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State of the Game #44: Der Widerspruch
Autor: 4thVariety, letztes Update: 23.03.2012 |
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Meine erste Reaktion als ich geleakte Bilder des Cash-Shops sah war, "klar, und Energietränke sind auch wieder im Spiel". Aber dann erschien der Blog-Eintrag es beschlich mich, aber nicht das Gefühl, dass Mike O'Brien neben Arijen Robben spielen sollte. Etwas seltsames passierte im Text. Klar, Guild Wars 2 ist nicht fertig und es ist das ausdrückliche Ziel dieser Beta den Onlieshop auf Kurs zu bringen. Trotzdem war da...
State of the Game #44: Der Widerspruch
Statement 1a: Man bekommt ein vollständiges und spielbares Spiel, unabhängig von allem.
Statement 1b: Ihnen (den Spielern) sollte es möglich sein, Geld für Account-Dienste und zeitsparende Bequemlichkeitsitems auszugeben.
Nennt mich einen Retro-Spacko, aber ist es nicht eine Eigenschaft eines vollständigen Spiel, dass es bequem ist? Was passiert, wenn mir im Spiel eine Unbequemlichkeit begegnet? Wer frühere Blogposts von ArenaNet kennt, hat vielleicht ein paar Worte über die Anti-Grind Philosophie aufgeschnappt. Trotzdem sind wir an dem Punkt, wo Zeitersparnis verkauft wird, was bedeutet, dass die Zeitverschwendung in GW2 höchst fidel ist. Es gibt ein Wort für unbequeme, zeitverschwenderische Aufgaben: Grind. Gleiches lässt sich über die Account-Dienste sagen. Darf sich ein Spiel komplett nennen, wenn es Dienste und Features dem Itemshop vorbehält? Oder wenn man keine Farbe findet, sondern die Chance eine Farbe zu kaufen? Mit so einer bitteren Pille vergeht einem irgendwie die Lust am Entdecken von Gegenständen. Free2Play Spiele mögen vielleicht auch so sein, aber dann wiederum zahlt man für die nicht auch noch die Schachtel; außer bei GW2.
Statement 2a: Es ist nicht in Ordnung, wenn Spieler, die Geld ausgeben, einen unfairen Vorteil gegenüber Spielern besitzen, die Zeit investieren.
Statement 2b: Die Spieler besitzen gleiche Bedingungen, ob sie diese nun durch ihre freie Zeit oder durch Geld erlangt haben..
Es ist also nicht in Ordnung, wenn man sich mit Geld einen Vorteil erkauft, aber es ist gleichzeitig beabsichtigt, dass man mit Geld Nachteile ausgleicht. Was ist aus der Idee geworden, dass man mit seinem Player-Skill antritt? Seit wann ist das Guild Wars nicht mehr gut genug? Was passiert, wenn ein Spieler weder Zeit noch Geld aufwenden möchte? Der ist dann automatisch im Nachteil, sowohl gegenüber den Zeitspielern, als auch denen, die das mit Geld ausgleichen
Statement 3a: Der Kunde muss entscheiden, wieviel Geld er nach Erscheinen des Spiels dafür ausgibt, basierend darauf, wie unwiderstehlich unser Content ist.
Statement 3b: Microtransaktionen waren ein nachträglicher Einfall in GW1, in GW2 hingegen hatten wir die Möglichkeit, das Microtransaktionssystem von Grund auf in das Spiel zu integrieren, was Spielern mehr Optionen und mehr Bequemlichkeit offeriert, ohne unsere Designprinzipien zu opfern.
“Compelling” kann neben unwiderstehlich auch erzwingen bedeuten, also wer erzwingt hier was? Sind es wirklich die Entwickler, die es mir neuem Content unmöglich machen, etwas nicht zu kaufen? Was ich sehe sind eher Features, die man als Wegwerfitems konzipiert hat und die sich ohne Einsatz von Mühe noch in vier Jahren verkaufen lassen, z.B der Bankier. Oder ist es das Spiel mit unnöigen Zeitanforderungen und Unbequemlichkeiten, das der Erzwinger ist? Mir erschließt sich auch nicht, warum Microtransaktionen besser in GW2 integriert sein sollen als in GW1. Bereits damals erschien das Spiel mit sechs Klassen, aber nur vier Charakterslots. Der Shop war zum Release halt nur nicht fertig geworden. Wenn ArenaNet will, verkaufen sie ab morgen früh Edelsteine auch in GW1. Der Shop kann definitv Inventaritems verkaufen und was ist ein Edelstein, wenn nicht ein Inventaritem? Vielleicht geht es nur mir so, aber die Microtransaktionen aus GW1 haben weitaus weniger Designprinzipien dem Design geopfert. Aber was wissen wir schon wirklich über die Designprinzipien?
Statement 4: In Guild Wars 2 gibt es drei Währungen, Gold, Karma und Edelsteine.
Für Währung gibt es wissenschaftliche Definitionen: Speicherbar, Anerkennbar, Teilbar, Übertragbar. Karma wird schon mal nur von ein paar NPCs anerkannt, von daher ist es nicht mehr eine Währung wie das Erfahrungspunkte, Fertigkeitspunkte, Ruhm und Einfluss sind. Überhaupt hat GW2 jede Woche eine neue “Währung”. Die einzige Einteilung, die man machen kann, ist: handelbar und nicht handelbar. Ist ein Item handelbar, dann hat es einen Wert in Edelsteinen. Warum? Wenn du einer Sache einen Eurowert zuweisen kannst, fängst du doch nicht mit Mickeymaus-Dollar an. Richtwährumg werden die Edelsteine sein.
Statement 5a: Alles im Handelsposten wird gegen Gold getauscht.
Statement 5b: Man kann spielen um Gold zu verdienen oder Edelsteine für Geld kaufen.
Oder anders ausgedrückt, man kann alles im Spiel für echtes Geld kaufen. Für einen Verkäufer stellt sich das so dar: Wenn ich etwas mit einem echten Wert habe, das wären die 100p+Ektos Items, dann wäre ich doch dumm etwas anderes als Edelsteine zu nehmen. Selbst wenn mich das Spiel zwingt, den Handel in Gold zu vollziehen, so richtet sich dieser Preis nach dem aktuellen Tauschkurs von Edelsteinen und nichts anderem. Wenn die Wirtschaft auf diese Basis gestellt wird, wo bleibt dann die Wahl?
Statement 6a: Unser System entzieht das Handeln von Gold den Firmen, die Gold gegen echtes Geld handeln, und übergibt diesen Markt direkt in die Hände der Spieler.
Statement 6b: Je mehr Geld sie durch Goldvekauf erwirtschaften, umsomehr spammen sie Werbung im Spiel, lassen Goldfarmbots laufen und hacken Accounts, um Gold zu stehlen.
Das sind definitiv meine zwei Lieblingsstatements. PR Ignoranz ist Glücksseligkeit +1. Nur weil Spieler also mit Gold handeln, hören böse Menschen auf, Accounts zu hacken? Jetzt, da Spieler echte Geldwerte im Account haben, werden sie erst recht auf Teufel komm raus angreifen. Klaut man eben Edelsteine, verkauft die für Gold und verkauft dann wieder das Gold gegen Geld, Problem gelöst. Wenn ich 10h für 100 Platin spiele, dann werde ich die bestimmt nicht so billig verkaufen wie ein chinesischer Sklavenarbeiter. Ich kann mir ja jederzeit den Tauschkurs ansehen und sagen, „wow, meine 100p sind nur 2€ wert, weil ich gegen einen chinesischen Bot spiele.“ Nach drei Wochenenden hat man spätestens die Lust daran verloren.
Die Spieler wissen, dass die Edelsteine 5€ kosten, sie werden von anderen Spielern die Menge Gold wollen, die ein chinesischer Goldfarmer für 5€ anbietet. Wenn man jedoch 5€ in Edelsteinen kaufen will für sein Gold, schaut man sich die Zeit an, die im persönlichen Goldvorrat steckt und wird dann eine Entscheidung treffen, ob es das wert ist. Sagen wir mal, ein GW2 Spieler will Mindestlohn 5€ die Stunde dann wird er für 5€ in Edelsteinen den Wert anbieten, den er in einer Stunde erwirtschaftet. Ein chinesischen Goldfarmer wird kein Problem haben, die gleiche Menge Gold für 25 Cent zu produzieren und sie dann für 50 Cent zu verkaufen. Gleiches gilt für Botter und Hacker. Mit diesen Herrschaften konkurriert man, also ist die eigene Zeit nur soviel wert wie bei denen. Dein Mindestlohn geht gerade das Klo runter, während Botter, Hacker und Chinesen aufblühen. Aus deren Sicht ist GW2 ein sehr angenehmes ökonomisches Klima, egal ob ein paar Spieler auf der Seite mit Edelsteinen dealen, oder nicht. Schon mal gehört, dass sich ein Drogenbaron aufregt, weil ein paar Leute im Gewächshaus der Eltern eine Haschischpflanze züchten?
Was ist denn das Schlimmste, das den professionellen Goldfarmern passieren kann? Dass die Wirtschaft mit so viel Gold geflutet wird, dass Edelsteine nicht mehr zu erspielen sind? Mit ihrem Goldüberschuss können die Goldfarmer jederzeit den Preis pushen. Man sollte an folgendes denken: Gold unterliegt ständiger Inflation, also werden sogar die Goldfarmer ihre Werte in Edelsteinen speichern. Sobald die Goldfarmer für 5€ mehr Gold an die Spieler geben, als man mit 5€ in Edelsteinen kaufen kann (das ist die Geschichte mit den Spielern, die nicht unter Minimallohn arbeiten), wird der Tauschkurs nicht länger an der Verfügbarkeit von Gold und Edelsteinen hängen, sondern auch an der Verfügbarkeit von Chinafarmern. Sobald die mitbekommen, dass sie den Markt in die Ecke treiben können, indem sie zu einem Mann in der Mitte werden, gibt es die feindliche Übernahme. MMO Veteranen erinnern sich in diesem Zusammenhang vielleicht an Vanguard. Zum Schluss bleibt den Spielern dann nur das Karma, und wenn das alle ist, muss man Edelsteine für Geld kaufen. Mit Gold kommt man dann nicht mehr an Microtransaktionen. Moment, beschreibe ich hier gerade ein Szenario, bei dem ArenaNet direkt davon profitiert, dass es Chinesische Goldfarmer gibt, die mit Inflation und Edelsteinen die Wirtschaft kontrollieren? Ach, die Ironie.
Statement 7a: Wir mögen auch die Handelbarkeit von Edelsteinen und Gold, weil diese den Rest der Spielwirtschaft fesselnder macht.
Statement 7b: MMO Verteranen werden vielleicht die Ähnlichkeit unseres System mit dem PLEX System aus Eve Online feststellen.
Veteranen werden vor allem den Unterschied zwischen einem Spiel mit dem Spitznamen „Kalkulationstabellen im Weltall“, das ein paar zehntausend Spieler hat, und einem Spiel, das hoffentlich ein Millionenpublikum anzieht. Mich fesselt es jedenfalls nicht, wenn ich echtes Geld einer Situation hinzufüge. Besonders, wenn dieses nur die Liquidität steigert und nicht die Übertragbarkeit. Euros und Edelsteine sind austauschbar, wenn auch nur in eine Richtung. Der Tauschkurs ist fix, also ist der Wert von Edelsteinen fix. Aber Edelsteine und Gold sind nicht übertragbar, denn nur eine Seite unterliegt der Inflation. Das macht die Wirtschaft nicht fesselnder, das macht sie furchteinflößend. Beispiel gefällig? Dann muss man sich nur ein Land mit hohen Staatsschulden und hoher Inflation ansehen. Wie wäre es mit Argentinien zwischen 1998 und 2002? Hättet ihr damals denen eure Euros gegeben und ihre Währung dafür entgegengenommen? Aus dem gleichen Grund lohnt es nicht, seine Edelsteine in Gold zu tauschen. Gold, das von Millionen Spielern produziert und unter dem Druck von Bottern und Goldfarmern stöhnt. Es mag einen Namen haben, mit dem man Wert verbindet, das „Gold“. Aber als Währung betrachtet ist es so wertlos wie die DDR Blechmarken aus den 80ern. An dieser Wirtschaft gibt es nichts fesselndes, außer man sieht gerne zu, wie der Geldwert, den man meinte zu haben, langsam den Bach runter geht.
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