State of the Game: PvE #24 Autor: 4thVariety, letztes Update: 00.00.0000
Mit 4 Millionen verkauften Einheiten hat Guild Wars bestenfalls so viele Spieler wie Berlin Einwohner. Dank GW:EN wird es wohl bald auf die große fünf zugehen. Ok, es wird wohl viele Accounts mit mehr als einem Spiel darin geben. Selbst wenn jeder alle Erweiterungen besitzt, kommt immer noch eine Stadt so groß wie Nürnberg dabei heraus. So viele Menschen auf einem Haufen zusammenzupferchen bringt einige Probleme mit sich unabhängig davon ob sie aktiv sind oder nicht. Wie aus Guild Wars die Solo Wars wurden hatten wir schon, warum die Spielerschaft nicht aus dem Loch herauskommt liegt an einem Problem, welches Spieler die gern auf mehreren Hochzeiten tanzen bereits kennen.
Vororte mitzählen oder nicht, vier Millionen oder nur eine halbe: Wilkommen in Seattle
Heute: Soziale Spielmechaniken
Liebe Million, macht mal 100er Gruppen
Ein Multiplayer-Spiel besteht eben nicht nur aus den üblichen Teilen. Graphik, Sound, sowie der ganze Text, Ton und die Cut-Scenes machen nur einen Teil des Spiels aus. Das wäre der von der Wahrnehmung dominierte Part. Ein Heer von Graphikern, Animateuren und Tontechnikern verpulvert ordentlich Budget um das Projekt auf Kurs zu bringen. Logisch, damit hat man gelernt zu werben. An zweiter Stelle kommt oft, leider, das Gameplay. Hier sind schon weniger Entwickler am Werk und feilen am Spielerlebnis. Wie sich das Spiel anfühlt und ob es Spielfluss entwickelt entscheidet sich ebenso hier wie das Genre dem es angehört. Bewertungsmaßstab ist immer der einzelne Spieler, denn der muss es kaufen, ihm soll etwas geboten werden. Auf einer dritten Eben geht es wieder belebter zu, das ist für den Spieler aber unsichtbar und hinter den Kulissen. Die Engine verrichtet ihr Werk und sorgt für die technische Realisierbarkeit der Bereiche Wahrnehmung und Spielgefühl. Bei MMOs werden mit Hilfe der Servertechnik selbstverständlich möglichst viele Spieler in eine Welt gepumpt. Es entsteht faktisch eine Stadt von der Größe Nürnbergs, oder doch Berlin? Das oberste Problem dieser Stadt ist nicht die Tatsache, dass viele Sprachen aufeinander treffen, sondern dass ihre Grundstruktur sie fast unmöglich zu organisieren macht. Beim Design wurde ein Detail schlicht ignoriert. Wer hat schon 500.000 Spieler im Kopf wenn er eine Mechanik entwirft?
Die Anwendung der GuildWars Spielmechaniken auf die Stadt Nürnberg mag zunächst lächerlich wirken, da hinter jedem Account ein echter Mensch steckt der darunter leidet, sollte man lieber nicht zuviel lachen. An dieser Stelle würde Lachen eigentlich nur die Anspannung überspielen, dass etwas ganz grundlegendes fehlt. Die Fähigkeit soziale Strukturen im Spiel ordentlich aufzubauen. Ordentlich in diesem Sinne würde bedeuten, so wie man es aus dem echten leben gewohnt ist. „Intuitive Socializing“ wäre der Bullshitname für so was. Zurück nach Nürnberg, denn dort stehen eine halbe Million PvRL Spieler herum. Sofort bilden sich Grüppchen, das kennt man, nur in diesem Beispiel sollen sie sich nach dem Guild Wars Prinzip gruppieren. Jeder Nürnberger darf jetzt nur Mitglied in einer einzigen Gruppe sein. Interagieren darf er mit allen wie gehabt, organisieren ist jedoch streng limitiert auf Gruppen mit maximal 100 Mitgliedern, die keiner anderen Gruppe angehören dürfen. Vielleicht hat man Freunde dann geht man in eine Freunde-Gilde. Vielleicht hat man aber ein Hobby, dann geht man in dieser Gilde und spielt dort Fußball. Vielleicht geht man zu einer Partei, zu einer Organisation, oder einem Arbeitgeber. Ein echter Nürnberger bringt das alles unter einen Hut. Ein GW-Nürnberger scheitert. Der würde von GW dazu gezwungen sich einer einzigen sozialen Struktur anzuschließen; entweder Familie, oder FCN, oder Beruf, alles drei geht nicht, oder nur unter brutalen Kommunikationsbarrieren. Ohne die Fähigkeit sich parallel in weiteren Organisationen zu tummeln, wird die Kommunikation zum Disaster. Die Gilden können sich intern superbequem organisieren, gehen eure Interessen über die allgemeinen der Gilde hinaus steht ihr im Regen. Man braucht mindestens Hilfsmittel wie Foren oder ICQ Gruppen außerhalb des Spiels um sich vernünftig zu organisieren. Nicht besonders Casual-friendly wie man so schön sagt.
Aus Ermangelung einer weiteren Badewanne nimmt das Drama seinen Lauf
Hard-Mode Pugs kann man getrost vergessen
Gerade Unternehmungen die nicht zentral von einem Ort starten sind so in Guild Wars unmöglich zu organisieren. Will ich Mallyx umhauen, dann gibt es dafür wenigstens einen Startplatz den ich aufsuchen kann. Die Pugs am Tor der Pein sind auch gut genug, dass man das schafft, sofern man nicht einfach blind einlädt und GoGoGo schreit. Der Hardmode aber hat keinen Startplatz. Gerne würde ich mit irgendeiner Mission anfangen, will ich das in die Tat umsetzen hilft mir das Spiel gar nicht. Fehlt die Unterstützung in der Gilde oder Allianz, die sind ja auch nicht nur da um mir zu helfen, gehen die Optionen gegen Null. Planloses Außenpostenhopping ist angesagt, vielleicht ist irgendwo ein Team. Da geht viel Zeit verloren, zum Schluss hat man eine Gruppe, aber keine Zeit mehr. Man kann auch schlecht jede Unternehmung über ein Forum planen, das kostet noch mehr Zeit und vielleicht will man ja spontaner spielen, oder weiß noch nicht wann man zum Zocken Zeit findet. Gildenhopping betreibt erst recht kein Mensch. Das Spiel ist überflutet mit lauter kleinen Randgruppengrinds, die man wegen der sozialen Strukturen des Spiels kaum verwirklichen kann. So beschränkt sich die Gildenaktivität bald auf Donnerkopf, Arborstein und Sebelkeh. Da kommen noch Spieler zusammen, das ist mehrheitsfähig. Abstruse Elitefertigkeiten sammeln, Hardmode vervollständigen, Herausforderungen spielen, dazu braucht man schon Gildenkollegen die das mitmachen und ihren Willen hinten anstellen, sonst spielt man allein. Verlassen will man die Gilde wegen solchen Gründen nicht, das brächte einen nur bedingt weiter. Man macht ja gerne Sachen mit den Gildies, nur eben nicht immerzu. Andere Spieler mit den gleichen Interessen im gleichen Moment existieren zwar, aber das Spiel bietet keine Möglichkeit diese zu finden. Schade, denn so liegt das größte Potential der „ein Server für alle“ Philosophie von Guild Wars brach.
Im echten Leben, werden die Dinge besser geregelt, schließlich unterliegen sie dort keinen künstlichen „Enginebeschränkungen“. Man ist Mitglied einer Gemeinschaft am Arbeitsplatz oder der Schule, man hat seinen Freundeskreis, man hat die Familie, man ist vielleicht noch Mitglied in dem einen oder anderen Verein. Man versucht gar nicht überall gleichzeitig zu sein, sondern ist immer dort wo es gerade nötig ist, oder wo man gerade sein will. Jede dieser Gruppen hat eine gut ausgeprägte Kommunikationsstruktur, selbst der Kaninchenzuchtverein hat eine Mailingliste und ist damit besser organisiert als die Hard-Mode Fans innerhalb von Guild Wars. Die Interessen einer Person sind so vielschichtig wie die sozialen Zirkel mit denen er sich umgibt. Steht ihm der Sinn nach etwas, weiß er wo er den Zirkel Gleichgesinnter trifft und wenn es nur ums Saufen geht. Ein GW Spieler kann von solchen Zuständen nur träumen. Auch er hat vielschichtige Interessen am Spiel die eine Gilde oder Allianz nicht immer erfüllen können. Außerhalb dieser Struktur gibt es aber keine Strukturen in Guild Wars und das ist ein Problem. Ohne Gilde und ohne Option fremde Spieler mit gleichen Interessen in annehmbarer Zeit aufzutreiben ist man schnell zurück bei Solo Wars. Das ist inzwischen so schlimm, dass die Beurteilung des Schwierigkeitsgrades nur noch nach dem Prinzip „schaff ich das mit Hero/Hench“ stattfindet. Denn nur so steht mir der Teil des Spiels weiter offen. Das ist umso schlimmer, da eine Gilde meist die gleiche Struktur besitzt wie mein X-Fire Fenster. Da sind meine Freunde, deren Freunde und wir alle sind in einem Chat. Alle anderen Freundes- und Interessenskreise sind unsichtbar.
Außer an Orten erhöhter Gier und reduzierter Chance mit Helden.
Planlos in der Challenge Highscore
Es könnte auch anders gehen. Guild Wars braucht nicht nur Graphik und Sound, nicht nur Skillbalance und ausgewogenen Schwierigkeitsgrad, nicht nur Skins und Titel, Guild Wars braucht dringend eine Infusion sozialer Spielmechaniken. Ein Spieler sollte dazu in der Lage sein, seine Interessen die er am Spiel hat zu definieren und dann für jede dieser Interessen einzeln einen sozialen Kreis finden oder aufzubauen. Beispielsweise will ich Freunde, Hard-Mode, Elite-PvE (irgendwelche), Herausforderungsmissionen und GvG (nur als Beispiel jetzt). Es ist wohl unmöglich eine Gilde zu finden die das alles abdeckt, selbst wenn, vielleicht hat nicht jeder an dem Tag Lust auf GvG, was dann? Leidtragender wären jetzt die Spielmodi die nicht gespielt werden, oder die Spieler die alleine spielen oder gar nicht spielen können (GvG). Wäre es mir möglich mich in eine Gilde für jede Tätigkeit einzutragen hätte ich die Freiheit, die ich im echten Leben auch kenne. Meine Familie will nicht mit mir Fußball spielen, aber oben am Bolzplatz trifft man sich und man gehört auch zu dieser Gruppe; Pech gehabt Familie.
Die soziale Struktur könnte völlig verändert werden und sich auf eine Art manifestieren die es bislang in keinem Spiel gibt, wenigstens kein Spiel das man kennt. Meine Freunde sind weiter meine „Home“ Gilde, von der man nur eine einzige hat. Dann würde ich Mitglied der Wartower Gilde sein, das sind alle User dieser Seite die mitmachen wollen. So fällt es leicht sich im Forum zu treffen und das in das Spiel auszudehnen. Streithähne könnten auch ihre Imbaness leichter messen. Wer macht das schon über die Friendslist? Diesen Typus Gilde würde ich schon so bauen, dass man nicht in mehreren Fanseitengilden Mitglied sein kann. Der Casual PvP wird es dankend zur Kenntnis nehmen und kann auf der sportlichen Rivalität der Seiten aufbauen, auch wenn man sich hinter den Kulissen gut versteht. Gilden mit GvG Zugriff werden ebenfalls exklusiv betreten. Erschafft man eine Gilde mit GvG Rechten, dann dürfen deren Mitglieder nicht in anderen GvG Gilden Mitglied sein. Jenseits davon gibt es nur noch Interessensverbände. Diese werden unter einem Ziel gegründet, welches am besten permanenter Bestandteil der Gildennachricht ist. So kann man sich Mitspieler erschließen die von Zeit zu Zeit eine bestimmte Tätigkeit erreichen wollen, oder am gleichen Strang ziehen. Das kann ein Titel sein, eine Herausforderungsmission, oder ein spezieller Raid. Factionsfarmer sind auch nichts anderes, nur mit dem Unterschied, dass sie das Farmen vor ihren Freunden angestellt haben. Auch reine Mesmer und Kmötergruppen sind wahrscheinlich, immerhin sind die eine der wenigen Gruppen die sich über Foren organisiert von Zeit zu Zeit im Spiel treffen. So können Spieler ihre Freunde in der Gilde behalten, ihren Aktionsradius aber einfacher auf Dinge ausweiten, die in der Gilde/Allianz nicht oft gemacht werden. Es käme nicht nur Vielspielern zu gute, sondern auch sehr zielstrebige Zeitgenossen würden so weniger Zeit verbringen sich im Forum aufzuregen wie unmöglich manche Sachen mit Hero/Hench sind und dass alle Pugs scheiße sind, oder Titel X alleine zuviel Grind wäre. Anstatt dessen macht man neben der Gilde sein Nebenprojekt auf, oder schließt sich einem weitaus spezialisierterem Zirkel an OHNE vor die Qual der Wahl gestellt zu werden.
Im Gildenchat spricht man sich schnell ab wer was hat, in Tyria irrt man nach Mitspielern umher.
100 Händler, 4 Taxis, keine Mitspieler, Spambekämpfung bringt keine Besserung
Ohne die Restriktion nur einer Gruppe anzugehören könnte das soziale Leben in GuildWars wieder aufblühen. Denn es leidet nicht unter Spammern, es erstickt nicht im Tradechat, es kann schlicht nicht stattfinden weil grundlegende Strukturen menschlichen Sozialverhaltens nicht imitiert werden können; vor allem die Zugehörigkeit zu mehreren Gruppen gleichzeitig. Wie ich mich in den Gruppen bewege übernimmt man ebenfalls vom Leben. Der Gildenchat meiner Freunde kann ja ruhig immer aktiv bleiben. Von den zusätzlichen Gruppen in denen ich Mitglied bin kann ich immer nur den Chat von einer aktivieren. Das schützt mich vor Überspammung und den Server davor jede Nachricht zu vielen Spielern schicken zu müssen. Jede Gruppe hat ihre Gildenliste aus der man sieht, wer gerade „nur“ Online ist und wer in der Gruppe „aktiv“ ist. So kann man aktuelles Potential besser einschätzen, ähnlich wie im Leben, wenn der Bolzplatz leer ist weil es regnet, dann geht man eben zum nächsten sozialen Treffpunkt und hängt z.B. im WT-Forum ab. Im Optimalfall hab ich für alle Interessen und rollenspielerische Späße eine Gruppe mit der ich mich treffen kann. Wenn mir der Sinn nach etwas steht, weiß ich wo ich mich umzusehen habe. Das trifft derzeit lediglich auf Händler zu, weil deren Tätigkeit so elementar ist, dass man lernt wo man sich zu treffen hat. Für weniger elementare Tätigkeiten fehlen solche Treffpunkte. Selbst Anfänger würden profitieren mehreren Gruppen beizutreten. In den Fanseitengruppen finden sie schnell Hilfe, mit ihren Freunden haben sie sowieso eine Gilde und wenn sie Mitspieler treffen, können sie leichter Anschluss an deren Kreis finden. Ein Newbie mag seine Freunde in der Gilde nicht verlassen, daraus darf man ihm später keinen Strick drehen wenn er Spieler mit gleichen Interessen trifft.
Diese neuen Funktionalität muss auch sichtbarer im Spiel werden, Gildenschreier sind eh out und Fanseiten bringen nur bedingt Übersicht ins Chaos. Allen voran die Gilden mit Spezialinteressen sollten im Spiel auf einer Anschlagtafel für sich werben, die fortgeschrittenen Spieler werden einen Dialog mit einem Register schon durchforsten können. Anfänger und neue Gruppenkandidaten werden einfach beim Spielen angeworben, Allianzen zwischen ähnlichen, nahe verwandten, oder gleichen Gilden zwingen sich gerade auf und entstauben die Allianzfunktion. Die Fanforen werden zudem genug Platz bieten sich zu bewerben, oder ins rechte Licht zu rücken. Gildenhallen werden zu Gildenstädten oder Gildeninstanzen von Städten, die Factionsmechanik hat gezeigt, dass grundsätzlich dies von den Spielern angenommen wird. Eine GvG Gilde wird sich eine Halle kaufen müssen, eine reine PvE Interessensgemeinschaft dann eher geneigt sein virtuelle Kohle für die Instanz einer Stadt hinlegen. Gesehen wird diese im Pulldown nur von ihren Mitgliedern. Der Mesmerzirkel hat seine Denravi Instanz, eine RPG Gilde kauft eine Instanz eines kleinen Dorfes und Roxxor Protzor Fanseiten kaufen gleich Löwenstein. Manche Instanzen könnte es gar nur als Belohnung für Spielerfolge geben. Hat man das falsche Kapitel, dann kommt man eben nur über den „reisen“ Knopf hin, wie das schon mit Gildenhallen der Fall ist. Geht man im „falschen“ Kapitel „zur Tür raus“, muss das Spiel eben unterbinden, schließlich kann es das. Selbst wenn sich dann mehrere Gruppen von mir in der gleichen Stadt beheimatet fühlen, sollte das kein Problem sein. Als GW Spieler ist man an Instanzen gewöhnt.
Leider dürfte für das jetzige GW der Zug in dieser Richtung abgefahren sein, die sozialen Spielmechaniken wurden nicht entwickelt oder blieben Stückwerk. Es ist unwahrscheinlich, dass diese den Weg in eine Engine finden die von den Programmierern „the beast“ genannt wird. Mit Graphik und Spielablauf wird es jedoch zukünftig schwieriger werden die Spieler zu beeindrucken. Nicht Polygone oder Skillbalance müssen komplexer werden, sondern die veraltete Struktur „Ich-Gilde-Gegner“ muss weggefegt werden. Missionen und Ortsgebundene Startpunkte in GW, im Verbund mit der „ein Server für alle“ Strategie, haben das Spielen mit zufälligen Bekanntschaften viel weiter gebracht als jedes MMO zuvor. Langsam wird es jedoch Zeit die Community 2.0 anzustreben, bei der soziale Gruppierungen nicht die Möglichkeiten beschränken wie Gilden es derzeit tun, sondern erweitern wie das die verschiedenen Kreise tun denen ihr im echten Leben angehört. Ich versuche bis dahin auch die Erdrotation etwas zu bremsen, damit der Tag ein paar Stunden mehr hat.