State of the Game: PvE #15 Autor: 4thVariety, letztes Update: 00.00.0000
Keine Infos zu Kapitel 4? Das mit dem Kaffeesatz hat auch schon mal besser funktioniert? Jack Bauer will sich einfach nicht bereit erklären euch Infos auf seine Art zu beschaffen? Weit und breit niemand mit Röntgenblick? Laut Gaile Gray sind schon in Nightfall Hinweise auf das nächste Kapitel versteckt. Genug lose Enden hat das Spiel, Zeit sie sich einmal näher anzusehen.
Heute: Halb- und Viertelwahrheiten
Utopia ist eigentlich der Ort, den es nicht gibt. Gleichzeitig ist es das heißeste Gerücht in Sachen Kapitel 4. Vier Monate vor dem Release von Factions wurde die Domain guildwarsfactions.com durch NCSoft registriert. Drei Wochen nach der Registration erfolgte die Ankündigung des Titels in einer Zeitung. Knappe Geschichte wenn ihr mich fragt. Ein halbes Jahr vor dem Nightfall Release folgte die Domain guildwarsnightfall.com. Beide Male konnte man so auf den Namen der nächsten Erweiterung schließen. Bei Nightfall dauerte es jedoch drei Monate, bis der Name offiziell bestätigt wurde. Als am 14.6.2006 die Domain guildwarsutopia.com registriert wurde, war das noch kein Thema. Nach dem Release von Nightfall wurde es heiß diskutiert. Utopia war nicht mehr totzukriegen, das offizielle Statement von Anet lautet, dass das nächste Kapitel noch keinen Namen und keinen Termin hat. Doch langsam, so ganz stimmt das auch nicht. Zumindest der Geschäftsreport von NCSoft listet in seinem Ausblick für das Jahr 2007 auf, dass in der zweiten Jahreshälfte mit einem neuen Kapitel zu rechnen ist. Ist man gutgläubig, kann man sich das schon gut vorstellen wie NCSoft die Hallen von Arenanet belagert und erst einmal mit einem „passt scho, zweites Halbjahr, nur Geduld“ wieder heimgeschickt wird. Die Zyniker Perspektive ist, dass NCSoft einfach selber ein Kapitel vier, für das zweite Halbjahr ankündigt, getreu der Devise, „das beruhigt Investoren und ewig werden sie sich schon nicht Zeit lassen.“ Nach der Methode verfahren viele Publisher; im Hinblick auf den Aktienkurs werden Releasetermine schon mal pauschal an das Ende des Geschäftsquartals gelegt. Das beruhigt und schafft Zeit. Kommt das Spiel dann doch nicht, ist es für die Anleger eh meist zu spät, um kurz vor der Dividendenwoche noch schnell in ein rentableres Boot zu wechseln. Alle Aktien mit hoher Dividende sind dann zu teuer, um damit noch ein Geschäft zu machen. „Aber in den nächsten drei Monaten kommt das Spiel wirklich?“ „Klar“, antworten die DukeNukem Entwickler routiniert. Im Fall von Kapitel vier heißt das im Klartext, dass man sich darauf verlassen kann, dass Anet nicht forever braucht. Wer den Computer und Videospielemarkt schon länger kennt, der weiß dass 80% der Topseller eines Jahres in den Monaten September, Oktober und November herausgebracht werden. Auch wenn es offiziell keine Ankündigung gibt, müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn dieser Termin intern nicht schon längst angepeilt ist. Und selbst wenn es mit dem Teufel zugeht, laut den Vatikanberichten zu seiner Involvierung in Computerspielen, ist er ein sehr guter Entwickler.
Projekt starten, verhunzen, beerdigen, wieder ausgraben. Unseriöse Ankündigungen helfen dem Kunden nicht.
Mit dem Skill würd ich mir keine Sorgen um sie machen
Ein anderes Gerücht ist noch hartnäckiger: Gwen. Wer Prophecies spielt, kennt Gwen. Ein liebes Mädchen, welches den Spielern in Alt-Ascalon eine Flöte, einen Umhang und diverse Schwertlilien aus den Rippen leiert. Zuletzt wurde sie von den meisten Spieler im Abspann des Tutorials gesehen, kurz bevor die Charr Ascalon in Schutt und Asche legen. Doch es gibt mehr. Wer am letzen Beta-Wochenende vor dem Prophecies Start teilnahm konnte miterleben, wie eine besessene Gwen mit ihrer Flöte die Spieler ungespitzt in den Boden rammte. Wer dabei war, beschwert sich meist nicht über „Versengende Flammen“. Die einzigen Überreste dieses Massakers sind eine zerbrochene Flöte, die man equippen kann, und ihr Umhang der nahe der Oase der Fischer angespült wurde. Gwens Mutter Sarah steht in der Einganszone der Unterwelt, sie starb während des Angriffs der Charr und fragt Neuankömmlinge in der Grenths Reich, ob sie ihre Tochter gesehen hätten, was von den meisten als Zeichen gewertet wird, dass Gwen noch lebt. Über Gwens Vater ist nur bekannt, dass er ein Abenteurer ist. Immer wieder wurde diese Storyline von den Spielern herausgekramt und die Entwickler damit beackert. Aus den Antworten war meistens ersichtlich, dass Gwen kein Charakter ist, der in der Zukunft verfolgt wird. Doch während der Winter Party 2007 in Brighton kam die Wende. TTH und Hexe von der Gilde Wolf Guard fragten Izzy, der eigentlich für die PvP Balance zuständig ist, ob er wisse was mit Gwen ist und dieser antwortete mit „Ja“. Keine Details, keine Ausführungen, aber die Katze war aus dem Sack. Gwen wird ihr Comeback haben. Ob als nettes Mädchen aus Ascalon, oder Asskicking Queen of Badassness darf gespannt erwartet werden.
In diesem Zusammenhang wird auch heftig über ihren Beruf diskutiert. Puristen führen an, dass Gwen bei ihrer Flöte bleiben sollte. Mit der konnte sie immerhin den Spieler heilen, oder mit übelster Feuermagie rösten. Mehr braucht man doch wirklich nicht, oder? Kramt man in Designskizzen der Entwickler, so fällt auf, dass es tatsächlich eine Charakterklasse gibt, welche eine Flöte benutzt. Der Barde. Nur hat es der nie ins Spiel geschafft. Unter den Skizzen für Factions ist er wieder da. Diesmal mit einer Laute und einem sehr bösartigen Blick. Kenner von Kung-Fu Hustle wissen, was sie sich an dieser Stelle für eine Charakterklasse wünschen. Eine die sagt, „eigentlich sind wir Musiker“. Im Preview zu Nightfall war zu lesen, dass der Derwisch aus einem Kung-Fu Kämpfer, der es nicht in Factions geschafft hat, entstanden ist. Aus einem kürzlichen Interview ist bekannt, dass die Wiedereinstiegsfunktion ebenfalls nie abgeschrieben war, sondern man nur auf den richtigen Geistesblitz warten musste. Das gibt uns einen Einblick, wie die Entwickler ticken. Ich hoffe, dass der Geistesblitz kommt und uns eines Tages genau das ins Haus steht: eine Bardenklasse mit Gwen-Beteiligung; es würde nahtlos in die bestehende Story passen. Die Frage nach gut oder böse wird sich nicht stellen wenn Gwens Flöte dann immer noch 1000 Schadenspunkte macht.
Die zwei Barden sehen wesentlich grimmiger aus als das Chuck Norris Imitat
War die erste Stadt nach einem Berg ausgerichtet?
Doch zurück zu den Infos, die angeblich in Nightfall versteckt sind. Erste Haltestation hier ist die Bibliothek von Prinz Mehtu. Dort lassen sich auch einige Worte aus ihm herauspressen. Er behauptet er befände sich im Besitz von Steintafeln, welche er auf einer Insel weit von der Küste entfernt fand und welche unter Mysteriösen Umständen verschwand. Klingt definitiv wie ein neuer Kontinent. Das einzige Problem ist nur, wo man jetzt weiter danach suchen soll. Hier kommt die Community ins Spiel, welche gewissenhaft die Küsten ablief. Mit erstaunlichem Ergebnis. Man sagt, dass man oft den Wald vor lauter Bäumen sieht, aber das war noch besser. Ein riesiger Berg, zu sehen vor der Küste von Istan. Er befände sich westlich von Istan, dort wo eigentlich noch nichts zu finden ist.
Angestachelt kramt man weiter. Auch Designskizzen werden einem prüfenden Blick unterzogen. Eine Skizze von Daniel Dociu springt einem förmlich ins Auge. Ihr Name, Atlantis. Da hätten wir doch eine Insel mit Erfahrung im Verschwinden unter mysteriösen Umständen. Die Zeichnung jedenfalls macht Lust auf mehr, ein Berg aus dem ein Meer entspringt, das ist für die ansonsten sehr geregelten Fantasy Verhältnisse in Guild Wars doch ein beachtliches Stück. Andere Spieler sehen in dieser Zeichnung einen Überrest des Königreich Orr, welches ja von Khilbron nach allen Regeln der Kunst verwüstet wurde. Einziger Lichtblick, die Charrarmee hat er damals miterwischt. Es darf weiter gespannt gehofft werden, dass die Spieler die Chance erhalten die zerstörte, halbversunkene Stadt der Götter zu erforschen. Mit dem Berg, der von den Ruinen von Fahranur zu sehen ist haben sie nichts zu tun. Orr liegt nördlich, der fragliche Berg westlich. Eine Insel die mysteriös verschwand, riecht verdächtig nach einer Insel die für 40€ wieder auftaucht. Zu schade, dass man aus Mehtu nicht mehr herausbekommt.
Magie und Fantasy brauchen keinen Realismus um zu bestehen
und es gibt wirklich Leute die sich über Uwe Boll beschweren?
Na dann, versuchen wir unser Glück mal mit den gequälten Seelen die im Reich der Qual Herumstehen. Auf den ersten Blick zeichnen sich diese durch Zitate aus der Horrorfilmreihe Hellraiser aus. Wer zu jung ist um Hellraiser zu kennen, der mag sich das ein wenig wie eine Mischung aus Texas Kettensägenmassaker und Saw vorstellen. Auf kreischende Nebenrollen wurde dabei verzichtet, auf pseudointellektuelle psychologische Studien und halbseidene Rachebegründungen ebenso. Dämonen aus der Hölle sind Vorwand genug um 90 Minuten lang 100 Liter Blut aus jedem Darsteller zu hacken. Wer Nightfall noch nicht durchgespielt hat liest jetzt besser nicht weiter und springt zum nächsten Absatz. Sind die Hellraiser Zitate ein Indiz dafür, wie es um den Geschmack der Entwickler bestellt ist, so muss man das Zitat der vierten gequälten Seele ernst nehmen. Demzufolge wird Kormir eines Tages die übrigen fünf Götter umbringen, um in einer Art Armageddon, den Zyklus, in welchem sich die Welt befindet, neu zu starten. Solche Konzepte kennt man hinreichend aus der Fantasy/Sci-Fi Literatur, deswegen nehme ich es ernst. Den Weg der Untergangspropheten, die gleich schreien, dass hier das Zeichen für das Ende von GW ist, will ich nicht gehen. GuildWars wird zweifelsohne noch eine ganze Weile leben, aber ArenaNet wird auch nicht ewig die Guild Wars Company bleiben wollen. An der von ihnen so geschätzten Hellraiser Serie kann jeder selbst nachvollziehen was passiert, wenn man zu viele Teile nachschiebt. Guildwars - „Space-Shiro“ will ich mal nicht von meinen Enkeln geschenkt bekommen.
Damit zur letzten, mir bekannte Quelle, Bahltek. Der treibt sich in Istan herum und kann nur von Zeit zu Zeit zufällig getroffen werden. Dieser spricht von einem Zauberer aus einer außerordentlich fortschrittlichen Zivilisation. Bahltek hofft Artefakte dieser Zivilisation in der Nähe von Fahranur auszugraben. Einmal mehr verdichtet sich das Netz hinsichtlich der Dinge, die westlich von Fahranur leigen. Bahltek spricht, wie die Seherin in Prophecies zuvor, von alternativen Dimensionen, in welchen weitere Welten liegen. Man könnte argumentieren, dass die ein Erbe einer frühen Idee der Entwickler war - die Welt von Guild Wars in Dimensionen statt Kontinente zu teilen. Die Option dazu bestünde jederzeit. Wer diese mächtige Zivilisation war ist unbekannt. Fakt ist, dass die Götter Tyrias nicht immer Götter waren. Von Grenth wissen wir, dass er persönlich den alten Gott der Unterwelt abgesägt und ersetzt hat. Balthasar hat einen Halbbruder Menzies, der auch immer für Ärger sorgt. Sogar die ach so bösen Mursaat, haben mit dem wegsperren der Titanen eher genutzt als geschadet. Über ihre Methoden kann man indessen streiten. Ob wir je die fortschrittliche Zivilisation sehen werden, oder mindestens in ihren Ruinen herumstolpern, ist seit drei Kapiteln unklar. Viele Spieler glauben auch Bahltek spricht von Lord Odran, der euch aus der Anleitung geläufig sein sollte. Der hatte im Übrigen den Beruf des „Arcanist“, eine Bezeichnung die auch schon länger herumgeistert. Ein Arcanist war ein Magier in der Zeit bevor die Magie von den Göttern in fünf ausschließliche Richtungen getrennt wurde. Im GvG wurden so früher die Bodyguards genannt. Die Vergessenen Elementarmagier nennen sich noch heute Arcanisten. Gerade weil auch der Weiße Mantel schon Ritualisten besaß, die zwar Nekromanten waren, findet man mancherorts das Gedankenkonstrukt von Bahltek, zu Odran, zu Arcanisten, zu Kapitel 4 logisch.
Die Welt, wie Steve Costa sie sieht
Welcher Sadist hat sich das als einzige Antwortoption ausgedacht?
An Hinweisen mangelt es jedenfalls nicht. Oft kommt es auch darauf an, wie eine kleine Tendenz von der Community aufgenommen wird. Tendenzen wie Scorch Glutspitze, der Charr der von seinen Göttern, den Titanen verlassen wurde und sich nun aus Rache sogar mit Menschen verbündet. Wird dieser Quest häufiger als positiv und cool aufgegriffen ist die Chance auf ein weiteres Kapitel mit den Charr schon ein wenig größer. Nur um hinter all die Geheimnisse und Andeutungen in Guild Wars zu kommen, muss man vor allem viel lesen und sehr aufmerksam spielen. Beim Speedrun wird man das nicht bemerken. Während GuildWars in der Zeit vor dem Release ordentlich Story Content ausspuckte, muss man ihn sich heute selbst zusammensuchen. Dadurch entsteht ein kleines Defizit an leicht verdaulichen Storybrocken, mit deren Hilfe es so viel leichter wäre die Welt von Guild Wars von Woche zu Woche lebhafter erscheinen zu lassen. Sidequesting nennt man das, normalerweise macht man das auch in anderen MMOs, nur bei Guild Wars scheint man es aus lauter Schock über einen großen Handlungsstrang zu vergessen. Vielleicht bräuchten die Nebenquesten auch mehr Nachvertonung, Text schreckt bekanntlich ab, schont aber das Budget nachhaltig. Der Tag des Drachen hat ja gezeigt, wie manche Ereignisse ihren Schatten vorauswerfen können. Warten wir also gespannt auf das Cantha Neujarsfest, mein Bauchgefühl sagt mir, dass ArenaNet sich treu bleiben wird und es gegen Ende sehr fatalistisch zugehen wird. Es darf sich keiner wundern, wenn mal wieder ganze Distrikte tot und verbrannt am Boden liegen. Gaile Gray und Martin Kerstein anschließend nach Kapitel 4 zu fragen ist mühselig und überflüssig. Die kleinen Infos im Spiel zu suchen, zusammenzufügen und sich die Köpfe darüber heißzureden vertreibt besser die Zeit. Unser Forum ist ja 24 Stunden am Tag dafür geöffnet.