State of the Game: PvE #29 Autor: 4thVariety, letztes Update: 01.03.2008
Nur weil der Affe vom Baum stieg, war er kleinen grünen Blättern noch lange nicht entwöhnt. Bis heute frönt er eine ausgiebige Leidenschaft was flache grüne Naturfasern angeht. Wenn sich grünes Laub im Herbst braun färbt, wird der Mensch sogar traurig. Eine der großen Fragen des Universums ist sicherlich wann der Mensch unglücklicher ist: ohne Geld, oder ohne Möglichkeit es auszugeben. Stadtstreicher und Paris Hilton kämpfen erbittert, wenn auch an verschiedenen Fronten, um diese Frage endgültig zu beantworten; Guild Wars Spieler gehen dieser Frage auch gern experimentell auf den Grund. Derweil ist das Thema hier:
Der liebe Gott und die liebe Kohle
Da sag noch einer wir hätten den Monotheismus. Weit gefehlt, vor dem Kulturverlust Euro huldigten die Deutschen keinen Brücken sondern den Göttinnen Bettina, Anette, Clara und Maria. Oberste Kultstädte war der Tempel des Albrecht. Dessen Hohepriester versprachen, dass bei regelmäßigem Besuch des Tempels viele Göttinnen dem Laien (kirchlich!) weiter nahe bleiben würden. Die Kultisten des Al-Di fragten sich schon damals nicht wie die Brüder Albrecht bei so viel Selbstlosigkeit 30 Milliarden anhäufen konnten und was man mit einer Klonarmee aus 60 Millionen Gebrüdern Grimm machen will. Da sind Brücken schon praktischer, denn aneinandergereiht könnte man damit 9.6 Millionen Kilometer überbrücken; trotz modernster Bauweise versteht sich. Das reicht dann 25 mal zum Mond, oder 240 um den Äquator. Gerade als ihr dachtet ihr könntet euch über 50€ freuen die auf der Straße lagen, ne.
Gib mit mal ein Aquädukt hat sich noch nicht durchgesetzt.
Aber auch logische Folge des Spielprinzip Grind: China Farmer
So besessen sind wir von der Idee des Geldes, dass wir sogar im Spiel davon beherrscht werden und uns gar nichts anderes vorstellen können. Handel ist für uns automatisch immer Geldhandel und sobald die Währung versagt, prägt sich eine Ersatzwährung aus. Nach dem Krieg waren das Zigaretten, im Spiel sind das Ekken, Ectos oder wie sie sonst genannt werden. Der Erwerb von Gold steht für viele im Zentrum des spielerischen Interesses und nirgendwo sonst wird das Spiel so an seine Limits gepusht wie beim Erwerb von Geld. Jede Spielmechanik wird bis an den Rand des Exploits gedehnt solange dabei ein paar Goldstücke extra herausspringen. Es gilt, von Profis lernen heißt siegen lernen, daher machen Farmbuilds sehr schnell die Runde. Auch realweltliche Theorien kommen zur Anwendung, das Dienstleistungs-Outsourcing nach China hat manche virtuelle Ökonomie fest im Griff. Kann man einer Umfrage trauen, so haben ca. 10% aller GuildWars Spieler schon einmal Gold gekauft. Die Sucht Geld zu scheffeln treibt das Spiel an und bevölkert ganze Distrikte voller Händler die stets darauf bedacht sind die schnelle Kohle zu machen.
Klar, dass soviel Goldscheffeln ein Gegengewicht braucht. Leider ist im Spiel ja nichts mehr etwas wert wird sich beklagt und so wendet sich der geneigte GuildWars Spieler an den Onlineshop. Zumindest möchte er das gerne. Andere MMOs befriedigen diesen Geldausgebdrang mit der Erhebung einer Monatsgebühr, doch so einfach macht es Arenanet dem User nicht. Für den Betrachter von außen wirkt es bizarr was in den Foren abläuft. Eine Horde von Fans bekniet den Hersteller ihnen eine Möglichkeit zu bieten etwas zu kaufen. Sobald sich die Möglichkeit bietet Geld an den Hersteller zu senden, entlädt sich der Zorn, dass eine weitere Firma bei dieser Transaktion auch Geld mitverdient. Skandal, dabei wollten wir doch all unser Geld an Arenanet schicken. Solche Nibelungentreue gibt es eben nur in Deutschland. Nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern eben das Land auf das man blickt und leise „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“ singt.
Arenanet besitzt keine Vulkanbasis, kein Büro für Zahlungswunder
Zum Vergleich, ein Bild der Banken die euer Geld an Arenanet schicken
Dabei ist der größte Vorwürfe genau genommen der größte Unsinn. Kreditkarten werden von den Usern abgelehnt, weil sie pro Jahr Kosten verursachen. Warum Kreditkartenfirmen Geld verlangen können ist einfach, sie bieten dem Empfänger ein ganz besonderes Feature, sofortiger garantierter Gelderhalt. Einfach die Nummer in den Shop eingeklappert und schon kann es losgehen; Arenanet kann sich sofort sicher sein zu ihrem Geld zu kommen, daher bekommt ihr sofort den Unlock. Da sieht die klassische Überweisung alt aus. Das Geld von eurem Konto abzubuchen, das schafft die Bank schon sofort, aber es dem Empfänger auf das Konto zu buchen, das braucht. Können locker bis zu 3-5 Tage sein, ohne Gesetz bzw. Kreditkartenfirma im Nacken lässt sich das Geldinstitut Zeit dem Empfänger etwas zukommen zu lassen. So ein Signal braucht eben von A nach B, schließlich ist das Internet ja ein System an Röhren, sehr sicheren Röhren im Bankenverkehr und Stau ist da auch ständig. Euer Geld ist derweil weiter verfügbares Spekulationskapital der Bank. So eine Überweisung ist schließlich keine Instant Message, das ist schon die SMS nicht. Wenn jemand also sofortige Zahlung als Feature verlangt, lässt sich die Bank diese Extrawurst auch extra bezahlen und hält unverhohlen die Hand auf.
So denkt nicht nur die Kreditkartenfirma, sondern jedes einzelne Unternehmen welches Arenanet mit sofortigen Zahlungsmethoden in ihren Shop einbinden kann. Auch die hochgelobte EC-Karte ist nicht frei von Gebühren, eben nur nicht für den Kunden, sondern für den Händler. Der muss das dumme Gerät kaufen und von den 40€ die ihr im Laden mit EC bezahlt gehen einige Prozente an den Anbieter des EC Systems. Machen vergleichbare Firmen nicht anders. Jüngstes Beispiel ist Surfpin, die an jeder Transaktion mit ein bis zwei Euros beteiligt sind. Da hilft es wenig nach PayPal zu rufen, denn auch die rechnen euch 30 Cent pro Transaktion ab. Doch damit hört es nicht auf. Auch der Empfänger, also Arenanet, zahlt 30 Cent für die Transaktion und zusätzlich werden 3.5% des Umsatzes einbehalten. Von einer 10€ Microtransaction kommen also nur 9,05€ wirklich bei Arenanet an. Paypal ist zudem keine Bank, selbst wenn sie dem Kunden gegenüber wie eine Bank agiert. In Sachen Rechtssicherheit sind hier einige kritische Fragen weiter offen. Denn sollte PayPal pleite gehen, dürften alle Einlagen futsch sein. Das ist nicht gerade beruhigend aus Herstellersicht. So veraltet die Kreditkarte erscheinen mag, die Firmen welche hinter ihnen stehen sind da schon berechenbarer. Zwar kassieren die auch an beiden Seiten der Transaktion ab, dafür kommt jeder zu seinem Geld.
Selbst der Riese Microsoft bietet lächerliche Zahlungsoptionen
Chinafarmer sind 3.Welt Amateure gegen einheimische Betrügerbanden
Was Betrugssicherheit angeht ist beim Geld ohnehin der Spaß vorbei. Nicht nur im Spiel wird auf Teufel komm raus beschissen. Kürzlich wurde der Kreditkartenbetrug rund um World of Warcraft so schlimm, dass eine britische Bank sich nun komplett weigert Kreditkartengeld an Blizzard zu überweisen. Die Zahl der Betrugsfälle hat sich zu sehr gehäuft und damit zu viele Kosten verursacht. Auch bei Arenanet ist Kreditkartenbetrug ein Thema. Speziell die Goldfarmer und deren Bottingaccounts werden scheinbar immer wieder mit geklauten Kreditkarten eröffnet. Auch hier sind andere Systeme nicht besser. PayPal ist ebenso immer wieder in Phishingattacken verstrickt, regelmäßig werden auch dort Accounts geklaut. Telefonbezahlmethoden sind auch ein Risiko, wenn auch weniger für Kunden und ehrliche Anbieter, sondern mehr für die Telekom. So gibt es Fälle in denen jemand eine 0900-Nummer angemeldet hat um diese mit einer gehackten, selbstaufladenden Telefonkarte anzurufen. Überhaupt sind aufladbare Telefonkarten eine Boombranche des organisierten Verbrechens. Wenn eure Pre-Paid Karte also nicht über SurfPin funktioniert, dann genau deswegen. Telefonzellen sind auch schon gesperrt was 0900er Nummern angeht. Die Problematik mit Hehlerei von Telefonkarten und Auslandsgesprächen bleibt. Schulen verbieten nicht zuletzt deswegen eingeschaltete Handys, weil es den Lehrern zu dumm ist, wenn „Witzbolde“ Mitschülern Jamba-Abos verpassen und sie sich einmischen müssen.
Eine Firma macht jedoch vor wie es geht: Linden Labs! Von ihnen zu lernen, ist wirklich Siegen lernen. Man gibt einfach eine eigene Währung aus. Genannt Linden Dollars kauft man diese in deren Onlineshop. Man kann sich auch Lindendollars wieder zurück in echte Währung tauschen lassen, was die bizarre Geldwirtschaft von SecondLife zur Folge hat. Zwar funktioniert es im Falle von Second Life nur mit Kreditkarte, doch im Prinzip wären auch hier alle konventionellen, langsamen Bezahlmethoden, wie die Überweisung oder der Postscheck, wieder aktuell. Der User legt sich einen Vorrat an, den er halt auf dem Onlineshop-Konto hat. Nur mit dem Unterschied, dass dieses Konto sofort einsatzbereit ist, sobald er den Shop betritt; Sparkasse ftl. Für den Hersteller hat das auch einige Vorteile. Denn alles Geld, welches die User auf ihren Accounts anstauen, liegt erst einmal auf dem Rücklagenkonto des Herstellers und generiert dort munter Zinsen. Kündigt man neuen, attraktiven Content also lange genug vorher an, ist fast davon auszugehen, dass die User Geld dafür auf ihren Konten anstauen. So bekommt der Hersteller nicht nur das Geld der User zum Release, sondern weil sie es vorher bei ihm in virtuelle Währung umtauschen, generiert es auch noch Zinsen. Linden Labs geht einen Schritt weiter und so basieren sämtliche Zahlungsvorgänge im Spiel auf Lindendollars. Somit hat Linden Labs Geld in der Höhe des Gesamtvolumens ihrer virtuellen Wirtschaft auf dem Konto. Das gehört zwar nicht ihnen, aber die Zinsen eben schon und das reicht dicke. Die Wirecard funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Man erstellt einen Account und besitzt dann eine virtuelle Pre-Paid Mastercard. Bei jeder Überweisung von eurem normalem auf das Wirecard-Konto sind 1€ Überweisungsgebühr fällig, zudem generiert euer Geld dort wieder Zinsen für die Bank. Im Gegenzug könnt ihr mit eurem Wirecard Konto überall dort im Internet zahlen, wo Mastercard Kreditkarten akzeptiert werden. Wer Homebanking besitzt muss somit nicht aufstehen, um im Arenanet Onlineshop zu kaufen. Die 25€ Jahresgebühr sind erst fällig, wenn man eine echte Plastikkarte will, um damit auch im afrikanischen Dschungel einzukaufen.
Der echte Dollar Steckt in Lindens Hose; geschickt oder?
Rechnet doch nach was eine Fahrt zum Computermarkt kostet
Auch bei NC-Soft gibt es eine virtuelle Bank, den NC-Coin, wenn auch nur im Zusammenhang mit Exteel. Nicht nur auf Exoten wie Maple Story ist dieses System beschränkt, auch solche Dinge wie die Microsoft-Point Karten sind nichts anderes. Weil man es satt hat, dass andere Anbieter mitverdienen, bietet man den Service gleich selber an. Zumal das Risiko jetzt wieder beim Kunden liegt, sofern man mit schmutzigen Tricks arbeiten will. Wird das eingezahlte Geld jedoch sauber in der Bilanz verbucht, quasi als Anleihe vom Kunden, so bekommt er es im Katastrophenfall wieder. Irgendwer verdient halt immer mit, egal welchen Vertriebsweg Arenanet geht. Im Onlineshop lauern die Kreditkartenfirmen, PayPal und andere Methoden. Zudem beschweren sich hier die User über zusätzliche Kosten, aber keine Angst bei zukünftigen Produkten wird zumindest nach außen der Preis gleich sein. Arenanet hat aber auch nicht immer Lust sich von 5€ Kuchenstück unendlich viel abjagen zu lassen, irgendwann wird dann eben draufgepackt. Lieber verdient man an Kreditkartenkunden mehr, als sich ständig zu erklären warum Methode X teurer erscheint. Im klassischen Vertriebsmodell verdienen auch andere Firmen mit die an der Leistung ebenso wenig beteiligt waren. Nicht zuletzt die Großmärkte wollen hier Geld sehen. Wer sich also wundert warum große Warenhäuser in der Nähe von Busbahnhöfen und somit in der Nähe der Wanderrouten von Schülermassen 5-10€ auf den Preis schlagen, bekommt den Bundesnaivitätspreis in Gold am Band. Beim Kauf im Laden rechnet aber komischerweise niemand im Forum vor wie viel Benzin er dafür verfahren hat, oder was ihn das Busticket gekostet hat. Achso, das war eine Schülermontaskarte für umsonst, na das ist doch mal gelebter Sozialstaat.
Im Microtransaktionszirkus der Zukunft lautet also die Frage, wie man möglichst viele Mitverdiener ausschaltet, um den Geldfluss zu erhöhen. Was Methoden angeht, bei denen das Geld sofort den Besitzer wechselt, wird das sehr schwer sein. Entweder der Kunde, oder der Hersteller werden deren Kosten spüren und beide Seiten sind in etwa Heulnoobs von ähnlichen Dimensionen, wenn auch auf verschiedenem sprachlichem Niveau. Da will so schnell auch keiner nachgeben. Nicht einmal die Überweisung ist umsonst, denn spätestens wenn Arenanet das Geld zu sich in die Staaten buchen will, schlägt die gefürchtete Auslandsüberweisungsgebühr zu. Machen sie das nicht, dann muss es jemand für sie hier verwalten was auch Kosten verursacht, ganz zu schweigen von größeren logistischen Problemen. Es hat eben sehr logische Gründe warum es in einer Bank aussieht, wie es in einer Bank eben so aussieht. Die haben nicht umsonst die tollsten Gebäude in allen Städten. Es werden wohl beide Seiten ihren Frieden mit der Tatsache schließen müssen, dass sobald ihr Geld auf die Reise geht, irgendjemand Maut verlangen wird. Gerade wer weltweit operieren will und die maximale Kundenabdeckung sucht, wird einiges zu bewältigen haben. Es ist halt doch nicht jeder von uns eine Spontankäufer-Bikinibraut die aus dem Stringtanga noch irgendwo eine Visakarte herauszieht.
Wer ist bei dieser Werbung die Zielgruppe und trägt die auch Badeanzug?
Über erhöhte Kosten bei der Telefonmethode braucht man sich nicht zu beschweren. Diese Faulheit seitens der Community lässt sich der Anbieter eben bezahlen, sie ist sein Geschäft. Doch seitdem der Onlineshop zum ersten Mal im Mittelpunkt des Flames war, hat sich viel getan. Gerade die Wirecard hat Deutschland erreicht und ist für den Konsumenten eine recht unkomplizierte Pre-Paid Kreditkarte, die „nur“ 1€ pro Überweisung auf das Wirecard Konto verlangt. Überweisungen von Wirecard an Arenanet sind dann wieder kostenlos. Bereits jetzt wird die Wirecard vom Onlineshop akzeptiert, weil er Master Card akzeptiert, das ist quasi das gleiche Produkt, in grün wie man so schön sagt. Also Zufälle gibt es….