State of the Game: PvE #16 Autor: 4thVariaty, letztes Update: 16.03.2007
Damit ein PC Besitzer territorial wird und beginnt wild um sich zu flamen, muss man nicht viel machen. Es reicht völlig ihm über die Schulter zu sehen, ihn fragend über die Reflektion des garantiert tiefdunkelbösen Bildschirms anzusehen, die Augenbraue zu heben, auf seine Tastatur zu blicken und zu sagen: „Du spielst damit?“ Denn Abseits von Typing of the Dead und Frets on Fire, ist der einzige Grund für Tastatursteuerungen am PC der kleinste gemeinsame Nenner. Jeder hat eine Tastatur, also wird jedes Spiel für Tastatur gemacht, egal wie widersinnig es sein mag.
Nur für Konsolen reine Verschwendung
Heute: Volle Kontrolle
Seit 15 Jahren der König des Wettrüstens: Sega R-360
Der Verlauf der PC Steuerungsevolution ist schnell erzählt. Am Anfang hatte jeder eine müllige Tastatur und eine noch mülligere Maus. Damit hat man begonnen die ersten 3D-Shooter zu spielen; grottenübel wohlgemerkt. Zwar gab es auch weitere Spiele, aber im Vergleich zu dem was man für andere Heimcomputer bekam, war die Auswahl recht begrenzt, der Spaßfaktor doch eher bescheiden, oder der Preis, um es flüssig zu spielen, schlichtweg verrückt. Wir reden hier von 3000€ aufwärts, um zum Start von Wing Commander eine ordentliche Konfiguration zu besitzen. Aber seitdem es Deathmatch auf dem Mars gibt, war der PC eben der PvP Computer den man haben musste. Mario Kart Deathmatch Splitscreen war zwar lustig, aber nicht so das Wahre im Vergleich. Echte Konsolen derweil verabscheuten die Tastatur, niemand wollte wirklich damit spielen. Das gleiche Schicksal erlitt die Maus. Eigentlich ein schickes Playstation Zubehör, das vorzüglich mit der PS Version von Warcraft und C&C harmonierte, blieb sie total ignoriert. Wer einmal an das Joypad gewöhnt war, lies es nicht mehr los. PC Spieler ließen derweil ihre Mäuse nicht mehr los. Joypads bekamen allerlei Knöpfe und Upgrades, und auch die Mäuse sind heute superexakte, low-response Geräte mit schwindelerregenden Preisen; Tastaturen ebenso.
Die Fronten waren inzwischen verhärtet, beide Seiten waren so an ihre Eingabemethode gewöhnt, dass das jeweils andere als total lächerlich und unspielbar bezeichnet wurde. Ich finde das komisch, ich könnte schwören das haben manche Experten auch von Maus und Tastatur gedacht, als sie das erste mal im PC-Deathmatch die Hucke voll bekommen haben. Jetzt bekommen sie, dank Übung und nichts anderem, die Hucke nicht mehr ganz so hart voll. Am PC zumindest, ein kurzes Halo 2 Deathmatch später steht fest, „mit Joypad kann man ja nicht zielen“, nur mit Maus ginge das. Klar, Lust auf ne Runde Instagib am PC, um zu sehen wer hier nicht zielen kann? Gute Spieler sind eben gute Spieler, weil sie 4h am Tag trainieren, nicht weil sie auf ihrem Schreibtisch Gleitcremeorgien feiern.
Richtige Spielweise, Falscher Controller. Mit SF hätte es geklappt.
Red Bull verdirbt auch die Reaktion, bringt aber weniger.
Die Richtung die Spiele selbst einschlagen, ist auf allen Platformen die gleiche. Freilegung des in uns allen schlummernden Tourette Syndroms. Auf dem Wii wird eben mehr die übermotorische Insuffizienz gefördert, wohingegen der PC, dank Chat, eher die kommunikative Seite dieser Krankheit hervorholt. Die Zeiten da der heimische Computer ausschließlich Epilepsiefrüherkennungen durchführte sind vorbei, oder werden durch Nischenprodukte abgedeckt. Ist echt besser so, schließlich will man, wenn überhaupt, in einer sicheren Umgebung feststellen, dass man Epilepsie hat und nicht erst im Stroboskopgewitter einer Disco. Dabei soll Zocken Spaß machen, schließlich will man nicht wie der Glöckner vor der Tastatur sitzen. Höchste Zeit die GW-Steuerung zu modifizieren, so dass sie weniger sperrige Tastatur, mehr Füße auf dem Tisch und relaxte Longdrinks unterstützt. Kurz gesagt, eine Joypad Steuerung. Weil man inzwischen schlauer geworden ist, packt man am besten für alle Krankheiten, die man noch nicht zu 100% bei sich ausschleißen kann eine Notfallmedizin ein. Bei evtl. auftretenden Nebeneffekten einer Joypad Steuerung, wäre das definitiv ein Mojito, besorgte Ärzte könnten, sofern ihnen Ingame-chat Screens und Forenbeiträge vorlegt werden, auch Fluxanol verschreiben. Letzteres ist auf keinen Fall mit Alkohol zu kombinieren.
Die erste Gretchenfrage ist die nach dem richtigen Joypad. Nicht immer sind mehr Knöpfe mehr gut, ordentlich platziert müssen sie sein. Sonst kann ich ja gleich wieder eine Trash-o-Matic Gamingtastatur nehmen und voll auf Sehnenscheidenentzündung spielen. Als optimale Kandidaten sind mir der Playstation 2 Dual-Shock Controller und das Xbox360 Pad aufgefallen. Letzteres gibt es hochoffiziell für PC (35€), ist in der Funkversion mit PC Adapter zwar sündhaft teuer (70€), dafür garantiert frei von Lags und etwas genauer bei den analogen Kontrollen als andere Joypads. Meine Steuerung benutzt die vier Schultertasten, beide Analogsticks, die Knöpfe unter den Analogsticks und die vier normalen Knöpfe (X,Y,A,B). Das digitale Steuerkreuz kommt auch zum Einsatz. Manche haben vielleicht einen Logitech Kontroller mit ähnlicher Funktionalität, der geht dann natürlich auch. Vier Schultertasten sind bei meiner Methode allerdings strenge Vorschrift.
Aus unerfindlichen Gründen unterstützt GuildWars keine Joypads, deswegen brauchen wir ein Programm, um die GW-Tastenkommandos zum Joypad zu übersetzen. Dieses Tool ist JoyToKey, eine praktische Freeware. [Download hier]. Die schlechte Nachricht: Konfigurieren müsst ihr das selber, denn je nach benutztem Adapter werden manche Knöpfe verschieden eingebunden. Ist eben Treibersache und nicht alle PS2 Adapter sind gleich. Am besten startet ihr das Spiel, während ihr gleichzeitig JoyToKey konfiguriert, dann kann man sofort ausprobieren, ob man alles richtig gemacht hat.
Ich geh die Sache mal Stück für Stück durch. Mit „Create“ eine neue Config anlegen. (1) Den „Others“-Reiter Anclicken -> „Use Axes other than X and Y“ aktiviern um alle analogen Sticks zu aktivieren. Der untere Slider reguiliert die „tote Zone“ des Analogsticks. Ich hab hier 33% stehen, das stellt sicher, dass keine kleineren und größeren Zuckungen des Sticks registriert werden, sondern wirklich nur meine grobmotorischen Eingaben. Die Anzahl der zu konfigurierenden Joystiks stellt man auf 2!
Pfeile beachten!
So muss das aussehen
(2) Auf den Reiter Joysticks zurückwechseln und [AxisX(<0)], [AxisX(>0)], [AxisY(<0)], [AxisY(>0)] konfigurieren. Einfach jeweils Doppelclicken und dann im Pop-Up Fenster im gelben Kasten die Tasten W-A-S-D eintragen. Jetzt sollte mit dem linken Analogstick das Bewegen im Spiel funktionieren. (3) Freelook legen wir auf den rechten Analogstick. Der ist unter JoyToKey meistens [Axis5] und [Axis6]. Zum drehen nach rechts und links belegt man eine der Achsen mit den Tasten [q] und [e].
(4) Nun zum Kniffligen Teil, hoch und runter schauen. Bei meine Adapter war die vertikale Achse des rechten analogen Sticks auf „Axis6“. Wieder per Doppelklick die Achse 6 aufrufen, aber statt einem Keyboard Kommando diesmal den „Mouse“ Reiter wählen. Hier wählt man aus dass die Achse 6 sowohl den rechten Mausknopf betätigt, als auch vertikale „Coursor Movements“. (5) R2 wird der „do-it“ Knopf (Space)
So und nur so mapt man Freelook auf die Achsen
(6) Jetzt sollte die Basiskonfiguration stehen. Ihr könnt euch in Guildwars jetzt per linken analogen Stick bewegen und mit dem rechten die Landschaft anschauen. Perfekt oder? Jetzt müsste man nur noch Gegner verdreschen können oder? Den Anfang machen die acht Fertigkeiten. Vier davon Liegen auf den Tasten X, Kreis, Quadrat, Dreieck. Die anderen vier erreicht man indem man L2 gedrückt hält und dann X, Kreis, Quadrat, oder Dreieck drückt.R
Bitte so nachmachen
(7) Die "Shift-Taste" L2 wird folgendermaßen realisiert. Man sucht sich den Knopf, welchen L2 darstellt (bei mir Button 5) und Doppelklickt ihn. Als Reiter wählt man „Special“ aus. Dort sieht man ein Pulldown unter der Option „Use Setting of other Joystick Number temporarily“. Hat man zuvor alles richtig gemacht, kann man jetzt Joystick 2 auswählen.
(8) Hier muss man wieder WASD konfigurieren. Als kleinen Unterschied stellt man jedoch ein, dass Achse 3 und Achse 6 jetzt die Maus bewegen OHNE, dass die rechte Maustaste gedrückt wird. Somit verliert man zwar Freelook bei gedrückter L2 Taste, aber man gewinnt volle Mausoperabilität für alle nicht Zeitkritischen Aktionen. Das fällt im Bruchteil der Sekunde, während der man den Skill aktiviert jedoch nicht auf. Statt der Space Taste legt man jetzt die Linke Maustaste auf R2 und der Kuchen ist gegessen. Joystick 1 und Joystick 2 sehen jetzt sehr ähnlich aus, nur mit dem Unterschied, dass Joystick 2 die Skilltasten 5-8 auf dem Keyboard simuliert und Joystick 1 die Fertigkeiten 1-4.
Die feinen Unterschiede geben den Ausschlag
(9) Abgerundet wird die Konfiguration von den Tasten „Nahesten Feind auswählen“ [c] und „Nächsten Feind“ [Tab]. Diese liegen bei mir ganz bequem auf R1 und L1. Es gibt in GuildWars auch eine Option um das nächste, bzw, vorherige Gruppenmitglied auszuwählen. Diese Tasten müssen in Guild Wars zuerst belegt werden und anschließend das Tastaturkommando wieder in JoyToKey eingefügt werden. Spielt man eine offensive Klasse lege ich das auf die Tastenkombos L2+L1 und L2+R1. Dazu einfach wieder das Tab, Joystick 2 auswählen und dort eintragen. Spiele ich einen Heiler, dann vertausch ich das Natürlich. Dann liegt die Auswahl der Gruppenmitglieder auf R1-L1 und das Anvisieren der Feinde auf L2+L1 und R2+L2. Gerade der Heilmonk ist mit dem Joypad unglaublich effektiv, sobald man die Fertigkeiten verinnerlicht hat und dank den Schultertasten superschnell und supergenau zwischen den Gruppenmitgliedern umschalten kann.
Ein Achievement mehr für die Forensignatur
(10) Wer ein Fan von Zielen ausrufen, bzw ausgerufenen Zielen angreifen ist, der kann auch ruhig schlafen. Mit R3 und L3 hat man zwei perfekte Knöpfe frei um diese Funktionen zu verwirklichen. Weil bei gedrückter L2 Taste zudem die Mausfunktionalität bereitsteht, kann man auch die Flaggen für die Gefolgsleute, bzw Helden perfekt setzen. Im Guild Wars Tastaturkonfigurationsmenü findet man Optionen, welche die Flaggenknöpfe im GUI ersetzen. Das digitale Steuerkreuz ist noch frei, dort findet das bequem Platz. „D-Pad unten“ verwandelt meinen Cursor in die Fahne, bei gedrückter L2 Taste positioniert man das Fähnchen mit dem rechten Analogstick auf der Bildschirm, ein Druck auf L2 und die Fahne steht. Das Aufheben von Loot geht bei mir manuell mit der „Mausemulation“, wer will kann ja die einzelnen Fähnchensetzoptionen vergessen und lieber mit dem Anvisieren der nahesten Beute belegen.
Wer den Xbox360 Controller sein eigen nennt, hat ein besonderen Schmankerl. Den Headsetanschluss. Wer sich nur ein wenig mit Ventrillo, bzw Teamspeak auskennt, der kann sein Xbox Headset derart einstellen, dass es nur das Teamspeak Ein- und Ausgibt, während der normale Ingame Sound weiter volle Kanne über eure Boxen röhrt. Spätestens hier muss man sich die Frage stellen warum Joypad Unterstützung nicht längst Serienmäßig im Spiel ist. Denn die wenigsten werden Guild Wars auf einem Niveau spielen, welches ihnen nicht erlaubt eine neue Eingabemethode zu lernen. Mein Prophecies Testcharakter hat immerhin schon 50.000 Erfahrungspunkte ohne zu sterben. Bei meinen Alteingesessenen Charakteren gehen die Skillcombos auch Aalglatt aus dem Handgelenk. Man gönnt sich einfach mal 30 Minuten Umstellungszeit, dann geht das schon.
Würde ich jeden Tag endlos trainieren um mit den Top GvG Gilden mitzuhalten, dann wird es auch egal sein, ob ich das mit einem Joypad oder Tastatur + Maus mache. Am Ende wird meine Joypad Koordination ebenso abartig sein, wie meine Mauskoordination nach 10 Jahren fps Dabei ist das Joypad eindeutiger Gewinner in Sachen Bequemlichkeit. Im Gegensatz zu manchen halbgaren Wiimote Freelook/Point & Click Schemata, ist diese Steuerung vollständig kompatibel und hocheffizient. Im PvP will ich damit ja gar nicht mithalten und durch den PvE Teil kommt man damit mehr als entspannt durch. Es stellt sich unweigerlich die Frage, welchen Schabernack man mit einem Farmingbuild und einem Dance Dance Revolution Automaten treiben könnte…