State of the Game: PvE #22 Autor: 4thVariaty, letztes Update: 31.08.2007
Spielprogramme, die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen, dürfen nicht für ihre Altersstufe freigegeben werden. Ach würde das doch nur für Politiker, Religionen und Zeitungen gelten, wir könnten das schönste Leben haben und das Fernsehen vor Mitternacht würde für alle erträglicher. Nein, dieser Vorsatz des Jugendschutzes ist nur eine hohle Phrase die man rauszieht bevor man ausschweifend über Killerspiele referiert. Altersfreigabe ist Blutfreigabe, mehr nicht. Wer wie Politiker glaubt die Erziehungspflicht endet mit dem Kauf des passenden Computerspiels, dem mag ich doch mal einige Dinge zeigen, die man bei GW sonst so lernt. Ich könnte natürlich auch jedes andere Computerspiel nehmen, aber schließlich ist das hier eine GW Seite. Daher..
Zehn mehr oder weniger subtile Manipulationen
Heute: USK 12 Reloaded
Über 50 Jahre Zöllibat & Single, trotzdem Experte für die Familie
Ein heißes Thema gleich zu Anfang, die Schöpfung. Im echten Leben Grund für endlosen Zündstoff zwischen Jehovas Zeugen und Superstrings, sind solche Themen in literarischen Werken immer etwas definitiver zu bestimmen. So auch in Guild Wars. Dieses Universum kommt ganz ohne Götter aus. Die Nebel sind der Ursprung von Allem und damit basta. Die Schöpfung entstand spontan aus den Nebeln und tut es heute noch, siehe Razah. Die Götter sind keine wirklichen Götter, sondern stehen nur sehr hoch in der Hackordnung. Ihr Wissen über die Nebel geht soweit, dass sie selbst Dinge aus den Nebeln erschaffen können, doch auch sie hatten einen Anfang und nehmen ein Ende. Klar haben sie der Legende nach Tyria erschaffen, aber auch nur aus dem gleichen Material, aus dem sie schon sind. Die Nebel sind ewig, heraus ploppen Götter, schaffen den Rest. Eigentlich wäre jetzt alles in Butter, wenn Glint nicht wäre, um dieses Gleichgewicht empfindlich zu stören. Dumme Flameseeker-Prophezeiung. Sie bedeutet, dass Glint schon vorher wusste, was passieren würde. Das eliminiert jede Form von freien Willen, alle Menschen, Götter und Nebel sind nur noch unfreie Erfüllungsgehilfen zu diesem Zweck. Jeder in GW ist fest an ein Schicksal gebunden, wie bereits viele Fantasyzyklen zuvor. Eine riesige Rube Goldberg Maschine, die außer Glint niemand durchschaut und jeder einfach nur abackert was es abzuackern gibt. Das macht eingangs der Handlung vielleicht einen schönen Lückenfüller wenn man in der Nähe der Hauptcharaktere zufällig von Prophezeiungen zu labern anfängt, aber im Grunde ist das schon seit 1520 nicht mehr modern. Man ist lieber seines Glückes Schmied, Schicksal nur was für Leute die selbst keine Skills haben. Insgesamt ist dieser Teil von Guild Wars aber harmlos und USK 0, außer man hat eine Religion mit gesteigertem Sendungsbewusstsein. Das sind so gesehen eigentlich alle, also doch am Besten dieses heidnische Treiben verbieten. Schließlich ist GW in diesem Punkt nichts Anderes als gottloser Prädeterminationsirrglaube, das geht nun wirklich nicht.
Zum erweiterten Selbstschutz gehört es auch einmal kritisch auf die Regierungsformen in Guild Wars zu sehen. Nein, so etwas darf man nicht mit ‚früher war es eben so’ begründen, denn noch früher war es bereits besser und ein Fantasy Spiel ist keine historische Aufarbeitung. Monarchie und Fantasy RPG ist das unhinterfragte Klischee Nr.1. Dabei hassen die Amerikaner eigentlich jede Form von Herrscher der zuviel Macht auf eine Person vereint. Trotzdem findet sich ein König in jedem Fantasyroman. Reichlich bizarr geht es in den Herrscherriegen von Guild Wars zu. Adelbern ist ein gewählter (Demokratiepunkte +1), nicht-adeliger König, der aber trotzdem den Titel auf Rurik vererben kann, das hat er dem dt. Kaiser im Mittelalter definitiv voraus. Kisu ist ein reiner Erbmonarch chinesischer Prägung, der Ämter an Freunde und Geschwister schachert. Cantha ist damit prinzipiell eine Banenrepublik, denn weitere Eliten neben dem Kaiserhaus existieren nicht, oder liegen im Bürgerkrieg. Orr wurde bereits getoastet, schlecht beraten war auch der König dort. In Elona wiederum regiert eine Oligarchie aus Adeligen mehr schlecht als recht und in Kryta sind sogar Taliban-artige Religionsfanatiker an der Macht. Regierungen in GW bleiben ein Irrenhaus. Besonders viel Identifikationspotential bieten sie nicht. Kein Wunder, weder mit Königen noch mit Fanatikern, wie dem weißen Mantel, kann man sich wirklich anfreunden, wenn man beginnt rollenspielerisch darüber nachzudenken. Identifikationspotential wird so im Keim erstickt. Bürger einer Republik zu sein würde schon mehr hermachen, nur findet sich keine Partei, mit deren politischen Umständen, Weltbild und Wertesystem man sich ohne Bauchschmerzen anfreunden könnte. Wer Fantasy mit dem Mittelalter unbedingt vergleichen will, dem rufe ich in Erinnerung, dass es im Mittelalter eine bessere Regierungsform der Menschen gab, zumindest in den reichen Städten. Klar gilt das nicht für die Armen damals, aber als Spieler verkörpert man ohnehin eher einen Reichen. Es wäre leicht dem Spieler angemessene politische Sandkästen zum Bürger spielen zu bauen, leider macht Guild Wars das nicht. So gesehen propagiert und idealisiert GW anachronistische Herrschaftsformen und ist nicht geeignet für Kinderhände.
Geschickt umschifft Coventina ein weiteres Nipplegate
Das bringt mich zum nächsten Aspekt, den man in Guild Wars verzweifelt sucht: Frauen. Ja wie, es gibt doch Frauen in GW werdet ihr sagen und es wäre trotzdem falsch. Frauen als Gegner sind komplette Fehlanzeige. Sie teilen das gleiche Schicksal wie der Pandabär. Aus Angst es könnte jemand Anstoß nehmen, weil eine Frau mit Searing Flames gebacken wird, hat man wohl keine ins Spiel genommen. Im Hinblick auf PvP eine nicht nachvollziehbare Entscheidung. Auch PvEler wollen Frauen prügeln! Nichtmenschliche Frauen sind ebenfalls sehr rar. Glint ist eine, dazu gibt es noch Coventina von den Mursaat, ein paar Harpyien und das war es dann auch schon. Europäische Norm zur Gleichstellung nicht erfüllt. Frauen, in Rollen welche die Handlung betreffen, machen erst recht keine gute Figur. Althea ist das Opferlamm, welches gefangen, lebendig verbrannt und als Asche millionenfach verkauft wurde. Von so was träumt jede Frau, oder? Dann treffen wir Evennia, das Unschuldsdummchen in weiß. Sie verkörpert ein irrsinnig naives Frauenbild, spielt sie doch dem Lich das Zepter von Orr zu und lässt sich hinter ihrem Rücken von Markis betrügen. Auch hier ein Frauenbild wie 1870. Danika muss nur den Mund aufmachen und man weiß was los ist; die typische US-College Göre im Kurzickwald. Wer kann, rennt schnell weg. Elder Rhea hat zwar einen großen Krater, doch ist die Art wie sie ‚Zuuuuuuhhh Hanuku’ sagt auch außerhalb des üblichen femininen Rahmens. In Factions hat man eben die Wahl. Zwischen crazy Kid Dannika und crazy Granny Rhea. Am Rande tritt noch die ‚Verführerin’ in Gestalt der Seherin auf, die Shiro überhaupt erst anstachelt. Komisch, dass auch sie eine Frau ist, bereits Glint ist als oberste Manipulatorin Tyrias eine weibliche Rolle, zu negativen Charakteren hat es für Frauen scheinbar doch noch gereicht. Wer meint mit Nightfall hätte sich etwas geändert, der irrt. Dort treffen wir Melonni, Margrid, Talkhora und Jin. Über Letztere weiß man eigentlich gar nichts was ihre Persönlichkeit angeht, ist denk ich auch besser so. Der Rest ist dafür wieder eine Ansammlung von Magenkrämpfen. Melonni langweilt gezielt mit den Sorgen und Nöten der Bravogeneration, hat zudem reichlich weibliche Intuition und diverse Visionen. Eben das klassische Vorurteil des emotionalen empfindsamen Wesens; mit Sense wohlgemerkt. Margrid hingegen ist sich an keiner Stelle zu fein zu betonen, wie sehr sie doch wieder etwas Schmuck klauen möchte, oder im Grunde alles für die Asche macht. Bei Talkhora muss man nur die Anleitung lesen um zu verstehen, was hier für ein Frauenbild vermittelt wird. Bleibt noch Varesh. Die ist eigentlich auch keine Frau, sondern nur ein Handlungsbrocken der seinen Dialog aufsagt. Könnte ohne Risiko durch einen grünen Schlumpf ersetzt werden; die weibliche Verführerin an ihrer Seite hat auch sie, war ja klar. Wie will man Vareshs’ weibliche Seite auch mehr ausspielen? Vielleicht indem ihr sechs Brüste statt sechs Augen wachsen? Würde bei ihren Dialogen auch nichts helfen. Zudem gilt: 'Geheimnisse wollen gesehen, nicht gemolken werden', so sprach Abaddon und hatte fertig. Die letzte im Bunde ist Kormir und wie schon bei Evennia gilt, Geheimnisse per Muttermilch, das wär’s gewesen. Solange Kormir das Kommando hat, geht es steil bergab mit den Sonnenspeeren. Schlechtester Angriffsplan aller Zeiten kann ich nur sagen. Wenigstens hat sie uns um die Trümmer wieder aufzulesen. Soviel zum Frauenbild in Guild Wars, welches man wirklich nicht zum Vorbild nehmen sollte, einfach aus dem Grund da jegliche Form von weiblichem Vorbild fehlt, oder eine erzkonservative Verhunzung der Moderne ist. Die größte Frau im Spiel ist eigentlich Togo, nur ist der halt ein Mann. Obendrauf gibt es Devona und Cynn, aber als reine Gefolgsfrauen sind auch die nur Nebenrolle und stehen nie derart im Vordergrund, wie die genannten Frauenzimmer vorher.
Wenn das noch nicht jugendgefährdend genug war, so kommt jetzt das eigentliche Brett. Der interkulturelle Austausch. Der beschränkt sich in Guild Wars auf den Austausch von Schaden. Ascalon hasst Kryta, Kryta hasst die Klinge, die Klinge hasst die Mursaat, die Mursaat hassen die Titanen und die Titanen hassen Ascalon. Mittendrin der Spieler, der munter die Seiten wechselt. Auch in Cantha spürt man von Versöhnung wenig. Nur weil Shiro alle hasst findet man sich kurz zusammen, um ihn den Kopf einzuschlagen. Danach geht es selbstverständlich zurück in die Allianzschlacht. Gleiches gilt für Nightfall mit veränderten Vorzeichen unter verbesserter Erfassung der Kills in Titeln. Im Namen der Götter kann alles was kreucht und fleucht niedergemäht werden. Super Konzept, wie viel Wüstenspeer Punkte hat eigentlich so der durchschnittliche Irak Soldat heutzutage? Problemlösung à la GW erfolgt immer nach dem gleichen Prinzip. Person A hat Probleme mit Gruppe B und bietet Belohnung C für deren Auslöschung. Aber bitte ohne Blut, das wäre der USK dann doch zu messy. Nur Minister Jeijang wird stilecht bestochen, ist ja schließlich ein Politiker. Ursprüngliche Tat und Bestrafung seitens des Spielers stehen dabei kaum in Relation. Du hast was geklaut also metzele ich deine Sippe nieder. Da wundert es nicht, dass in ganz Tyria kein Gefängnis ist, man wird wohl einfach für alles totgeschlagen. Generell ist es immer ‚Wir oder Die’ und jeder Konflikt ist stets höchst gerecht und moralisch gut. Kaum fließt kein Blut, wird sich niemand ernsthaft über ein derartiges Weltbild aufregen und anfangen grüne USK-12 Sticker zu kleben. Ist doch egal, wenn solche Ansichten eine Generation abfucken, solange sie nicht Blut oder nackte Frauen/Männer sehen. Die Norn runden diese Gewaltbeherrschtheit stilecht ab: „Du bist mein Feind ich schlag dich tot! Du willst mein Freund werden, dann schlag mich halbtot!“ Man stelle sich das auf der GC vor: „Nein mein Herr, die GW Spieler haben keine Massenschlägerei am Laufen, die wollen sich anfreunden.“
Im Namen Melandus: Zerstört die Natur!
Macht Betrügen irgendwie übersichtlicher
Ein Blick in die Wirtschaft wirft weitere Fragen auf. Im Handelschat herrschen Zucht und Ordnung. Wenn doch nur die Realität so sauber getrennt wäre. Alle Tradespam-Mails und Callcenterpromotion Anrufe in Lila bitte. Farbe und Materialien werden an einer Art Echtzeit Terminbörse (den Händler NSCs) gehandelt, die von Spiel minutiös gehegt wird. Demgegenüber steht ein wilder türkischer Bazar mit allen dazugehörigen Wucherungen. Bei jeder Gelegenheit legt man sich herein und sucht die Gewinnmaximierung. Das ist mal Vorbereitung auf das echte Leben in Reinkultur. Aber bitte farblich gut sortiert, wie wollen sonst die zwei verirrten Seelen, die nicht zum Handeln in Distrikt-1 gekommen sind, eine Unterhaltung über die Größe diverser Organe führen? Zudem herrscht im ganzen Land Vollbeschäftigung, was wohl eine Folge des im letzten Absatz beschriebenen Strafrechts ist. Ganze zwei Bettler gibt es im Spiel, Zumo im Wajjung Bazar und einen armen Bettler der nicht einmal Gold für einen Namen hatte. Nicht schlecht für eine Stadt die ein überdimensionierter Slum ist, welcher an einer Ecke schon mal leise vor sich hinkokelt. Der Rest der Veranstaltung wird nicht vom Spiel, sondern von den Spielern betrieben und ist ein endloser Zyklus aus sich selbst verstärkenden Hysterien, die ein Item erst schwindelerregend wertvoll und dann wieder komplett wertlos machen. Die Werbewirtschaft nimmt solche Selbstkonditionierung dankend zur Kenntnis und packt 50 cent auf den Butterpreis, denn jeder Noob weiß, dass Butter derzeit in China das Beste seit geschnittenem Brot ist. Nur was war eigentlich das Beste bevor es geschnittenes Brot gab, und kann man chinesische Goldfarmer mit Butter bezahlen, jetzt wo China so viele Milchprodukte braucht? Obendrauf schreit die Ebay Generation nach einem Auktionshaus, aber weiß denn von denen keiner, dass dies zur Vernichtung von unbezahlten Arbeitsplätzen bei den Handelsforum-Moderatoren führen würde? Schnell, wir brauchen Bildung, aber bitte GW-Style.
Da ist jedoch essig mit der Lehrmittelfreiheit. Ähnlich erfolglos wie die Studenten gegen die Studiengebühr, protestiert die Community gegen die Preise von Fertigkeiten. Bildung muss man sich halt leisten können lautet die Devise, besonders wenn Lehrbücher als Drops rar gesät sind. Will man eine Elite-Fertigkeit wird es gar ganz grausam. Vergleichbar mit einem steinzeitlichen Stamm von wilden Herzfressern, eignet man sich die gewünschte Fähigkeit durch Töten der Person an, die sie beherrscht. Unter diesem Licht betrachtet machen die Amokläufe der letzen Jahre mehr Sinn. Nicht CS ist schuld, sondern GW, die Amokläufer wollten Lehrer werden! Mit einem Mal wird klar warum es in Tyria keine Schulen braucht, die sind dank solcher Methoden nun wirklich überflüssig und dem Risiko eines Lehrers von Elitefertigkeiten wird sich kein vernünftiger Mensch in Tyria aussetzen. Das Niveau, auf welchem man etwas beherrscht, ist auch reine Formsache. Ich will Feuermagie auf 12 können, also kann ich Feuermagie auf 12, in diesem Punkt sind alle GW-Menschen gleich. Ist wie bei C-Promis, die vögeln Dieter Bohlen und meinen danach auch sie können Singen oder Schauspielen auf Stufe 12. An Dieters Stelle würde ich mal untersuchen lassen, ob sein Sperma Größenwahn überträgt. Verschiedene Berufe gibt es nur deswegen, weil sich nicht jeder mit den gleichen Runen dopen kann. Ein Hauch Hauptattribut schwingt auch mit, ob das angeboren ist wie bei Charakteren, oder während des Lebens gewählt werden kann, wie Gwen das behauptet, ist eines der interessanteren Rätsel. Egal, wer einmal auf Krieger-Runen-Crack ist bleibt dabei. Eine wahrlich tolle Lehre für das echte Leben. Zahl für die Bildung, friss deine Lehrer und pimp dich mit magischen Hilfsmitteln. Das sind Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens.
Haben weder Schokohasen noch Geburtstagskuchen zum Dopen
Achtung: Kleidung trägt zur Wahrheitsfindung bei!
Die braucht Tyria auch ganz dringend, denn an religiöser Front gibt es keine. Glaube existiert nicht, schließlich weiß man, dass die Götter da sind und sie lassen es einen auch wissen. Auch wenn sie gegen Ende von Nightfall mit uns die Anrufbeantworter-Nummer abziehen. Gekonnt schafft es Guild Wars ansonsten jedes religiöse Konfliktthema voll auszureizen. Das beginnt mit den Mursaat und deren Einsatz von Religion als Mittel der Gesellschaftskontrolle und Rechtfertigung von Greultaten. Ein Klassiker, hätte keine echte Religion besser machen können. Der nächste Fettnapf sind die Derwische, von denen die Anleitung behauptet sie würden ihren Kopf aus Respekt vor den Göttern bedecken. Ein Wunder, dass noch kein CSU Lokalpolitiker auf diesen Versuch, mit Hilfe eines Spiels die Einstellung der Jugend in der Kopftuchdebatte zu manipulieren, abgeht wie Schmidts Katze. Wohl und Wehe des Abendlandes hängen schließlich allein vom Zwang, oder der Bereitschaft, der muslimischen Frau zum Kopftuch tragen ab. Aufrechte bayerische Musliminen mögen sich bitte nun enthemmt das Kopftuch so vom Leib reißen, wie 68er das mit ihrer Kleidung angehalten sind nicht zu tun. Dabei hat uns Gott doch nackt geschaffen und Kleidung ist nur ein ‚Bugfix’ unsererseits, um eine der Nebenwirkungen der Vertreibung aus dem Paradies zu kompensieren. Ein Affront also, Gott gegenüber Kleidung zu tragen, schließlich mildert sie seine Strafe. Warum wir eine gottlose Generation genannt werden ist eigentlich kein Wunder, weder Spiel noch Realität machen wirklich Sinn. Was so eine echte Kirche ist, die lässt sich von so was nicht entmutigen, bekehrt wird noch am Totenbett. Nur ein Priester kann sich 5 Minuten vor meinem Tod erlauben zu mir zu sagen: „Na 4th? Gott oder Hölle? Tue Buße!“ *sigh* „HERR, reiche mir eine Panzerfaust! Ach Mist grad keine Gunst.“ *stirbt*
Im Jenseits von Guild Wars geht es anschließend sehr bunt zu, das steht fest. Die Optionen sind sehr reichhaltig. Ein Dorf in der Unterwelt, ein Schlachfeld im Riss, die Halle der Helden, das Reich der Qual, ein Fluss mit unbekanntem Ziel, ein Leben als Zombie, gefesselt an eine Statue und nur den Kaiser zum Quatschen, sowie ein mieser Job als Geleiter von Seelen. Wehe dem der stirbt, kann man da nur sagen. Wie man wohin kommt scheint Zufall zu sein. Rurik meint selbstbewusst, dass man nur auf Stufe 16 in den Bergen jämmerlich verenden muss, weil man wieder zu weit von der Gruppe wegrennt, um in die Halle der Helden zu kommen. Für seinen Jadewind bekommt Shiro erstmal einen Job als Geleiter von Seelen. Da freut sich bestimmt jeder Jude, wenn ihn Adolf Hitler in den Himmel führen würde, ein anderes Äquivalent zu dieser Situation fällt mir wirklich nicht ein. Shiro endet dann doch im Reich der Qualen, was auch wenig Sinn macht, schließlich hätte er dort, nicht zuletzt für die Art wie er im Stile eines 20er Jahre Bösewicht redet, von Anfang an hingehört. Bei so vielen Optionen rund um das Leben nach dem Tod ist es kein Wunder, dass sich Helden und NSCs derart kopflos in die Schlacht werfen. Irgendwo wird man schon rauskommen. Wo kommen eigentlich die hin, die im Leben nach dem Tod oder der Unterwelt sterben? Spawnen die auch im Tempel der Zeitalter?
Wo spawnt wer, wenn er gleich stirbt?
Alkohol, ein GW Aufklärungsfilm
Dort angekommen geht es jedenfalls weiter mit Sex and Drugs and Rock n’ Roll. Abgerockt wird jederzeit und überall. An jeder Ecke des Spiels wird geklimpert, getanzt und gemoscht. Ein Wunder, dass Rock Band nicht als Guild Wars Plugin erscheint, ein musikalisch, rhythmisches Minispiel wäre eigentlich erste Developerpflicht. Zeichen der Zeit sag ich nur. Beim Thema Drugs ist man weniger zimperlich gewesen und damit voll im Trend. Wahllos wird sich alles eingeworfen, um möglichst schnell den Säufertitel zu erlangen. Sind die Komatrinkerkids also eine Folge von Guild Wars? Bevor es den Säufertitel in GW gab war das Phänomen unbekannt. Ist FSK 12 dadurch ernsthaft in Gefahr? Wie darf ich das interpretieren, wenn mir eine Nornfertigkeit mehr Leben gibt, wenn ich betrunken bin? Steht uns zudem eine neue Diabetes Welle, ausgelöst durch den Zuckertitel, bevor? Wenigstens an sexueller Front herrscht Sicherheit, aber eine trügerische. Zum einen, weil in den USA sowieso überhaupt nie *hust* jemand Sex vor der Heirat hat, zum anderen weil Sex für Eurokids mit 12 schon wieder out it. Beweise? Googelt doch den Titel „Körper, Liebe, Doktorspiele“, ein Sexualaufklärungsheft der Bundesregierung für 1- bis 6-jährige. Von wegen Bienen und Störche, George W. hat andere Länder schon für viel weniger besetzt. Wenn ihr das Heft derzeit nicht lesen könnt liegt das daran, dass man eher zweideutige Passagen über Masturbation von Kleinkindern überarbeiten will und nicht weil man vorhätte die totale Aufklärung weiter nach hinten zu legen. Wie erklärt man solche kulturelle Gräben nur den Entwicklern? Sex ist nicht der einzige Graben. Erziehung im Sinne des Umwelt und Artenschutzes ist der Nächste. Eine weitere Gefahr für FSK-12. Wo sonst wird im FSK-12 Fernsehen propagiert, dass man alle Nashörner, Gorillas und sonstige Tiere von der Karte fegen soll. Artenschutz beschränkt sich auf Menschen, der Rest wird zur persönlichen Bereicherung gefarmt. Überhaupt ist der einzige Zweck der Magie in Guild Wars die Aggression. Eine zivile Nutzung von Magie findet höchst selten statt. Währenddessen hungern die Flüchtlinge in Cantha munter weiter. Wer genau hinsieht, dem offenbaren sich derartige Baustellen in sämtlichen Onlinewelten.
Oft hört man anschließend die Entwickler dieser Tage davon sprechen, dass Spiele eigentlich eine Kunstform sind, aber Kunst muss sich einem anderen Urteil stellen als Unterhaltung. Das gilt nicht nur für Guild Wars, denn blickt man auf beliebige andere Spiele sind die Ergebnisse ähnlich haarsträubend. Da hilft es auch nichts, wenn man Questen mit „moralisch wertvollen“ Aspekten schnell noch mit der Brechstange reinhebelt. Frontale Moralpredigten werden am schnellsten abgeschaltet. Ethos und Moral diktieren keine einzige Entscheidung in Spielen, ein Kindergarten wird bombardiert sobald die Loot stimmt. Virtuellen Altruismus gibt es nicht, irgendwo steckt hinter jeder guten Entscheidung eine kleine Belohnung in Form eines Items oder Skins. Findet man die „bösen Skins“ am schönsten macht man halt böse Sachen, das Spiel ist Sklave des Drangs des Spielers nach Unterhaltung, mehr nicht. Solange die Spielwelten auch nicht wirklich mit Anspruch erstellt werden, darf es keinen Spieler wundern, wenn Spiele nicht ernst genommen werden. Das Medium hat einfach nicht die inhaltliche Qualität, um mit Klassikern der Literatur oder der Filmgeschichte in eine Reihe gestellt zu werden. Kein Spiel ist so konstruiert, dass man danach angewidert zurückbleibt und nachdenkt. Es gibt kein Anti-Kriegs Spiel, kein Anti-Gewalt Spiel, welches mit Apocalypse Now oder A Clockwork Orange mithalten könnte.
Kennt nicht mal Pong, weiß trotzdem alles was er wissen... ...will.
Inhaltsgleichheit ist, wenn ein Spiel für viel weniger selbstzensiert wird
Das Bewerten normaler Unterhaltungssoftware auf jugendgefährdende Aspekte hin, ist somit erst recht reine Farce. Nur dem Sensationalismus und der Blutgeilheit von TV und Printpresse ist es zu verdanken, dass hierzulande Blutdarstellung in Spielen plötzlich mehr gefährdend sein soll als virtuelle Frauenbilder und Ökosysteme. Diskussion über Letzteres steigert halt nicht die Auflage der Zeitungen und führt auch nicht zu mehr Wählerstimmen. Dabei interagiert man häufiger mit Frauen als mit Gewalt. Wenn Muster aus Videospielen überhaupt Verhalten in der Realität beeinflussen, dann doch eher bei Dingen, welche man wirklich macht. Gemessen wird im Hinblick auf Literatur ohnehin mit zweierlei Maß, oder hat ein Horrorbuch auch nur FSK-6? Conan sehen durfte ich erst mit 18, ohne Fragen in der öffentlichen Bibliothek ausgeliehen hat man es mir schon viel früher. Doch vor allem am Umgang mit Gewalt und Alkohol scheint in Deutschland die Meinung zu herrschen, dass die Eltern sich bei diesem Themen nicht mit ihren Kindern befassen müssten, solange Staat und Ladenketten den Konsum der Jugendlichen ausreichend filtern. Ein Armutszeugnis für eine Kultur die sich Wissensgesellschaft nennt, derartige Inseln der Aufklärungsisolation zu erschaffen. Am Thema Sex sieht man diesen Bruch in der Konsequenz. Das so genannte Jugendschutzgesetz ist damit zum Freibrief geworden mit dem sich jeder feige um Diskussionen und Aufklärung drückt. Pauschal wird der Jugend das Recht entzogen sich mit gewissen Themen zu beschäftigen. Ein staatlich organisierter Ablass für Eltern die den sanften Ausstieg aus der Erziehung planen. Das Ergebnis schlägt jeden Tag in unserem Forum und im Spiel auf. Verwundert sitzen dann Politiker in TV-Shows mit erhöhter Einschaltquote. Die Schuld dann bei roten Pixeln und grünen Papperln zu suchen und am Ende noch von Forenbetreibern zu verlangen Wörter und ganze Sprechintentionen zu filtern ist der pure Anti-Intellektualismus. Nur leider bringt genau der die Wählerstimmen und wie man sich politischen Erfolg durch Rumtrampeln auf einer Jugendkultur erkauft, das kann euch euer Bundestagsabgeordneter beantworten.