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Das Handelsposten - Spiel oder Der Traum vom Gold
Autor: Silmar Alech, letztes Update: 19.08.2014

Als Spekulant Geld anhäufen durch Kaufen und Verkaufen - der Autor nennt es das Handelsposten-Spiel. Es ist ein völlig eigenständiges Spiel im Spiel.

Die Anleitung, wie man es spielt, kommt etwas weiter unten. Wer es nur spielen will, kann bis Aufbau des eigenen Fonds weiterblättern, aber wer es auch verstehen will, sollte zunächst weiterlesen.

Zuerst muss man sich als Spekulant völlig von der Vorstellung lösen, dass die gehandelten Gegenstände irgend eine spielerische Funktion in Guild Wars 2 haben. Für den Rest dieses Textes sind es nur Objekte, die von den Teilnehmern gekauft und verkauft werden.

Es gibt zwei Arten von Teilnehmern: Spekulanten und Arme Säue. [Anmerkung des Autors: Nicht dass ihr das falsch versteht: Wer diese Zeilen liest, ist keine Arme Sau mehr, er oder sie ist ab jetzt ein Spekulant. Das Wissen verändert das Wesen. Es gibt auch arme Spekulanten, aber das passiert nur denjenigen, die zu hoch gepokert haben. Sorgfältig gemacht ist das Ganze eine weitgehend risikolose Angelegenheit.]

Die Spekulanten, zu denen wir uns hier anmaßend zählen werden, verrichten eine ganz simple Tätigkeit: Sie kaufen Gegenstände im Handelsposten billig ein und verkaufen sie gleich wieder zu einem Preis, der höher ist als der 15%ige Abzug, den Verkäufer erleiden, wenn sie Gegenstände im Handelsposten verkaufen. Die Differenz ist ihr Gewinn.

Die armen Säue sind diejenigen Spieler, die Gegenstände sofort einkaufen, und für diesen Sofortkauf einen überteuerten Preis zahlen. Oder sie wollen einen Gegenstand sofort loswerden und verkaufen ihn zu einem zu niedrigen Preis. Spekulanten sind ehemalige arme Säue.

Zu den 15% Abzug: Sie setzen sich aus 5% Gebühren beim Einstellen eines Verkaufsangebotes und 10% Abzug nach erfolgreichem Verkauf zusammen. Nimmt man ein Verkaufsangebot zurück, werden die 5% Gebühren nicht zurückerstattet. Das Einstellen und Zurücknehmen eines Kaufgesuches hingegen ist kostenlos.

Damit man das Handelsposten-Spiel erfolgreich spielen kann, muss man nur wissen, mit welchen Gegenständen man dies tun kann und wie man Kauf- und Verkaufspreise ansetzt.

Klingt einfach und ist es auch fast.

Hier kommt die Webseite GW2spidy zum Einsatz. Es ist eine von der Community programmierte Webseite, die den gesamten Guild Wars 2 Handelsposten alle paar Minuten scannt und alle gerade aktuellen Kauf- und Verkaufsgesuche aufzeichnet. Aus den Daten kann man sich für jeden handelbaren Gegenstand im Spiel eine Chart-Grafik mit der Preisentwicklung seit Release anzeigen lassen. Diese Charts sehen genau so aus, wie die Charts für Aktienkurse, mit dem einzigen Unterschied, dass dort im Titel nicht "Bank of America" steht, sondern "Pile of Paprika".

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die Daten in einem maschinenlesbaren Format (der Autor wird *.csv verwenden) zu bekommen und sie in einem externen Programm (der Autor wird Excel verwenden) zu verarbeiten.

Die grundlegende Idee des hier gezeigten Spielansatzes besteht darin, sich mit den kostengünstigen und häufig gehandelten Gegenständen zu befassen. Dort besteht die höchste Wahrscheinlichkeit, dass man bestellte Gegenstände rasch erhält und angebotene Gegenstände rasch los wird. Nicht sofort, aber rasch.

Es besteht nicht die Gefahr, teuer angebotene Ladenhüter ums Verrecken nicht loszuwerden. Außerdem ist die Preisentwicklung über die Charts von gw2spidy und durch das hohe Handelsvolumen in gewissen Grenzen vorhersehbar.

Die Gegenstände, die obige Kriterien erfüllen, sind fast ausschließlich Handwerksmaterialien und Kochzutaten. Diese Gegenstände erfreuen sich eines regen Umsatzes, dadurch dass sie beim normalen Spielen von Guild Wars 2 ständig generiert und auch wieder vernichtet werden. Es besteht also permanent Angebot und Nachfrage außerhalb des Handelsposten-Spiels, d.h. es gibt eine große Menge von armen Säuen, die zu teuer kaufen und zu niedrig verkaufen.

Mit dem *.csv Export werden wir uns die häufig gehandelten Gegenstände herausfiltern, mögliche Gewinn-Margen berechnen, und das Ganze nach diesen Margen sortieren. Die Preishistorie der darüber gefundenen Gegenstände schauen wir uns auf gw2spidy genauer an und finden heraus, ob es geeignete Objekte sind. Geeignete Objekte nehmen wir in die Watchlist auf gw2spidy auf - eine nützliche Lesezeichenfunktionalität, die der Handelsposten im Spiel leider nicht hat.

Wir werden anhand der Charts feststellen, dass die Preisentwicklung keineswegs gradlinig verläuft. Es ist nicht so, dass Preise tagelang nur steigen oder fallen. Es ist auch nicht so, dass nur zu bestimmten Ereignissen (z.B. Spielupdate, Änderung von Dropraten, täglicher/Monatswechsel und damit verbundener neuer täglicher/monatlicher Erfolg) Ausschläge zu verzeichnen sind.

Es ist vielmehr so, dass selbst im Verlauf eines Tages die Preise sehr stark variieren können. Zum einen findet ein Auf und Ab im Tages- und Nachtrhythmus der großen europäischen und amerikanischen Spielergruppen statt und zum anderen beeinflussen die Massen an Spekulanten die Preise ebenfalls, da sie alle ähnliche Verfahren zur Bestimmung geeigneter Objekte und Preise verwenden dürften. Dabei fällt eine Horde von Spekulanten über einen gerade lukrativ zu handelnden Gegenstand her, und dessen Preis macht einen riesigen Sprung. Solche Sprünge, die auch aus anderen Gründen plötzlich auftreten, können wir uns zunutze machen.

 

Aufbau des eigenen Fonds

Bei der folgenden Lektüre wird die grundlegende Bedienung des Handelsposten als bekannt vorausgesetzt. Auch die grundlegende Bedienung zusätzlicher Hilfsmittel. [Anmerkung des Autors: Ich kaue ja vieles vor, aber nicht alles. Eine Anleitung enthebt einen nicht der Notwendigkeit, sein Gehirn einzuschalten.]

Erstmal müssen wir herausfinden, was wir überhaupt handeln wollen. Trotz der ca. 20000 Gegenstände im Handelsposten kein Problem, wenn man sich zu helfen weiß.

Zunächst laden wir uns eine vollständige Übersicht der Preise in eine Tabellenkalkulation. Der Autor verwendet Excel 2010. Wir nehmen die Komplettliste der Gegenstände aus gw2spidy im *.csv Format und lesen sie nach Excel ein.

Geht nach dieser Beschreibung vor, um die *.csv Liste aus gw2spidy in ein Excel-Arbeitsblatt zu importieren, aber verwendet nicht die dort drin angegebene URL, die nur einen Teil der Gegenstände zurückliefert, sondern verwendet stattdessen diesen Link um sämtliche Gegenstände einzulesen. Auch solltet ihr nicht wie in der Beschreibung angegeben uninteressante Spalten löschen, sondern die Daten einfach so lassen, wie sie importiert wurden. Stattdessen blendet uninteressante Spalten aus. Dann passen auch die Spaltenbezeichnungen aus den weiter unten angegebenen Formeln.

Stellt die Datenbereichseigenschaften wie folgt ein:

Nach erfolgreichem Import (es sollten um die 25400 Zeilen importiert worden sein) fügt 3 zusätzliche Spalten namens "net price", "margin" und "%margin" in die Spalten O, P, Q ein. Die Datenzellen in Zeile 2 erhalten die folgenden Formeln:

Spalte O (net price) =J2*0,85
Spalte P (margin) =O2-I2
Spalte Q (%margin) =P2/O2

 

Kopiert die Formeln hinter sämtliche Zeilen, so dass ihr für jeden Gegenstand die entsprechenden Werte erhaltet.

Das sieht dann mit aktiviertem Autofilter in Excel in etwa so aus. (nicht ganz, aber fast - der Autor hat die Preise zusätzlich einer hübschen xxG xxS xxK Formatierung unterworfen. Verwendet folgendes Zahlenformat dafür:)

[>9999] ## "G" ## "S" #0 "K";[>99]## "S" #0 "K";#0 "K"

Jetzt filtern wir die folgenden Spalten:

offer_availability: ist größer als 10000
sale_availability: ist größer als 10000
margin: ist größer als 1

Dann nach margin absteigend sortieren.

Nach erfolgreichem Import, Filtern und Sortieren sollten um die 150 Gegenstände übrig bleiben, die die folgenden Eigenschaften aufweisen:

  • Sie werden mehr als 10000 mal angeboten und angefragt.
  • Ihr Einkaufspreis ist günstiger als ihr Verkaufspreis - selbst nach Abzug der 15% Handelssteuer.

Der Autor hat auch keine Kosten und Mühen gescheut und hier ein Video produziert, in der die beschriebenen Tätigkeiten visualisiert werden (die Gewinne aus dem Handelsposten machten es möglich!). Das im Video hinzugefügte Makro ist in diesem Forum-Beitrag zu finden, mit dem wir die Aktualisierung und das Neueinrichten der Filterung automatisieren können. Um am Folgetag eine aktualisierte Tabelle zu erhalten, rufen wir dann einfach das Makro auf anstatt alles per Hand nochmal einzustellen.

[Anmerkung des Autors: Wer das mit Excel nicht hinbekommt - nun ja, dann müsst ihr euch was eigenes ausdenken. Aber ein Spekulant ohne Excel-Liste ist wie ein Mantafahrer ohne Fuchsschwanz. Seid froh, dass ich euch mit PowerPoint verschone.]

Je nach Tageszeit, zu der man diesen Import durchführt, wird man andere Gegenstände erhalten, denn nicht immer ist ein direkter Gewinn möglich.

Diese Liste ist unsere Ausgangsbasis. Wir ignorieren Event-Gegenstände vergangener Events, da deren Preisentwicklung völlig anders ist. Außerdem sind Gegenstände, die teurer als 3 oder 4 Silber sind, nicht so gut geeignet, da man hohe Summen investieren muss und das Risiko sich zu verkalkulieren deutlich erhöht ist.

Jetzt ins Spiel. Es empfiehlt sich, während des Handelsposten-Spiels in Guild Wars 2 die Text-Sprache auf englisch zu stellen, da in gw2spidy nur die englischen Gegenstandsbeschreibungen zur Verfügung stehen.

 

 

Startkapital und Plattform

Zu Beginn unserer rein spekulativen Tätigkeit wählen wir einen ungeliebten Charakter aus, der nur noch zum Handeln verwendet wird. Sein Inventar - das kann sehr klein sein - wird nur die gehandelten Gegenstände zwischenlagern, und seine Geldbörse wird nur fürs Handeln verwendet. Er wird in einen Handelsposten in einer der Städte platziert und bewegt sich keinen Millimeter von dort weg.

Wir heben für ihn von unserer Bank einen festen Betrag ab, den wir verzocken können. Fürs erste 10 Gold. Wir schreiben diesen Betrag mental ab, jetzt gleich. Von diesem Zeitpunkt an ist er bereits verzockt, merkt euch das. Das entkrampft und nimmt die Furcht vor Verlusten.

Mit keinem anderen Charakter nehmen wir Handelsposten-Gewinne und -Gegenstände entgegen. Für die ersten Tage verkaufen wir auch keinerlei andere Gegenstände im Handelsposten.

Mit diesen Restriktionen stellen wir sicher, dass das zum Zocken verwendete Kapital nur auf diesem Charakter vorhanden ist und wir können das Geld nachzählen, um genau festzustellen, welchen Gewinn (oder Verlust) wir nach einigen Tagen eingefahren haben.

[Anmerkung des Autors: Ich habe mit 10 Gold angefangen. Als ich 2 Tage später bei 12 Gold war, war ich mir sicher: quod numquam, das ganze funktioniert. Ich habe also auf 50 Gold aus meinem in 6 Monaten im PvE hart erspielten Geld aufgestockt. Wie viel zur Zeit daraus geworden sind, weiß ich nicht genau. Beim ersten Kassensturz ein paar Tage danach waren es jedenfalls 70 Gold. Etwa eine Woche danach knapp 100. Weiter zähle ich nicht mehr, denn es ist zu mühsam. Das ganze Kapital steckt in Kaufgesuchen und müsste mühsam zusammengerechnet werden. Da ich aber bislang noch nie Verlust gemacht habe, muss es mehr geworden sein.]

 


Der Einkauf

Wir arbeiten die herausgefilterten Gegenstände aus der Tabellenkalkulation von oben nach unten ab:

Erst mal in gw2spidy suchen und der dortigen Watchlist hinzufügen. Dann den Chart mit der Preisentwicklung anschauen und die Minima der Kaufgesuche ins Auge fassen.

Beispiel: Totem

 

Welcher Minimalpreis könnte wohl innerhalb der nächsten 24 Stunden auftreten? Im Spiel denselben Gegenstand aufrufen und vergleichen: Welcher Kaufgesuche-Preis ist zur Zeit aktuell? Wo sind Blöcke von 1000+ Kaufgesuchen für einen Preis, die man in aller Regel nicht erfolgreich unterbieten kann? Daraus einen realistischen Kaufpreis ermitteln. Dieser Gegenstand hat öfter Minima - die werden wohl auch in Zukunft wieder auftreten, aber angesichts steigender Preise wohl nicht unter 86 Kupfer.

Im Spiel sieht es so aus:

 

Also entscheiden wir uns fürs Erste mal ganz vorsichtig für 86 Kupfer. Da war im Chart ein Minimum, das sich wiederholt hat. Eigentlich könnte man anhand der Preisliste aus dem Spiel auch auf 84 runter, aber der Chart gibt das nicht zwingend her, denn die Preise scheinen eher zu steigen als zu fallen, und damit auch die Minima.

Diesen Preis von 86 Kupfer teilen wir durch 0.85, runden auf und erhalten den Minimalpreis, zu dem man diesen Gegenstand wieder verkaufen muss, um keinen Verlust zu machen: 102 Kupfer. Was wir darüber hinaus erzielen, wäre Gewinn.

Deshalb jetzt im Spiel einen Blick auf die Verkaufspreise werfen. Könnten wir aufgrund der Chartentwicklung für diesen Preis oder darüber verkaufen? 10 Kupfer höher ist ein ganz passables Kursziel, da ist noch Luft, falls der Preis sinkt. Wenn es deutlich weniger als 10 Kupfer höher sind, dann vergesst diesen Gegenstand und geht in der Tabelle zum nächsten. Das Totem liegt fantastisch, der Verkaufspreis geht über 120.

Also wenn das alles passt, bestellen wir 50 Stück zum ermittelten Kaufgesuch-Preis. Fürs erste nur 50 Stück. Wenn wir sicherer geworden sind, können wir immer noch auf 100, später auf einen Stack hochgehen. Aber nicht gleich gierig werden. Gier frisst Hirn.

Der realistische Kaufpreis liegt je nach Chartentwicklung und aktuellem Kaufgesuch-Preis zwischen dem aktuellen Kaufgesuch-Preis und 1-20 Kupfer darunter. Es gibt Ausnahmen, denn bestimmte Gegenstände haben sehr starke Preisschwankungen (siehe auch das Kapitel "Unerklärbare Minima")

Bei diesen Gegenständen kann man bei der Preisvorstellung durchaus deutlich niedriger gehen, es kann dann aber auch manchmal einige Tage dauern, bis die Bestellung bedient wird.

Wir arbeiten so lange die Liste ab, bis unser Start-Budget von 10 Gold aufgebraucht ist. Es steckt jetzt in den Kaufgesuchen und kann dort zur Not verlustfrei wieder herausgeholt werden. Erst wenn die Kaufgesuche bedient wurden und unser Inventar Gegenstände enthält, ist Handlungsbedarf gegeben, damit man die erhaltenen Gegenstände zu einem höheren Preis wieder los wird. Wartet man mit Gegenständen im Inventar zu lange, könnte der Verkaufspreis zu sehr gesunken sein.

Einfach einmal ein paar Einkäufe unter dem niedrigsten Preis probieren. Geduld haben. Ihr werdet überrascht sein, dass die meisten bestellten Teile morgen oder übermorgen tatsächlich abgeholt werden können.

 

Der Verkauf

Am nächsten Tag holen wir die eingekauften Teile ab. Wenn nichts da ist, haben wir die Preise zu niedrig angesetzt, aber das macht nichts. Schließlich kostet das Bestellen kein Geld. Entweder wir warten einen weiteren Tag, oder wir bestellen was anderes. Beim "was anderes bestellen" gegebenenfalls alte Bestellung(en) entfernen und dieselben Dinge zum neuen Preis bestellen oder andere Sachen bestellen. Dazu nehmen wir die gestern gefüllte Watchlist aus gw2spidy oder starten die Tabellenkalkulation und aktualisieren das Tabellenblatt mit den Daten von heute. Letztere Option ist für den Anfang die deutlich bessere, denn Gegenstände, die bislang unattraktiv waren und weggefiltert wurden, könnten heute der Renner sein.

Nun erinnern wir uns, für wie viel wir unsere Teile gekauft haben. Entweder wir haben es uns aufgeschrieben, oder wir schauen in der Kaufhistorie im Spiel nach:


Diesen Preis, z.B. beim Totem 86 Kupfer, teilen wir durch 0.85, addieren 1 hinzu, und erhalten den minimalen Preis, zu dem wir verkaufen wollen. In diesem Fall 102 Kupfer oder 1.02 Silber. Nun den Chart dazu in gw2spidy aufrufen. Wie ist dort die Preisentwicklung der Verkaufspreise? Welcher Preis ist in den nächsten Stunden zu erwarten?

Wie man sieht, haben wir die 86 Kupfer wohl dem letzten Minimum von kurz nach 12:00 Uhr zu verdanken. Und die Preise scheinen wieder zu sinken, jedenfalls aber nicht zu steigen.

Jetzt im Handelsposten so tun, als ob man mehr von diesen Teilen einkaufen möchte. Das zeigt die aktuelle Angebotsstruktur:

Eigentlich könnte man für 130 Kupfer verkaufen, 1 billiger als der große Batzen von 1293+2184 Stück bei 130 und 131, aber angesichts des aktuellen Preises und des Charts entscheiden wir uns für einen Verkaufspreis von 128, nicht höher: Der Chart lässt vermuten, dass der Totem-Preis seinen Höhepunkt vor 1-2 Tagen hatte und jetzt möglicherweise nicht weiter steigt. Lieber zum aktuellen Preis verkaufen. Tun wir das.

So findet man also heraus, welches die aktuelle Struktur der Verkaufspreise sind. Im Großen und Ganzen möchten wir so schnell wie möglich verkaufen, denn wenn wir zu hohe Preise ansetzen, dann sitzen wir bei sinkenden Preisen auf unserem Angebot, und das ist schlecht: Wir bezahlen schließlich 5% des angebotenen Preises an Gebühren, und wenn wir das Angebot zurücknehmen und zu einem niedrigeren Preis anbieten müssen, bedeutet das in aller Regel nicht nur keinen Gewinn, sondern vielmehr einen Verlust. Deshalb lieber nicht zu hoch pokern. Für den Anfang jedenfalls nicht. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Also schauen: Wie viele Teile werden zu den niedrigsten Verkaufsangeboten angeboten? Sind die bald wegverkauft, oder ist das ein riesen Batzen von 1000 Stück? Was sagte der Chart zur möglichen Preisentwicklung? Was sind die zu erwartenden Maxima der Verkaufspreise? In der Gegend kann man sich orientieren. Bei einem riesigen Batzen von 1000+ eines anderen Spekulanten setzen wir uns gegebenenfalls davor, indem wir für einen Kupfer billiger anbieten.

[Anmerkung des Autors: Ja, wir sind gemein und drücken damit die Preise. Asche auf mein Haupt. Aber lieber ich bekomme es für 1 Kupfer weniger los, als es ein anderer für 1 Kupfer mehr los wird und ich gar nicht, weil der Preis schon wieder gesunken ist. Wie schon angedeutet, ich verkaufe lieber zu eher niedrigen Verkaufspreisen oder nur maßvoll darüber. Zu schnell kann der Preis dauerhaft unter den eigenen Verkaufspreis sinken. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass ein Maximum vom vorangegangenen Tag heute wieder erreicht wird. Lieber ein wenig niedriger kalkulieren.]

Das war es für heute, morgen holen wir das Geld ab. Und so wird nach und nach verkauft:

[Anmerkung des Autors: Ich habe, wie man sieht, in Wirklichkeit für nur 127 verkauft - das vorherige Bild mit den 128 wurde erst später aufgenommen, da war der Preis bereits 1 Kupfer höher. 1 Kupfer, den ich verschenkt habe, weil ich nicht noch länger gewartet habe. Man stelle sich hier überall eine 128 vor, dann stimmts wieder. Am Ende ergab diese eine Transaktion einen Gewinn von 250*(127*0.85-86)=5487 Kupfer oder 54.87 Silber]

Jetzt kann die Runde von neuem beginnen. Mit dem abgeholten Geld bestellen wir neue Gegenstände, sei es von der Watchlist, die wir bei gw2spidy aufgebaut haben, sei es aus dem aktualisierten Blatt aus der Tabellenkalkulation. In der ersten Zeit ist die Tabellenkalkulation auf jeden Fall besser, denn es werden mehr passende Gegenstände erscheinen. Nicht jeder Gegenstand ist jeden Tag attraktiv.

 

Ladenhüter

Wir müssen einmal pro Sitzung auch unsere alten Bestellungen und Verkaufsangebote durchgehen, die bisher nicht bedient worden sind. Dazu rufen wir im Spiel zuerst die Liste unserer offenen Bestellungen auf und klicken auf jeden Eintrag, um die aktuelle Preisstruktur für das jeweilige Teil anzuzeigen.

Wie ist der aktuelle Preis? Sind die Preise seit Bestellung so stark gestiegen, dass unsere Bestellung bis zum Sankt Nimmerleinstag liegen wird? Solche Bestellungen entfernen wir, damit wir das Geld für aktuelle Bestellungen nutzen können.

Bei den Verkaufsangeboten ist Vorsicht geboten. Wenn wir hier etwas entfernen, erhalten wir die 5% Gebühr nicht mehr zurück, die wir beim Abgeben des Verkaufsangebotes bezahlt haben. Wir sollten nicht ein zweites Mal zum Zurücknehmen des Verkaufsangebotes gezwungen sein. Wie sieht der langfristige Chart in gw2spidy aus? Könnte der Preis in den nächsten Wochen doch wieder steigen? Wenn ja, dann liegen lassen.

Aber wenn nein, dann entfernen wir das Angebot, bevor der aktuelle Preis allzu sehr sinkt. Den ursprünglichen Kaufpreis im Hinterkopf behaltend sollten wir einen neuen realistischen Verkaufspreis festlegen, mit dem wir den Ladenhüter unter nicht allzu hohen Verlusten los werden können.

 

Tägliche und wöchentliche Preisschwankungen

Die Preise schwanken im Tageszeit- und Wochenrhythmus. Am Wochenende sind sie tendenziell höher, werktags sind sie tendenziell niedriger. Tagsüber sind sie tendenziell niedriger, abends zur Primetime tendenziell höher.

Wer Sonntag Abend Gegenstände zu einem dort aktuellen Preis bestellt, wird sie schnell erhalten, aber er darf sich nicht wundern, wenn er sie den Rest der Woche für den Preis plus Gewinnmarge nicht mehr los wird.

Wenn wir abends Gegenstände bestellen, sollten wir bedenken, dass sie nicht direkt noch an diesem Abend hereinkommen müssen - sie werden erst über den nächsten Tag verteilt hereinkommen, so dass wir sie am Abend bei unserer nächsten Sitzung in Ruhe verkaufen können.

 

Unerklärbare Minima

Diverse Gegenstände haben gänzlich unerklärbare Minima in ihren Einkaufspreisen. Schaut her:

Am 10. März kurz nach 12 Uhr ist der Preis ganz kurzzeitig praktisch ins Bodenlose gefallen.

Bei dem Gegenstand saß ich zufälligerweise direkt davor, als es passierte. Ich habe zugeschaut und staunend gesehen, wie der Einkaufspreis innerhalb weniger Minuten lawinenartig fiel. Ich habe 6 Stacks für 1 Silber je Stück eingekauft. Und ich habe Stacks pro Transaktion bekommen, keine einzelnen Stücke. Da hat jemand buchstäblich stackweise seine Teile rausgehauen, zum jeweils niedrigsten Angebotspreis. Ich habe 1500 Teile gekauft - wie viele Leute sonst auch noch? Wie viele Teile wurden insgesamt verkauft, und warum? Wer wirft soviel Geld zum Fenster hinaus?

Ich habe danach etwas nachgedacht. Ich kann mir nur vorstellen, dass hier ein Bot maschinell seine Beute verkauft hat. Eher eine Bot-Farm. Oder ein Account-Plünderer. Hauptsache schnelles Geld - Effizienz egal.

Was das Gewissen angeht, das sich sträubt möglicherweise von Bottern oder Account-Dieben zu profitieren: Nun, wenn ich es nicht gekauft hätte, dann hätte es jemand anderes gekauft. Das liegt an der Mechanik des Spiels. Die Beute ist bereits rein gewaschen, wenn ich sie angeboten bekomme. Sie ist bereits unerkennbar und ununterscheidbar in den großen homogenen Topf des Handelsposten-Systems geworfen worden. Es gibt unidentifizierbar viele potentielle und reale Käufer. Der unbestechliche Handelsposten ist ohne mein Zutun als Hehler aufgetreten. Er, der vom Spiel einzig vorgesehene Vermittler, der Monopolist, hat mir Ware zu einem Preis angeboten, und ich habe Ware zu einem Preis gekauft. Zu exakt denselben Regeln, die auch für alle anderen Spieler gelten. Wenn nicht ich, dann hätte eben Karl Napp von nebenan die Ware gekauft. Dann doch lieber ich.

(Wenn ich Arenanet wäre, würde ich solche Massenverkäufe unterbinden, die mit massivem Preisverfall verbunden sind und sie der Bot-Erkennung zuführen. Sofern sie tatsächlich auf Bots zurückzuführen sind. Hallo, Arenanet!)

Diese Situationen treten regelmäßig für mehrere Arten von Materialien auf und sind eine außerordentlich gute Einnahmequelle für alle Spekulanten.

Ich jedenfalls habe für 2 Silber pro Stück wieder verkauft. 1500 Teile. 13 Gold Profit bei 30 Minuten Aufwand. Man muss natürlich warten können, bis sich der Preis erholt - ein paar Stunden später ist es eigentlich immer soweit.

 

 

Spielverderber

Es gibt auch eine Reihe von Spielverderbern, die einem das Handelsposten-Spiel vermiesen. Bei jeder Sache, egal wie perfekt sie ist, gibt es irgendein Ärgernis. Bei Morrowind waren es die Cliff Racer, im Handelsposten sind es die Leute, die kein Preisbewusstsein haben:

  • Leute, die nicht zum höchsten Preis verkaufen
  • Leute, die nicht zum niedrigsten Angebot anbieten

Meistens wissen es diese Leute überhaupt nicht, was sie in der Gemütsverfassung ernsthafter Spekulanten anrichten [manisches Gelächter aus dem Hintergrund].

Du bietest einen Stack Material für 1.52 pro Teil an und schaust gerade zu, wie sich der Preis von 1.50 langsam bis zu deinem Angebot hochschraubt, da bietet jemand 50 Teile für 1.20 an. Arghh! Nicht mal 1.49, sondern gleich 30 Kupfer weniger. Wieso? Und dann bietet jemand für 1.19 an. Und danach 1.18. Dein Angebot wird erst mal für längere Zeit herumliegen.

Habt Mitleid mit dem Verkäufer. Es ist eine arme Sau (wir erinnern uns an die Einleitung mit den Beteiligten dieses Spiels: es sind Spekulanten auf der einen Seite und arme Säue auf der anderen). Er weiß nicht, dass sein Angebot auch für 1.50 gekauft worden wäre, denn sonst wäre er ja ein potentieller Spekulant. Er verzichtet auf 50*30 = 15 Silber, nur dafür, dass er glaubt, dass er sein Geld 5 Minuten früher bekommt. Es dauert aber auch so 5 Minuten, aber das weiß er nicht, denn er hat es nie probiert.

Besonders witzig (oder ärgerlich, je nach individuellem Standpunkt) ist es auch, wenn selbst Spekulanten nicht lesen können. Du hast gerade die Goldmine ohnegleichen gefunden: Einkaufspreis 1.30, Verkaufspreis 2.60. Da kann man kaufen und direkt wieder verkaufen. Stackweise wenn man Glück hat. Das hält manchmal für eine Stunde.

Du kaufst dich also dumm und dusslig, schraubst dabei den Einkaufspreis auf 1.50 hoch, da bietet jemand 250 Teile für 1.60 an. 250 Stück, das kann nur ein Mit-Spekulant sein. Arghh! Kann er nicht lesen? Für 2.60 muss er anbieten! Nicht 1.60!

Schon kommt der nächste Spekulant und bietet seinen Stack für 1.59 an. Blindes stop-loss ist das, um wenigstens das zu retten, was man noch auf Lager hat. Oder einfach nur blind. Auf Wiedersehen Gewinn von 1 Silber, willkommen Gewinn von 7 Kupfer. Bei einem Stack wären das 2.5 Gold gewesen. Jetzt sind es nur noch 17 Silber. Wenn überhaupt. Oft sinkt der Preis jetzt für unbestimmte Zeit bis auf den Einkaufspreis.

Dasselbe läuft mit dem niedrigsten Angebotspreis. Gerade hast du auf dem Chart gesehen, dass der Einkaufspreis ein Minimum erreicht hat. Jetzt bei 68 Kupferzuschlagen! So langsam füllt sich dein Stack für 68, aber auf einmal sehen deine entzündeten Augen: ein Kaufgesuch auf 85 für 100 Stück. Und sogleich eines auf 86. Dann auf 87.

Wieso können sie nicht bei 69 weitermachen? Dann könnte man es ja noch verkaufen, aber bei 87 gibt’s keinen Gewinn mehr. Der Rest deines Kaufgesuchs bleibt für den Rest der Woche liegen. Super.

Wieder eine arme Sau, die es nicht erwarten konnte, ihre begehrten Teile 5 Minuten früher zu erhalten, obwohl sie es nicht wirklich 5 Minuten früher erhält. Aber 100*(85-68) Kupfer = 17 Silber zu viel hat er dafür ausgegeben - für nichts. Es ist eben eine arme Sau.

Shit happens. Das Ganze soll ja interessant bleiben. Der Autor hat diese Sünden früher selbstverständlich auch begangen und ist mit Sicherheit daran schuld, dass ganze psychiatrische Kliniken mit  ehemaligen Handelsposten-Spielern belegt sind, die nur noch Dinge wie "Wieso hat er gleich für 20 Kupfer höher angeboten? Wieso nur? Wieso?" vor sich hin brabbeln können.

 

Fazit

Wenn man mal sonst nichts zu tun hat, vielleicht eine Viertelstunde zwischen Frühstück und zur Arbeit/Studium/Schule fahren, ist das Handelsposten-Spiel eine nette Sache, denn es erfordert nur wenige Minuten am Stück Aufmerksamkeit. Der Rest ist Warten, bis die Bestellungen von armen Säuen bedient worden sind.

So wie das oben beschrieben ist, ist es weitgehend risikolos. Wer sich bei Gegenständen mit Preisen von bis zu 2 Silber bewegt und nicht mehr als 1 Stack pro Gegenstand handelt, wird bei einer Fehleinschätzung nur wenig Verlust machen. Der Gewinn hingegen ist stetig und zuverlässig. Nicht atemberaubend hoch, aber stetig. Auch 1 Kupfer Gewinn pro Teil ist bei einem Stack von 250 Teilen ein Gewinn von 2.50 Silber - das ist allerdings die Notlösung. 10 Kupfer sollten es pro Teil schon mindestens sein, darunter lohnt es den Aufwand nicht so sehr.

Auch ist die Strategie so angelegt, dass wir Verkaufsangebote nur verhältnismäßig kurz offen haben. Das bedeutet, wir müssen nicht jeden Tag am Ball bleiben, sondern können bei einer Spielpause von mehreren Tagen oder wenn wir einfach keine Lust mehr haben als Spekulant die Leute auszubeuten, einfach kostenfrei unsere Kaufgesuche entfernen und haben uns damit ganz ohne Verlustpotential aus dem Handelsposten zurückgezogen.

 

Schlussbemerkung:

Wer aufschreit und beklagt, dass nach diesem Artikel Horden neuer Spekulanten das Handelsposten fluten werden und ihnen ihre Profit zunichte machen werden, dem sei gesagt: Bitte beleidigt nicht meine Intelligenz. In diesem Artikel steht nur Offensichtliches und öffentlich Zugängliches. Der Rest ist ein wenig Nachdenken und Kombinieren für die Preisbildung. Mehr braucht man nicht. There is no silver bullet.

Es benötigt kein ausserhalb dieses Artikels geheimgehaltenes Spezialwissen über die gehandelten Gegenstände. Ihr müsst nicht vorhersehen können, ob Preise eurer Gegenstände demnächst steigen oder fallen werden. Die gw2spidy Charts sind alles, was man wissen muss. Einfach nur die Charts anschauen, zu den niedrigsten Minima bestellen und zu den (fast) höchsten Maxima anbieten. Erinnert euch an die einleitenden Worte: Löst euch von der Vorstellung, dass die gehandelten Gegenstände irgendeine spielerische Funktion erfüllen.

Ich hoffe, dass ich dem einen oder anderen Nicht-Spekulanten einen Einblick darin geben konnte, welche Taktiken man zur Preisbildung beim Verkaufen gefarmter Gegenstände anwenden sollte, und beim Kaufen von Gegenständen für das Handwerk. Leute, lasst euch euer Geld nicht so leicht aus der Tasche ziehen.

***

Änderungs-Historie:

19.08.2014 - Spalten des Excel-Sheets aktualisiert: in gw2spidy ist eine Spalte weggefallen. Das dazugehörige Anleitungsvideo ebenfalls neu erstellt und neu verlinkt.

04.04.2013 - Klarstellung einiger ungenauer Formulierungen; Bilder neu formatiert; Bedingte Formatierung als xx G xx S xx K hinzugefügt.

17.04.2013 - erweiterte Beschreibung beim *.csv Import

01.05.2013 - Link auf Video und Makro bei der Erstellung des Excel Arbeitsblattes hinzugefügt.













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