State of the Game: PvE #17 Autor: 4thVariaty, letztes Update: 00.00.0000
Manchmal haben Spiele einen Namen, der ganz eindeutig anzeigt worum es im Spiel geht. Grand Theft Auto wäre so ein Spiel, Tomb Raider ebenfalls, ich bin mir sicher euch fallen weitere ein. Andere Namensgebungen verfolgen das Prinzip, dass ein bestehender Franchise und eine technische Neuerung kombiniert werden. Es entstehen so Titel wie Mario64, oder Ultima Online. Ist man erst einmal derart auf das offensichtliche konditioniert könnte man leicht glauben bei Guild Wars ginge es nur um das eine. Dem ist aber nicht so, denn um Gildenkriege geht es nur am Rande. Gilde, was soll das überhaupt sein? Die Antwort ist das Thema
Man kann es übertreiben mit dem Namen
Heute: Gilde
Kein Wappen, kein Deal, so einfach war das
Ursprünglich waren Gilden eine Zusammenrottung von ortsansässigen Handwerkern, die alle das gleiche Handwerk ausübten, und darauf bedacht waren niemanden außer ihnen selbst das jeweilige Handwerk ausüben zu lassen. Wer im Mittelalter dachte, er könne einfach so in eine Stadt gehen um dort sein Geld als Schneider, Bäcker, oder Maurer auszuüben, der konnte froh sein wenn er nur enteignet und vertrieben wurde. Die Gilde hatte jeweils ein Monopol auf ihrem Gebiet und deswegen stets genug Geld und Einfluss es mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Wer genug Kleingeld hatte konnte sich einkaufen und Mitglied werden, mehr wie einer Gilde durfte ein Meister nicht angehören. Schade eigentlich, denn schon damals hat man als Meister eher machen lassen, als selber Hand anzulegen. Die Geschäftszweige eines Familienimperiums mussten so eben auf mehrere Köpfe verteilt werden. In Deutschland nennt man Gilden Zünfte und bis heute verteidigen die Meister dieser Zünfte ihr vorrecht auf die Bereitstellung von Leistungen wie Wände anmalen mit allen gesetzlichen Tricks. Damals wie heute hat man die Wahl seine Wand selber zu streichen, nen Illegalen zu beschäftigen oder einen überteuerten Preis zu zahlen, dass es ein Meisterbetrieb macht, oder besser gesagt den Lehrling machen lässt.
Guild Wars Spieler haben es etwas einfacher. Geschäftsinteressen müssen nicht verteidigt werden, eine Gilde ist meist das Online-Äquivalent einer Clique. Man kennt sich aus dem echten Leben, dazu ein paar Bekannte aus anderen Spielen, ein paar Freunde dieser Freunde und fertig ist das Gildenkonstrukt. Ein loser Verbund an Leuten die sich nicht notwendigerweise jemals gesehen haben und doch gut miteinander auskommen. Man kennt sich meist sehr oberflächlich, was man gerne hinnimmt, schließlich will man nur gemeinsam Guild Wars spielen und nicht beste Freunde fürs Leben werden. Wer in einer Fußballmannschaft spielt muss ja auch nicht alle Mitspieler mögen. Mit manchen spielt man sogar gerne zusammen, aber außerhalb vom Fußballplatz wird man wohl nie eine gemeinsame Beschäftigung finden. Diese, in Guild Wars häufig anzutreffende, Form der Gilde bräuchte eigentlich nichteinmal einen Gildennamen, Umhang und Halle. Ein gemeinsamer Chatroom würde ihnen reichen. Man spielt das Spiel zusammen, oder quatscht ein wenig, das ist alles.
Genaugenommen kenn ich die alle garnicht wirklich, warum ihnen also helfen?
Des einen Freud, des anderen Leid
Hat man keinen Anschluss an solche eine Gilde, wird man in einer Pug-Gilde landen. Zufällige Fremde als permanente Weggefährten. In jeder Stadt kann man sich Pug-Gilden anschließen. Diese Form der Gilde besticht meistens damit, dass der Anwerber betont, dass die Gilde sogar einen Umhang und eine Halle hätte, sehr aktiv wäre und man ganz tolle Positionen bekommt. Natürlich wird ab nächster Woche dann permanent die Halle geholt und die Rangliste dominiert. Meistens haben solche Gilden pro Tag mehr Fluktuation bei ihren Mitgliedern als alle Top 100 Gilden zusammen in einem Jahr. Richtig Hilfe kann man hier nicht erwarten. Bevor man so einer Gilde beitritt, könnte man auch mal im Wartower Forum, in der Sektion Stadtzentrum / Haus der Suchenden, ein Post absetzen. So stellt man wenigsten sicher, dass man von Spielertypus her zusammenpasst. Warum gerade immer betont wird, dass man Halle und Umhang hat ist mir ein Rätsel. Eine Halle braucht man eigentlich nur für GvG, nicht mal als Chatraum taugt sie, dafür gibt es eh den Gildenchat. Von den Händlern will ich gar nicht mal anfangen, denn deren Core-Item Gerümpel können die bitte behalten. Den Umhang kann man sich eigentlich gleich schenken, denn im PvP wird immer ein Umhang in Blau oder Rot gestellt. In einer Gilde mit 20 Spielern ist die Chance, dass einem der Umhang wirklich gefällt ohnehin denkbar gering. Egal wie gut man seine Gildenkumpels kennt, Geschmack ist eben individuell und schlecht Verhandelbar. Basisdemokratische Entscheidungen führen meist dazu dass 49% mit der Entscheidung unzufrieden sind und weitere 25% nur das kleinere Übel genommen haben, nachdem ihr eigentlicher Favorit aus dem Rennen war. Symbole, Form, Farbe und Muster der Umhänge sind eben willkürlich. Hätten sie für die Gilde wirklich eine größere Bedeutung, oder wären an ein gemeinsames spielerisches Erlebnis geknüpft (gemeinsames Freischalten) könnte ein höherer Grad an Identifikation erzielt werden. So wie jetzt ist jeder nur dankbar, dass man Umhänge abschalten kann.
Besondere Vorsicht herrscht bei Pug-Gilden wegen der Gefahr von Betrügern. Man kennt die Leute eben nicht, es sind Fremde. Die Cleversten aller Betrüger sind die Geduldigen. Die wollen euch nicht schnell über den Tisch ziehen, die machen das eher mit Geduld und zocken dafür viele Leute auf einmal ab. Wer in einer Pug-Gilde einen teuren Gegenstand verleiht ist selbst schuld. Auch wenn plötzlich „gemeinsam“ für eine Halle mit Vollausstattung gesammelt wird sollten alle Alramglocken schrillen. Echte Gilden reichen dazu nicht hunderte an Platin an ihren Leader weiter. Schließlich kann jedes Mitglied selber ein Upgrade kaufen. Andere Betrugsmethoden sind das Ausleihen von teuren Gegenständen, oder klassische Betrugsmethoden welche verschleiert werden. Nur weil keiner das neue Mitglied kennt, heißt das nicht, dass es nicht in Wirklichkeit ein sehr realer Freund eines Mitgliedes ist. Die Anonymität der Pug-Gilden macht es möglich. Einer der Betrüger organisiert eine Gilde aus 20-30 Pugs und sein bester Kumpel mischt sich zum Schluss darunter. Woher will man wissen, dass die sich kennen und die Gilde gezielt ausspielen? Als Faustregel gilt: Wenn es nicht deine Idee ist etwas aus der Hand zu geben, dann lass es sein. Wenn dir jemand dazu rät, dass du dir eine günstige Gelegenheit nicht entgehenlassen sollst, dann renn schnell weg. Je cleverer dich jemand erscheinen lassen möchte, umso dümmer will er dich verkaufen. Für manche ist Guild Wars leider auch ein Spiel bei dem sie nur versuchen andere zu manipulieren und hereinzulegen.
Prellte die Leute lieber um 2,5 Mrd. als um 105 Ektos
Der braucht seine Ex-Band nicht, also weg mit denen
Wer es wirklich ernst meint, der tritt einer spezialisierten Gilde bei und lässt alle Zufälle und Freunde hinter sich. Abwechslung muss nicht großgeschrieben werden, wer in einer der inzwischen zahlreichen Ranglisten nach oben kommen will, der muss sich spezialisieren. Egal ob GvG, AdH, Competitive-PvE, Riss/UW Farmen, oder Factionsfarmen, richtig weit kommt man nur in einer spezialisierten Gilde. Der Konzentration auf das eine Ziel wird der Rest des Spiels geopfert. Die Aufnahmebedingungen sind hart, der Umgangston meist sehr rau dafür zielorientiert und die Anforderungen an eure Zeit auch nicht ohne. Dafür ist die Aussicht auf Erfolg wesentlich höher als anderswo. Der soziale Aspekt des Spiels ist völlig ausgeschalten und steht immer an zweiter Stelle, egal wie oft das Gegenteil behauptet wird. Erst mit dem Erfolg stellt sich die Freundschaft ein, zumindest in den meist sehr kleinen PvP Gilden. Es gibt keinen Grund mehr als acht Spieler plus Ersatzleute zu haben, also hat man auch nicht mehr. Ist man gerade Weltmeister geworden herrscht der Kuschelton in den Interviews vor, man hat sich ja soooo lieb. Läuft es nicht mehr wie am Schnürchen, während gleichzeitig der Sättigungsgrad an der einseitigen Beschäftigung mit GW steigt, fliegen solche Gilden ruck zuck auseinander und kaum ein Mitglied lässt ein gutes Wort mehr fallen. Mann mochte eben doch nur den Erfolg und nicht die anderen Gildenmitglieder. Das gilt für Peace and Harmony genauso wie für Take That. Ein Zeichen für den Verfall von GuildWars ist das Auflösen der Topgilden bei weitem nicht. Es ist lediglich ein Indiz, dass man sich an jedem Teilbereich einmal satt gespielt hat und sofort weg ist, wenn man nicht extrem bei der Stange bleibt. Im Haus zu Heltzer sieht man das Endprodukt solcher Entwicklungen. Über 600 Spieler erfamen dort täglich 10.000 Punkte, nur um den Punktestand zu halten. Fertigkeit ist schon lange kein ausschlaggebendes Merkmal, nur auf reine Besessenheit kommt es an. Egal was man mit so einer Gruppe 6h täglich macht, nach einiger Zeit wird man sehr gut darin sein. Ich bin mir nicht sicher ob ich in GW2 wirklich riesige Instanzen mit tausenden Spielern haben will, bei aller Liebe für das Spiel, ist doch jeder doch vor seinem Monitor allein. Als Angehöriger einer Friendslistgilde will ich nichts mit solchen Powergamingexzessen zu tun haben.
In Sachen Gilden und Spielmechanik herrscht ohnehin Ebbe. An nicht einer Stelle gibt es etwas, das die normale Gilde von ca. 30 Mann, die meisten davon Gelegenheitsspieler, anspricht. Entweder braucht man High-Power 8er-Teams für das PvP, oder eine Allianz voll Massenfarmer, um sich einen Außenposten zu grinden. Dazwischen gibt es rein gar nichts. Nicht eine auf Spielmechaniken basierende Existenzberechtigung für eine Gilde. Sämtliche Questen und Missionen belohnen ausschließlich das Individuum, dass man hier die Gilde nimmt ist reine Bequemlichkeit; man hasst eben Pugs, mehr nicht. Man könnte es ebenso alleine tun und macht das auch (s. Solowars). Will man Gilden stärken, muss man deren Zusammenhalt mehr belohnen als die einzelnen Teammitglieder. Es muss Gildenziele geben, die man in Gruppen zwischen 25 und 50 Mann erreichen kann. Dann ist auch ein Anreiz geschaffen, dass manche Minigilden sich zusammenschließen. Keine Halle der Monumente, die lediglich der Leistung des Individuums huldigt, sondern eine Gildenhalle, welche wirklich ausdrückt, was man gemeinsam erreicht hat und die Gruppe belohnt. Denkbar ist ein spezieller Itemcrafter, der angepasste Waffen für die Spieler herstellt, die sich an einer Gildenleistung beteiligt haben. Ein Rüstungsmacher, der besondere Gildenrüstungen mit aufgedrucktem Gildenlogo herstellt, oder Gildenumhangränder im Metalliclook (Lila, Orange, Rot, Blau, Grün) Der Trick besteht darin das Individuum erst dann zu belohnen, wenn es vorher etwas für die Gruppe gemacht hat. Derzeit wird nur belohnt, wer die Gruppe viel für sich arbeiten lässt, vor allem wenn es um Beschützertitel geht. Das gilt es umzukehren. Erfüllt ihr bestimmte Vorgaben aus der Gildenhalle steigt die Gildenwertung und schaltet die besonderen NPCs frei. Hat ein Mitglied selbst bereits genug Punkte für diese Gilde erbracht, kann er die Leistungen der NPCs in Anspruch nehmen. So könnten endlich Mechaniken in das Spiel gebracht werden, welche von ihrer Berechnung her auf mittlere Gilden zugeschnitten sind und nicht durch direkte Spielerkonkurrenz den Extremismus fördern.
Eine winzige Zielgruppe verdirbt jede Belohnung auf ihre Art
Zufällige Fremde + Gemeinsames Ziel = Drastische Folgen
Wie sollen diese Vorgaben aussehen? Einfach, ein Mitglied initiiert über einen NPC eine Bitte um Hilfe bei einer Mission oder einem High-Power Quest (Titanen, Hochofen, Riss, etc). Dann holen sich die Helfer den Quest in der Gildenhalle ab. Wird der Quest beim Bittsteller als erledigt registriert, können die Helfer in der Halle ebenfalls ihren Helferquest einlösen. Jeder Helfer bekommt seine 10 Punkte auf seinem Helfer von Gilde X Titel und auch das Gildenkonto wird um Anzahl der Helfer multipliziert mit der Punktzahl aufgestockt. Ständiges Wiederholen explizit erwünscht. So spielt die Gilde immer zusammen und alle haben das Gefühl voranzukommen. Oftmals haben Spieler das Gefühl sie helfen mehr als ihnen geholfen wird. Hier ist die Belohnung für das Helfen direkt und nicht eine diffuse Hoffnung auf ein zukünftiges Revanchieren. Nach 50.000 Punkten auf dem Gildenkonto erscheint dann der NPC und jeder mit 1000 Helferpunkten kann auf ihn zugreifen. So muss man als Gilde zusammenarbeiten, wird als Einzelner belohnt und schließt aus, dass irgendjemand mit einem schnellen Gildengastspiel nur die Belohnung erntet; was ja ein Problem bei Factions war. Dann würde der Titel Guild Wars endlich wieder bei allen Spielern für etwas stehen, nicht nur bei einer PvP Minderheit die sich wirklich bekriegt. Werden immer nur die Individualziele aufgestockt, wird man unweigerlich bei einem Solospiel landen.