzt dein gesamter Freundeskreis spielt es. Fehlt der soziale Anschluss, dann ist es auf das nackte Spiel reduziert wieder das, wofür ihr es haltet. Das gilt für Skaten und Fußball genauso. In diesem Fall macht es sehr viel Sinn GuildWars mit z.B. Call of Duty zu vergleichen. Die CoD Devs müssen all ihre Präsentationstechniken zusammennehmen und darauf hoffen, dass sie als Sieger vom Platz gehen, während die Spieler schon längst einem neuen Kult huldigen ohne die noch realistischer Graphik zu beachten. Dem kooperativen Spiel. Wo GuildWars und andere MMOs auf der Präsentationsebene noch ungeahntes Potential entfalten könnten, befinden sich fps in der spieltechnischen Sackgasse. Nur sind auch dort die Leute nicht dumm und drängen heraus. Co-Op Shooter sind auch nichts Neues, nur ist das klassische fps halt ein wenig kurz im Vergleich zu Rollenspielen. Was man nicht gleichzeitig Spielen kann, können die Spieler tauschen, selbst wenn sie sich zwingen es zu spielen. Wenn man sie aber dazu bringen kann etwas gleichzeitig zu spielen, verkauft man mehr Einheiten, einfache Logik, große Auswirkung.


Wesley fand dieses Game auch Mist, nur kam es auf seine objektive Meinung nicht an


No Friends, No Chance. Man zockt, was die Kumpels zocken.

Daher muss jeder lernen Äpfel mit Birnen vergleichen, sonst kann es passieren, dass er einfach der Masse folgt und gar nicht mehr weiß worüber er gerade eine Aussage trifft. Ist es die nüchterne Qualität der Graphik? Oder doch eher der soziale Druck des persönlichen Umfeldes Produkt X mit Zähnen und Klauen zu verteidigen? Das Sprichwort „Eine (acht) Million Fliegen können nicht irren“ ist die ironische Warnung. Denn schon morgen kann ein neuer größerer Haufen besser duften. Kannst Du es dir leisten out zu sein, ist eine Frage, die sich an jeder Ecke, real oder virtuell, stellt. Eine Hysterie kann so schnell abebben wie sie aufgekommen ist. Daher muss sich jedes MMO zwei sehr unangenehme Fragen stellen: (1) Biete ich genug sozialen Anschluss, was dazu führt, dass die Spieler auch in der echten Welt anfangen Leute zu bekehren? (2) Kann ich mich auf der Präsentationsebene (nicht nur Polycount und DetailTextures) weit genug von der Konkurrenz absetzen? Die Antwort auf Frage Eins ist kompliziert. ArenaNet hat da viel zu bieten, aber schon unsere Community könnte besser mitziehen. Das nächste Mal, wenn ihr euch entnervt einlogt und losflamen wollt, versucht doch mal zur Abwechslung freundlich zu sein und einen neuen Eintrag auf der Friendslist zu bekommen. Das ist auch frustbewältigend und stresst wahlweise unsere Mods, oder den NC Support weniger. Man fühlt sich eh nicht besser, wenn man die Scheiße, die man selber erhält, einfach Online an Andere weiterschaufelt. Bestenfalls imitiert man damit das Verhalten, welches einen ursprünglich so angekotzt hat. GuildWars ist ein Entertainmentprodukt, kein Entnerv-Client. Wer seinen Fokus darauf ausrichtet wird seinen Spaß haben, wer Pixel zählt und Vergleiche anstellt, muss diese auch durchziehen; an den Besten der Besten, ohne Einschränkung. Genre, Medium, Gewohnheit, spielen keine Rolle. Ein Spiel, welches sich über social Peering verbreitet, steht nicht ausschließlich in Konkurrenz zu anderen Spielen. Tokio Hotel, Jack Bauer, Harry Potter und Pokemon warten alle darauf Tyria als uncool zu brandmarken, aus eurem sozialen Umfeld zu verbannen und euch damit zu isolieren. Die Antwort auf Frage Zwei ist einfach. So eingleisig wie Präsentation wahrgenommen wird, sollte das doch ein Kinderspiel sein. Jordan Mechner hat es vorgemacht.













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