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Lee Lome
22.10.2006, 09:06
VIII. Buch des Kompendiums der Sphären


Prolog



...während der nächsten hundert Jahre blühten die Königreiche der Menschen auf und innerhalb der Nationen entstanden mächtige Gruppen, die Gilden genannt wurden.
Doch auch diese Zeit des Friedens sollte nicht lange andauern. Der Vulkan in Kryta brach aus, die Blutsteine wurden herausgeschleudert und verteilten sich in ganz Tyria. Deren Magie sickerte in die umliegenden Länder und ihr Einfluss reichte aus, um die Herzen der Menschen zu vergiften und den Wunsch nach Macht auflodern zu lassen. Erneut trat Krieg an die Stelle des Friedens, doch diesmal kämpften die Menschen gegen- und nicht miteinander. Die Gilden der drei einflussreichsten Königreiche Ascalon, Kryta und Orr stritten, und nicht einmal die Heere ihrer Könige vermochten, ihnen Einhalt zu gebieten. Unter dem Einfluss der vier lecken Blutsteine tobten die Gildenkriege jahrzehntelang und forderten zahlreiche Opfer... (Auszug aus dem Buch der Welten - Tyria)



Das Jahr 163 nach dem Exodus
Das Jahr 97 des sorilianischen Königreiches
Das Jahr 38 der Gildenkriege


Immer wenn Prinz Dremmat Sor in letzter Zeit die Gemächer seines Vaters betrat, hatte er diesen bestimmten Geschmack auf seiner Zunge.
Er liebte seinen Vater, für das was sein Volk in ihrem Herrscher sah.
Doch der Anblick des durch die nekromantischen Rituale verfallen Mannes versetzte ihm einen Stich.
Einst schaute er zu einem Mann von beeindruckender Stärke auf, in dessen Augen ein Feuer brannte das Gerechtigkeit verhieß und dessen ungestüme Art seine Weisheit beinah überspielte.
Jetzt schaute er nur noch herab - auf...einen Schatten.
„Du hast mich rufen lassen Vater?“ fragte der Prinz als er an das Bett trat.
Er vermied es den Mann anzuschauen der gerade dabei war das Zimmer zu verlassen. Nicht Furcht hielt ihn davon ab, sondern Abscheu.
Der Atem des verwelkten Mannes kam nur mit einem rasselndem Geräusch an seiner Kehle vorbei.
Dremmat schob einen Stuhl an das Kopfteil des Bettes und setzte sich.
„Verachte ihn nicht mein Sohn – er hat mir und dem Reich gut gedient..“ ein Husten unterbrach ihn „...und dir wird er auch ein wertvoller Verbündeter sein“.
„...ein Verbündeter..“ Dremmat wollte dieses Wort nicht für jemanden verwenden, der seine Macht eingesetzt hat, um seinen Vater in diese armselige Kreatur zu verwandeln.
Der Gründer des sorilianischen Reiches hatte mehr Zeit auf dieser Welt verbracht als für ihn vorgesehen war – viel mehr.
Er verzog das Gesicht, schüttelte den Kopf und legte seine Hand in die seines Vaters.
„..deine letzten Stunden sollen nicht von Sorge geprägt sein. Dein Reich wird noch 1000Jahre nach mir bestehen - wir sehen uns in der Halle wieder und werden zusammen auf deine und meine Enkel warten.“
König Kertal Sor brachte ein Lächeln auf seine runzligen Lippen..
„Ja ich weiss, vergib einem alten Narren seine Ängste.“ zum Fenster hin blickend „Ich freue mich darauf deine Mutter wiederzusehen mein Sohn...“
Und er war fort.
Ein Schwarm Vögel zog am Fenster vorbei und ließ flackernde Schatten in das Zimmer fallen.




Gerade war die Jahreszeit des Phönix angebrochen und die Mittagssonne vermochte schon die Djerialsee zu erwärmen.
Die Bewohner der Torread-halbinsel hatten bislang von den Gildenkriegen nur durch Handelsreisende oder Flüchtlinge gehört. Tatsächlich verirrte sich selten ein Fremder über den zerklüfteten Grat des Tallongebirges, vorbei an den Wehranlagen und schliesslich in die zweitgrösste Stadt - Kar'ahn. Die größte Stadt Kar'agoon war eigentlich eine Festung und lag als Hafen fast an der Spitze der Landzunge
Die beiden Städte verband der Maruhandelsweg, der an weiten grünen Weideland vorüberführte, und stehts begleitete ihn das blaue Band des Caitlin – mal links, mal rechts. Es gab auch einige größere Dörfer auf Torread, aber alles in allem war es ein kleines Reich, dass gut daran tat den Gildenkriegen aus dem Weg zu gehen.


Für König Kertal Sor war die Sicherheit seines Volkes immer oberstes Gebot, und das erreichte er mit dem Bau der Mauer im Tallongebirge und der Burg, die nicht nur sein zu Hause war, sondern zu gleich jedem Schutz gewähren sollte den es danach verlangt.
Außerdem konnte er 4 Magier überzeugen sich in seinem Reich niederzulassen, welche später den Torreadzirkel gründeten. Allein der Ruf dieses Zirkels hielt schon so manche Banditenbande ab, ihr Augenmerk auf dieses friedliche Land zu heften.

Einer davon -Lord Odran, ein begabter Arkanist- verschrieb sich völlig dem Studium alter Schriften und der Verbesserung seiner Kunst und sollte später mit Portalen zu zweifelhaftem Ruhm gelangen.
Tarom Jil und Hemjo Gul unterrichteten (für ausgesprochen gute Entlohnung) selbst die unbegabtesten Kaufmannskinder. Tarom Jil's Gebiet -die Heilung- ergänzte sich exzellent mit der Fachrichtung Hemjo Gul's. Der drohte zwar ungehörigen Lehrlingen häufig mit einem Feuersturm, doch war es stets Hemjo dem Tarom nach einem solchen Wutausbruch die Hand auflegen musste.

Und dann war da Kalam Avrin.
Er verbrachte nur selten Zeit mit seinen Kollegen, denn seine Neigungen machten häufiges Verreisen erforderlich, da er in dem kleinen Land nicht unbemerkt „Material“ für seine Forschungen beschaffen konnte. Er war ein Nekromant.
In dieser Funktion gewährte ihm der König einen großen Spielraum was Experimente anbelangte – nur seine Bürger sollte Kalam Avrin nicht behelligen.
Also ging er dafür häufig über den Tallonpass. Versteckte Banditen die in der Gründungszeit des sorlianischen Reiches die Nachschublieferungen überfielen, die alle den beschwerlichen Weg über das Gebirge nehmen mussten, wurden bald viel weniger.

Ab dem Jahre 76nE spürte der König deutlich, dass er nicht mehr jung war und die Zeit ihm davon eilte.
Sein Land war noch im Aufbau und er fühlte sich nicht mehr in der Lage, die Errichtung der Städte und ganz besonders der Mauer persönlich zu beaufsichtigen, und so wendete er sich an Kalam Avrin.
Der versprach, sobald die Mauer erbaut und mit genügend Soldaten zum Schutze der Menschen bemannt sei, würde er sich gründlich mit dieser Herausforderung befassen – dem Verlängern einer Lebensspanne.
Fortan war er noch seltener gesehen...er ließ Bücher aus ganz Tyria zusammen tragen , um einen Weg zu finden, Anspruch auf eine bestimmte Lebenskraft zu erheben...
Auch eine Abschrift des Buchs der Welt war darunter...

..es heißt, dass die Nebel alle Dinge berühren, dass sie nichts und alles zugleich und der Ursprung allen Lebens sind. Gut und Böse, Materie und Wissen, alles kommt von ihnen und fließt in ihnen wieder zusammen. Inmitten der Nebel befindet sich eine Stelle, an der die Zeit weder Vorwärts noch rückwärts fließt... (Auszug aus dem Buch der Welten)


...da hatte er seine Antwort. Er fragte sich nicht, ob sein Patron die, seiner Meinung nach, gerechte Sache gutheißt oder nicht. Aber das war noch nicht einmal sein größter Fehler.
Mit dem erlangtem Wissen, hoffte er einen Weg in die Sphäre Grenths zu öffnen, und ohne auch nur daran zu denken irgend jemanden um Erlaubnis zu fragen - tat er das dann auch...


Kapitel 1 – Durch die Hand eines Gottes



Dremmat zog die Kordel am Kopfende des Bettes um die Bediensteten zu rufen.
Erwartungsgemäß musste er nicht lang warten bis die Riege versammelt war. Er überließ ihnen das Zimmer mit dem Leichnam seines Vaters und machte sich auf den Weg zur Kapelle. Die bunten Wandteppiche kamen ihm irgendwie nicht mehr vertraut vor – fremd. Als wäre das Konzept 'bunt' an sich ein Fehler im Plan des Kosmos.
Meine Gedanken schweifen ab...ich habe jetzt ein Volk zu führen, meinen letzten Verwandten unter die Erde zu bringen und einen Nekromanten zu...wo ist der eigentlich geblieben – sollte mir dieser Bastard nicht die Stiefel lecken? - Bleib bei der Sache...
Eine Hand legte sich schwer auf seine rechte Schulter. Er verspürte plötzlich eine Art Hochgefühl. Sein Herz fing an zu jubelieren – Stärke durchströmte ihn in Wellen, ausgehend von der schweren Hand. Er riss sich los.
„Mach so etwas nie wieder – ich warne dich Kalam. Mein Vater brauchte diese Art von Beistand, und zu sehen was das aus ihm gemacht hat, brach mir das Herz. Was er bewahren wollte war....“er brach ab. Sein Gegenüber setzte zu einer Erwiderung an, doch Dremmat schnitt ihm das Wort ab.
„...ihr werdet zur Mauer gehen – euer Dienst hier ist beendet!“
Der neue König hatte mit Beteuerungen gerechnet, mit Rechtfertigungen oder gar Betteleien.
Statt dessen kam nur ein „Wie ihr wünscht – mein König“ in eigenartigem Ton.
Er kneift die Augen zu Schlitzen zusammen.
War das Trauer? Wagt es diese von Eifer zerfressene machthungrige Ausgeburt der Hölle mir Betroffenheit vor zu heucheln?
Wut brandete in ihm hoch und wäre auch ausgebrochen, wenn nicht in seinem Innern eine Stimme so hart aufgelacht hätte. Tränen schossen ihm in die Augen, er dreht sich um und setzte seinen Weg durch die große Halle fort.
Genau wegen diesem kindischen Gezänck in mir, hat Vater es erst für nötig gehalten mit dem Nekromanten so weit zu gehen. Er hielt mich selbst vorhin nicht für bereit seinen Platz auf dem Thron zu bekleiden. Und er hat recht...beim Vermummten.
Die Kapelle muss warten - brauche was zu trinken...

Nera
23.10.2006, 09:55
Da sich anscheinend niemand traut hier den Anfang zu machen werde ich mal etwas schreiben... ich finde die Geschichte bisher sehr gelungen, sie liest sich gut und ist sehr interessant! Ich freue mich schon darauf, weiterlesen zu können und bin gespannt, wie Lome in die Geschichte kommt, denn bisher ist von ihr ja noch nichts zu sehen. Also, wie bereits ingame gesagt: WEITER SO!! :thumb:

Auf bald, Nera.

Lee Lome
23.10.2006, 14:15
aah danke schön nera - ich dacht schon es wäre etwas schwer zu begreifen :vibes:
dann werd ich mal so weiter machen, oder hat sonst noch jemand konstuktive kritik? :thumb:

DPFreeck
23.10.2006, 15:38
Schöne Geschichte Gefällt mir auch wenn die Hauptfigur noch nciht erschienen ist :)
Mach weiter so :thumb:

DujekEinarm
20.06.2007, 17:16
Also ich hatte lange keine Lust/Zeit daran zu wirken. Nun gehts wieder ein Stück weiter. Die Zeichensetzung ist noch nicht fertig, auch werde ich wohl den letzten Teil nochmal überdenken. :D

Gruss

Lea Katja
04.07.2007, 12:43
Hallo Lee
ich bin faszinierd, gibt es eine Fortsetzung?