Darkhunter
08.12.2006, 15:45
Es ist kalt. Im Lagerfeuer ist nur noch ein wenig Glut. Ich bin froh diese Nacht endlich mal ein bisschen geschlafen zu haben. Ich schau mich um, diese Ruhe ja fast schon Totenstille lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken gleiten. Die Nebelschwaden welche über dem Waldboden liegen lassen keinen Gedanken über den gestrigen Abend frei. Doch als ich mir die Augen reibe, werde ich leider wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich schau in meine Hände und sehe die Narben des gestrigen Kampfes. Überhastet springe ich auf und renne zu dem großen ausgewurzelten Baum. Es ist wahr, da liegt sie, die Leiche des weißen Mantel Spähers mit welchem ich mir gestern einen blutigen Kampf geliefert habe. Langsam ziehe ich die drei Pfeile aus seinem Oberkörper, knie mich hin und durchsuche den Leichnam. Bis auf lumpige 124 Goldmünzen kann ich aber nichts Brauchbares finden. Gesenkten Hauptes richte ich mich auf und versuche mit meinen Füßen ein paar Blätter über die Leiche zu scharren. Auf einmal höre ich ein trübes krächzen. „Joe? Joe? Wo bist du?“ Mein Herz fängt an zu rasen, sollte mein langjähriger treuer Tiergefährte noch leben? Stundenlang, bis tief in die Nacht hinein hatte ich gestern nach ihm gesucht und letztendlich vergebens abgebrochen. Und nachdem ich mir immer wieder die Bilder vor Augen hielt, wie die Klinge des Spähers seine Beine streifte, seine Brust durchbohrte und er blutend mit einer Tiefen Wunde davon hinkte, hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben ihn jemals lebend wieder zu sehen. Flux schnappe ich mir meinen Bogen und den Köcher mit Pfeilen um den leisen Krächzen im immer dichter werdenden Nebel zu folgen. Äste schlagen mir ist Gesicht, wie blind nur vom Krächzen meines Tiergefährten geleitet irre ich durchs Dickicht. Plötzlich totenstille, denn da liegt er. Wenn ein Schnabel lächeln kann, dann war es genau in diesem Moment. Ich hocke mich hin und streife behutsam durch das Gefieder von Joe. Einst ein kleiner Schreiter, ist er doch an meiner Seite zu einem großen begeisterten Moa herangewachsen. Scheinbar sehr erfreut mich zu sehen muss ich leider feststellen, dass er in den letzten Atemzügen liegt. Wahrlich mitgenommen, halte ich Joe in meinen Armen bis letztlich sein Brustkorb aufhört sich zu bewegen. Schweren Herzens lege ich ein Feuer und verbrenne meinen toten Tiergefährten, denn ich könne niemals mit dem Gedanken leben, dass irgendwelche Würmer und Maden sich an meinem Joe bereichern. Ich beschließe die kommende Nacht noch meinen Tiergefährten die letzte Ehre zu erweisen und mache mich am nächsten Morgen auf um Richtung Osten zu gehen…
Im Kloster des Mondes ist ruhe eingekehrt. Der junge Mönch Aron sitzt am Brunnen und meditiert. Mit den Händen auf den Knien liegend versucht er die Gunst der Götter zu Kanalisieren um seinem Ziel, einer der mächtigsten Heiler zu werden, näher zu kommen. Die Sonne verschwindet langsam hinter den schneebedeckten Bergen, welche das tiefe Abendrot widerspiegeln. Ein Scharm von Zugvögeln fliegt über das Kloster. Dies ist aber auch schon das Einzige was in die sinnliche Ruhe ein wenig Abwechslung bringt. Seitdem das letzte Semester abgeschlossen ist und die meisten Novizen das Kloster verlassen haben ist jenes fast leer und somit ein Zufluchtsort für die wenigen wahren Mönche. Auch Meister Torben, der Lehrmeister von Aron und vielen anderen Mönchen ist derzeit im Kloster anwesend. Bis auf Aron sind am Abend aber alle Mönche in der Kantina, denn Mönche wissen nicht nur wie man die tiefsten Wunden heilen, den größten Schaden lindern und Gegner mit grausamer Pein in die Flucht schlagen kann, sondern sie wissen auch wie man mit tyrianischen Wein ausgiebig feiern kann.
Nach stundenlangen meditieren beschließt Aron jetzt auch in die Kanina zu gehen. Dort angekommen sieht er wie die Mönche an einen großen runden Tisch sitzen und sich eine Geschichte von Meister Torben anhören.
„Es war einmal vor langer langer Zeit ein Kleines Mädchen. Ihr Name war Gwendoline. Sie spielte oft auf der großen Weide vor ihrer Heimatstadt und sammelte Liebend gern rote Blumen. Dabei trällerte sie immer auf ihrer kleinen Flöte liebliche Melodien. Doch der Schein trügt, man sagt ihr nach sie könnte Feuersäulen hervorrufen und Ganze Städte in Schutt und Asche legen…“
Aron hörte sich die Geschichte eine Weile an und verabschiedete sich vorzeitig von der Runde. Schließlich habe er Morgen seinen Großen Tag nachdem sich sein Leben grundsätzlich verändern würde…
„Diese verfluchten Naga.“
„Och, Saya. Wenn ich dich so sehe, kann ich nur zu gut nachvollziehen warum uns viele Leute nicht gerade lieb haben.“
„A-Aber Mama.“
„Komm her mein Kind, setz dich zu mir und lerne!“
Die kleine Saya geht zu ihrer Mutter und setzt sich neben sie auf den großen Stein. Sie kann nicht wirklich nachvollziehen warum ihr Angriff auf das Naga Nest so dermaßen Schiefgelaufen ist.
„Weißt du Saya, du darfst nie vergessen, dass du keine schwere Plattenrüstung trägst und kein 2 Meter hohes Schild vor deinem Körper hälst. Du bist im Sternzeichen der Assassine geboren. Du bist ein lautloser Killer, der sich sein Ziel genaustens aussuchen muss, um es dann mit tödlichen Fertigkeitsfolgen zu eliminieren. Du kannst nicht einfach frontal in eine Nagahorde Preschen und denken, dass du alle Gegner besiegst ehe du nur einen Kratzer davon trägst. Du bist mächtig. Du bist ein exzellenter Einzelkämpfer, aber mit deiner jetzigen Erfahrung solltest du niemals mehr als ein oder zwei Naga auf einmal angreifen.“
Saya senkt ihren Kopf und zuckt mit ihren Schultern. Sie muss sich aber eingestehen, dass sie es das nächste Mal vielleicht doch auf eine andere Art und Weise versuchen muss.
„Weißt du mein Kind, ich glaube es ist an der Zeit, dass ich dir ein paar neue Tricks beibringe.“
„Ehrlich Mama?“
„Ja mein Kind. Heute sollst du lernen wie man sich an einen Gegner ranschleicht, ihn mit Reflexartigen Schattenschritten überrascht und dann eiskalt in die ewigen Jagdgründe schickt. Und vor allem sollst du lernen, einzuschätzen wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist um zu flüchten.“
„Flüchten klingt einfach, ich nehme einfach meine Beine in die Hand und lauf schnell davon.“
„Nein Saya, auch flüchten will gelernt sein. Was nützt es dir wenn du davon rennst und dir die Gegner folgen? Du könntest dadurch andere Gefolgsmänner in Gefahr bringen oder sogar von einen mächtigen Zauber niedergestreckt werden. Was bringt es dir, wenn du davonrennst und dann im Dreck liegst mit einen vergifteten Pfeil in deiner Schulter?“
„Aua“
„Genau! Nicht nur Aua, so was würde in den meisten fällen tödlich enden.“
„Hmm, ich glaub ich muss noch sehr viel Lernen, Mama.“
„Ja mein Kind, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass du dich eines Tages voll und ganz mit deinen Fertigkeiten als Assassine identifizieren kannst.“
Somit stehen die beiden auf und wirbeln mit ein paar merkwürdigen Hand- und Fußschlägen durch die Luft. Wenn man kein Mann vom Fach ist, könnte man fast meinen sie tanzen…
Endlich habe ich den Waldrand erreicht. Nach tagelangem Marschieren durch das Unterholz bin ich bei den großen Ebenen von Lion-Rock angekommen. Ich muss unbedingt einen Kaufmann aufsuchen. Mit der jetzigen Ausrüstung werde ich wohl nicht weit vorankommen. Leider habe ich aber nur die 124 Goldmünzen von dem Weiße Mantel Späher und ein paar Geisterholzbretter welche ich im Wald gefunden habe. Gegen die paar Kröten und lumpigen Bretter werd ich nicht mal ein Jägerbier eintauschen können. Geschweige denn Farben für meine Wunschrüstung, welche ich mir auch noch zulegen muss. Einen guten Bogen brauch ich auch noch, irgendein Statussymbol wäre geil. Ich hab mal von Bögen gehört welche himmlische Kräfte haben sollen. Ohm man, wies soll ich mir das nur leisten können?
Naja, Not macht erfinderisch. Da man hier nur ein paar Blumen pflücken kann, muss ich eben auf die Jagt gehen. Es ist gut das ich alleine unterwegs bin, sonnst müsst ich vielleicht noch die gefundene Beute teilen, dass wärs noch.
In weiter Ferne sehe ich ein paar Skale. Hmm, nicht gerade berauschend, aber irgendwo muss ich ja Anfangen. Somit zieh ich ein paar Pfeile aus meinen Köcher und tauche die Spitzen in ein kleines Glas indem sich das Gift von Sandvipern befindet. Mit diesen vergifteten Pfeilen sollte es ein leichtes sein die Skale um die Ecke zu bringen. Ich schieße drei Pfeile ab, auf jeden Skal erstmal einen, damit sie vergiftet sind. Wow, die halten ja gar nichts aus. Ich lauf zu den Skalen und weide ihre Kadaver aus. Hmm, 5 Schuppen ok, und 35 Gold? Wo zum Geier hat ein Skal Gold her? Gehen die abends in ihre Stammkneipe und betreiben illegales Glücksspiel? Dinge gibt’s…
Da die Ausbeute von den Skalen nicht gerade üppig ausgefallen ist, muss ich mir irgendetwas Lukrativeres einfallen lassen. Ich habe mal von Minions in der Wüste gehört welche viel einbringen würden, aber dafür jetzt Tagelang in die Wüste reisen? Nee, hier muss es doch auch gute Beute geben.
Huch was ist das? Da vorne auf der Wiese läuft ein großes graues dickes etwas rum. Als ich mich näher ranpirsche kann ich sehen wie dieses Geschöpf eine riesige Keule in der Hand hält. Mit seinen gebückten Gang sieht das Viech irgendwie plumpig aus. Aber es ist groß, da muss ich wohl etwas bedachter vorgehen.
So schieße ich erst aus weiter Entfernung einen Pfeil genau in sein linkes Knie, ich glaube zumindest des es ein Knie hat, es humpelt jetzt auf jeden Fall sehr langsam, und nutze dann gleich noch einen vergifteten Pfeil. Ich sehe wie sich langsam das Leben dieser Kreatur dem Ende neigt. Doch was ist das? Es nutzt irgendein Siegel. Was zu Teufel? Warum geht es jetzt dieser Kreatur wieder besser? Ich schieße noch ein paar Pfeile ab. Gleiches Spiel. Doch als dieses graue Etwas wieder das Siegel nutzt ziele ich genau darauf und schieße ihm das Siegel aus der Hand. Letzten Endes ist die Kreatur endlich tot. Ich mach mich auf und durchsuche den Leichnam. Beim genaueren hinsehen bemerke ich, dass dieses Wesen ein goldglänzendes Fell hat. Der ist bestimmt was Wert! Somit ziehe ich ihm das Fell über die Ohren und beschieße noch mehr solche Gegner zu suchen.
Nach Stundenlangen ja sogar Tagelangen töten von diesen Monstern muss ich feststellen, dass ich wahrscheinlich deren Schatzkammer leer geräumt habe, denn irgendwie kann ich nichts brauchbares mehr finden. Da mein Rucksack jetzt aber immer schwerer wird, glaube ich, es ist an der Zeit endlich einen Händler aufzusuchen um zu sehen wie erfolgreich ich meine Beute in Gold verwandeln kann. Diesen Ort muss ich mir aber merken, vielleicht kann ich ja in ein paar Wochen noch mal wiederkommen, um zu sehen ob sich die Schatzkammer dieser Ettins, wie ich sie einfach mal getauft habe wieder gefüllt hat.
Somit mache ich mich auf nach Lion-Rock…
6 Uhr Morgens. Sie Sonnenstrahlen welche durch das kleine Mauerloch fallen kitzeln an Arons Nase. Er streckt sich und springt auf. Heute ist es soweit, heute wird Aron endlich seinen ersten Elitezauber bekommen. Es klopft an der Tür und Aron öffnet diese. Vor ihm steht ein Geschöpf in einen langen braunen Mantel, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Eine tiefe Stimme bittet Aron, dass er folgen sollte. Ohne auch nur ein Wort erwidern zu können, dreht sich die Gestalt um und geht den langen Flur hinaus. Aron zieht noch schnell seinen verzauberten Wanderstock unterm Bett hervor und folgt dann unauffällig dem Wesen in den braunen Mantel. Es ist ruhig, fast zu ruhig. Wo sind all die anderen Mönche geblieben. Aron wundert sich war, denkt sich aber, dass dies alles nur mit der heutigen Prüfung zusammenhängen kann. Im Klosterhof angekommen staunt Aron nicht schlecht. Wo ist die Sonne? Er wurde doch erst vor ein paar Minuten von ihr geweckt. Dunkle Wolken ziehen über den Himmel und ein frischer Wind weht Aron ins Gesicht. Die Gestalt, der Aron folgen sollte steht in der Klosterpforte und blickt Aron an. `Nun werdet ihr eurer wahren Bestimmung zugeführt werter Herr Aron´. Was? Was ist das nur für eine merkwürdige Prüfung der ich unterzogen werden soll? Fragt sich Aron. Er hat schon von vielen Prüfungen gehört etwa, dass man gegen Jemanden kämpfen muss der einen gleicht wie sein Spiegelbild, oder das man Essenzen von Himmlischen wesen sammeln soll, aber was soll das hier nun werden? Aron ist sehr gespannt was sich Meister Torben nun wieder ausgedacht hat.
Auf einmal kommt hinter dem Klosterzaun eine Person in einer hellen Rüstung zum Vorschein. Aron erkennt sie sofort, aber was hat ein Weißer Mantel Offizier hier zu suchen?
Das Wesen in dem braunen Mantel erzählt Aron dass er dem Weißen Mantel Offizier folgen solle, dieser wird ihn zu seiner wahren Bestimmung bringen. Aron ist verstutzt folgt aber wie befohlen dem Offizier.
Ihr Weg führt aus den Bergen in Richtung Küste. Aron fragt gespannt den Offizier wo die Reise denn hingehen würde doch dieser antwortet nicht darauf. Wie er auch auf alle anderen Fragen von Aron nicht geantwortet hat.
Mittlerweile ist es schon Abend, 12 Stunden sind die zwei jetzt schon marschiert ohne auch nur ein Wort miteinander zu reden.
An einen großen Sandstrand bleibt der Offizier plötzlich stehen. Hebt seinen Arm und streckt ihn weisend in Richtung Wasser aus. Jetzt ist es endlich soweit, freut sich Aron. Er läuft ein paar Schritte weiter und dreht sich noch mal um. Wo ist der Offizier hin? Aron steht wie angewurzelt da und überlegt was er nun machen solle. Er geht nervös weiter und sieht in der Ferne einen Riesigen Knochendrachen mit einer hell schimmernden blauen Aura…
Wusch, kling kling, wusch.
Die Naga kriechen auf einen Haufen und sehen ihre älteste Seherin tot auf den Boden liegen.
Wusch, kling kling kling, wusch.
Der Naga Kireger, welcher als einziger am Eingang des Nestes wache gehalten hat, kriecht gequält zu seinen Kameraden, sackt zu Boden und der Sand um ihn herum färbt sich langsam rot. Die verbleibenden Nagas irren sichtlich verwirrt umher und können gar nicht fassen was da soeben passiert ist.
Die kleine Saya hatte all ihren Mut zusammengefasst und mit dem neu erlangten Wissen das Naganest erneut angegriffen. Wie ihre Mutter ihr geraten hat, ist Saya diesmal taktischer vorgegangen. Sichtlich überrascht wie gut die Kleine ihre Ratschläge umgesetzt hat, stellt sich Sayas Mutter neben sie.
„Sehr gut mein Kind. Du hast den Überraschungseffekt perfekt ausgenutzt. Die verbleibenden vier Naga wirst du aber nicht so leicht ausschalten können. Du wirst jetzt etwas mehr Zeit benötigen, deshalb werde ich dir jetzt eine letzte Lektion erteilen.“
Begeistert schaut Saya ihre Mutter an.
„Kannst du dich an Ryu Cho erinnern wie er immer die Schatten angebetet hat, damit diese seine Haut hart wie Stahl und seinen Geist unempfänglich gegenüber Zaubern macht?“
„JAAA!“
„Dies ist eine sehr mächtige Verzauberung die einem Assassinen fast unverwundbar machen kann. Um diese bestmöglich auszunutzen musst du lange üben und einen hohen Preis dafür Zahlen, denn wenn du diese Verzauberung nicht mehr aufrechterhalten kannst bist du dem Tode sehr nahe. Da du die Schattenkräfte noch nicht maximieren kannst werde ich dich nun mit dieser Verzauberung belegen, nutzte dein Kampfwissen und erledige dann die Naga.“
Sayas Mutter murmeln ein paar Worte und augenblicklich befindet sich Saya von Schattengeistern umgeben.
„Greif jetzt an!“
Gesagt getan. Saya stürmt zu den Nagas und tötet eine nach den anderen. Jetzt lebt nur noch der letzte Nagabogenschütze. Saya wetzt ihre Dolche und sticht auf den Schützen ein. Er fängt an zu Bluten. Plötzlich verschwinden die Geister. Dem Tode nahe schießt der Nagabogner einen letzten Pfeil ab bevor er tot zu Boden fällt.
Saya springt vor Freude in die Luft, und ruft: „Mama, Mama, ich hab es geschafft…“
Saya dreht sich zu ihrer Mutter um sieht diese auf dem Boden liegen. Sie rennt zu ihr und sieht einen Pfeil im Brustkorb ihrer Mutter stecken.
„Mama.“
Totenstille.
Mit Tränen in den Augen muss die kleine Saya feststellen, dass sie nur noch einen leblosen Körper in ihren Händen hält. Der Pfeil hatte ihre Mutter getroffen nachdem Sie die Verzauberung auf Saya nicht mehr länger aufrechterhalten konnte.
Verschwommenen Blickes sieht Saya auf einmal Naga auf sich zustürmen. Hastig wischt sie sich die Tränen aus den Augen und schaut sich um. Aus allen Richtungen kommen Nagas auf sie zu. Alle Fluchtwege sind abgeschlossen bis auf das Wasser. An der Küste sieht Saya ein kleines Fischerboot. Sie prescht zu dem Boot, springt hinauf, greift in die Ruder und entfernt sich langsam von der Küste. Ein paar Pfeile landen neben ihr im Wasser. Die Naga haben sich an dem Ufer versammelt und schießen vereinzelt mit ihren Langbögen auf das kleine Fischerboot. Als sie endlich außerhalb der Reichweite der Nagaschützen ist, spannt sie die Segel des kleinen Fischerbootes und treibt hinaus auf den weiten Ozean…
Das Gold in meinen Rucksack drückt mir aufs Kreuz. Ich hätte nie gedacht, dass ich so einen guten Handel machen kann. Aus dem einen goldenen Ettinfell habe ich eine überlegene Lebensrune bergen können. So viel Gold habe ich noch nie auf einen Haufen gesehen wie ich dafür von dem Händler bekommen habe. Die neue Rüstung muss erst noch ein bisschen eingetragen werden. Aber mein neuer magischer Flachbogen ist mir jetzt schon ans Herz gewachsen. Ich brauche für diesen Bogen keine Pfeile mehr. Ich war zwar immer der Meinung das so etwas nie funktionieren kann aber ein Meisterwaldläufer hat mich vom Gegenteil überzeugt.
Plötzlich höre ich ein fürchterliches heulen, wie als ob die Toten in Geisterform wieder auferstehen würden. Verängstigt schaue ich mich um und sehe am Horizont einen riesigen Drachen. Vorsichtig schleiche ich mich an und muss mit erschrecken feststellen, dass dort ein Kampf stattfindet. Ein riesiger Knochendrache kämpft mit einem Mönch. Es sieht nicht gut aus. Der Mönch rennt wie wild umher und versucht die verschiedensten Ausweichmanöver zu starten. Er spricht immer wieder magische Formeln um sich zu heilen, aber ich kann erkennen, dass seine magischen Kräfte langsam schwinden. Auf einmal kommen um den Mönch herum merkwürdige Kreaturen aus dem Boden. Eine schlägt dem Mönch seinen Stab aus der Hand und rennt davon. Die Anderen dagegen fangen auch an mit ihren scharfen Krallen auf den Mönch einzuschlagen. Das kann ich nicht zulassen. Ich springe aus meinen Versteck hervor und Spanne meinen Bogen so, dass ich mehrere Gegner auf einmal angreifen kann. Während ich dies tue spricht der Mönch wieder einen Zauber und ich finde mich in einer Aura göttlicher Kraft wieder. Somit schieße ich meine Pfeile ab und sie hageln wie ein Sperrfeuer auf die kleinen Kreaturen nieder. Es dauert nicht lange und diese Kreaturen fallen wie die Fliegen. Nur der Knochendrache steht immer noch unangekratzt da. Der Mönch schreit zu mir, dass ich meine ganze Feuerkraft auf den Drachen richten soll. Somit greifen wir jetzt zusammen den Drachen an. Doch dieser scheint keinerlei Erschöpfung zu zeigen. Immer und immer wieder heilt sich der Drache auf magische weise und wir werden dagegen immer und immer schwächer. Fast unserem Tode nahe passiert auf einmal etwas Seltsames. Wie der Schatten eines über mir vorbeifliegenden Vogels springt jemand an den Drachen heran und sticht auf ihn ein. Mit dieser geballten Angriffsstärke gelingt es uns den Drachen zu töten. Dieser fällt in den Sand und sein Skelett verschwindet auf magische Weise. Bevor es ganz verschwunden ist, benutzt der Mönch noch einen magischen Gegenstand und scheint den Drachen damit, auf irgendeine mir unbekannte Art, Energie zu entziehen.
„Danke, ich bin Aron ein Mönch vom Kloster des Mondes in den Zittergipfeln.“
„Hallo, ich bin Ben, ein Waldläufer auf Wanderschaft. Und wer bist du kleines Mädchen?“
„Ich, ach das ist eine lange Geschichte. Mein Name ist Saya. Was zu Teufel ist hier eigentlich passiert?“
„Normalerweise sollte ich heute die Prüfung der Weisheit ablegen. Doch dann sind merkwürdige dinge passiert.“
„Seit ihr beide in Ordnung?“
„Jetzt ja, aber eine Dieser Kreaturen hat mir meinen Zauberstab entwendet. Dies war ein magisches Familienerbstück mit unheimlich Starken göttlichen Kräften…“
Im Kloster des Mondes ist ruhe eingekehrt. Der junge Mönch Aron sitzt am Brunnen und meditiert. Mit den Händen auf den Knien liegend versucht er die Gunst der Götter zu Kanalisieren um seinem Ziel, einer der mächtigsten Heiler zu werden, näher zu kommen. Die Sonne verschwindet langsam hinter den schneebedeckten Bergen, welche das tiefe Abendrot widerspiegeln. Ein Scharm von Zugvögeln fliegt über das Kloster. Dies ist aber auch schon das Einzige was in die sinnliche Ruhe ein wenig Abwechslung bringt. Seitdem das letzte Semester abgeschlossen ist und die meisten Novizen das Kloster verlassen haben ist jenes fast leer und somit ein Zufluchtsort für die wenigen wahren Mönche. Auch Meister Torben, der Lehrmeister von Aron und vielen anderen Mönchen ist derzeit im Kloster anwesend. Bis auf Aron sind am Abend aber alle Mönche in der Kantina, denn Mönche wissen nicht nur wie man die tiefsten Wunden heilen, den größten Schaden lindern und Gegner mit grausamer Pein in die Flucht schlagen kann, sondern sie wissen auch wie man mit tyrianischen Wein ausgiebig feiern kann.
Nach stundenlangen meditieren beschließt Aron jetzt auch in die Kanina zu gehen. Dort angekommen sieht er wie die Mönche an einen großen runden Tisch sitzen und sich eine Geschichte von Meister Torben anhören.
„Es war einmal vor langer langer Zeit ein Kleines Mädchen. Ihr Name war Gwendoline. Sie spielte oft auf der großen Weide vor ihrer Heimatstadt und sammelte Liebend gern rote Blumen. Dabei trällerte sie immer auf ihrer kleinen Flöte liebliche Melodien. Doch der Schein trügt, man sagt ihr nach sie könnte Feuersäulen hervorrufen und Ganze Städte in Schutt und Asche legen…“
Aron hörte sich die Geschichte eine Weile an und verabschiedete sich vorzeitig von der Runde. Schließlich habe er Morgen seinen Großen Tag nachdem sich sein Leben grundsätzlich verändern würde…
„Diese verfluchten Naga.“
„Och, Saya. Wenn ich dich so sehe, kann ich nur zu gut nachvollziehen warum uns viele Leute nicht gerade lieb haben.“
„A-Aber Mama.“
„Komm her mein Kind, setz dich zu mir und lerne!“
Die kleine Saya geht zu ihrer Mutter und setzt sich neben sie auf den großen Stein. Sie kann nicht wirklich nachvollziehen warum ihr Angriff auf das Naga Nest so dermaßen Schiefgelaufen ist.
„Weißt du Saya, du darfst nie vergessen, dass du keine schwere Plattenrüstung trägst und kein 2 Meter hohes Schild vor deinem Körper hälst. Du bist im Sternzeichen der Assassine geboren. Du bist ein lautloser Killer, der sich sein Ziel genaustens aussuchen muss, um es dann mit tödlichen Fertigkeitsfolgen zu eliminieren. Du kannst nicht einfach frontal in eine Nagahorde Preschen und denken, dass du alle Gegner besiegst ehe du nur einen Kratzer davon trägst. Du bist mächtig. Du bist ein exzellenter Einzelkämpfer, aber mit deiner jetzigen Erfahrung solltest du niemals mehr als ein oder zwei Naga auf einmal angreifen.“
Saya senkt ihren Kopf und zuckt mit ihren Schultern. Sie muss sich aber eingestehen, dass sie es das nächste Mal vielleicht doch auf eine andere Art und Weise versuchen muss.
„Weißt du mein Kind, ich glaube es ist an der Zeit, dass ich dir ein paar neue Tricks beibringe.“
„Ehrlich Mama?“
„Ja mein Kind. Heute sollst du lernen wie man sich an einen Gegner ranschleicht, ihn mit Reflexartigen Schattenschritten überrascht und dann eiskalt in die ewigen Jagdgründe schickt. Und vor allem sollst du lernen, einzuschätzen wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist um zu flüchten.“
„Flüchten klingt einfach, ich nehme einfach meine Beine in die Hand und lauf schnell davon.“
„Nein Saya, auch flüchten will gelernt sein. Was nützt es dir wenn du davon rennst und dir die Gegner folgen? Du könntest dadurch andere Gefolgsmänner in Gefahr bringen oder sogar von einen mächtigen Zauber niedergestreckt werden. Was bringt es dir, wenn du davonrennst und dann im Dreck liegst mit einen vergifteten Pfeil in deiner Schulter?“
„Aua“
„Genau! Nicht nur Aua, so was würde in den meisten fällen tödlich enden.“
„Hmm, ich glaub ich muss noch sehr viel Lernen, Mama.“
„Ja mein Kind, aber es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass du dich eines Tages voll und ganz mit deinen Fertigkeiten als Assassine identifizieren kannst.“
Somit stehen die beiden auf und wirbeln mit ein paar merkwürdigen Hand- und Fußschlägen durch die Luft. Wenn man kein Mann vom Fach ist, könnte man fast meinen sie tanzen…
Endlich habe ich den Waldrand erreicht. Nach tagelangem Marschieren durch das Unterholz bin ich bei den großen Ebenen von Lion-Rock angekommen. Ich muss unbedingt einen Kaufmann aufsuchen. Mit der jetzigen Ausrüstung werde ich wohl nicht weit vorankommen. Leider habe ich aber nur die 124 Goldmünzen von dem Weiße Mantel Späher und ein paar Geisterholzbretter welche ich im Wald gefunden habe. Gegen die paar Kröten und lumpigen Bretter werd ich nicht mal ein Jägerbier eintauschen können. Geschweige denn Farben für meine Wunschrüstung, welche ich mir auch noch zulegen muss. Einen guten Bogen brauch ich auch noch, irgendein Statussymbol wäre geil. Ich hab mal von Bögen gehört welche himmlische Kräfte haben sollen. Ohm man, wies soll ich mir das nur leisten können?
Naja, Not macht erfinderisch. Da man hier nur ein paar Blumen pflücken kann, muss ich eben auf die Jagt gehen. Es ist gut das ich alleine unterwegs bin, sonnst müsst ich vielleicht noch die gefundene Beute teilen, dass wärs noch.
In weiter Ferne sehe ich ein paar Skale. Hmm, nicht gerade berauschend, aber irgendwo muss ich ja Anfangen. Somit zieh ich ein paar Pfeile aus meinen Köcher und tauche die Spitzen in ein kleines Glas indem sich das Gift von Sandvipern befindet. Mit diesen vergifteten Pfeilen sollte es ein leichtes sein die Skale um die Ecke zu bringen. Ich schieße drei Pfeile ab, auf jeden Skal erstmal einen, damit sie vergiftet sind. Wow, die halten ja gar nichts aus. Ich lauf zu den Skalen und weide ihre Kadaver aus. Hmm, 5 Schuppen ok, und 35 Gold? Wo zum Geier hat ein Skal Gold her? Gehen die abends in ihre Stammkneipe und betreiben illegales Glücksspiel? Dinge gibt’s…
Da die Ausbeute von den Skalen nicht gerade üppig ausgefallen ist, muss ich mir irgendetwas Lukrativeres einfallen lassen. Ich habe mal von Minions in der Wüste gehört welche viel einbringen würden, aber dafür jetzt Tagelang in die Wüste reisen? Nee, hier muss es doch auch gute Beute geben.
Huch was ist das? Da vorne auf der Wiese läuft ein großes graues dickes etwas rum. Als ich mich näher ranpirsche kann ich sehen wie dieses Geschöpf eine riesige Keule in der Hand hält. Mit seinen gebückten Gang sieht das Viech irgendwie plumpig aus. Aber es ist groß, da muss ich wohl etwas bedachter vorgehen.
So schieße ich erst aus weiter Entfernung einen Pfeil genau in sein linkes Knie, ich glaube zumindest des es ein Knie hat, es humpelt jetzt auf jeden Fall sehr langsam, und nutze dann gleich noch einen vergifteten Pfeil. Ich sehe wie sich langsam das Leben dieser Kreatur dem Ende neigt. Doch was ist das? Es nutzt irgendein Siegel. Was zu Teufel? Warum geht es jetzt dieser Kreatur wieder besser? Ich schieße noch ein paar Pfeile ab. Gleiches Spiel. Doch als dieses graue Etwas wieder das Siegel nutzt ziele ich genau darauf und schieße ihm das Siegel aus der Hand. Letzten Endes ist die Kreatur endlich tot. Ich mach mich auf und durchsuche den Leichnam. Beim genaueren hinsehen bemerke ich, dass dieses Wesen ein goldglänzendes Fell hat. Der ist bestimmt was Wert! Somit ziehe ich ihm das Fell über die Ohren und beschieße noch mehr solche Gegner zu suchen.
Nach Stundenlangen ja sogar Tagelangen töten von diesen Monstern muss ich feststellen, dass ich wahrscheinlich deren Schatzkammer leer geräumt habe, denn irgendwie kann ich nichts brauchbares mehr finden. Da mein Rucksack jetzt aber immer schwerer wird, glaube ich, es ist an der Zeit endlich einen Händler aufzusuchen um zu sehen wie erfolgreich ich meine Beute in Gold verwandeln kann. Diesen Ort muss ich mir aber merken, vielleicht kann ich ja in ein paar Wochen noch mal wiederkommen, um zu sehen ob sich die Schatzkammer dieser Ettins, wie ich sie einfach mal getauft habe wieder gefüllt hat.
Somit mache ich mich auf nach Lion-Rock…
6 Uhr Morgens. Sie Sonnenstrahlen welche durch das kleine Mauerloch fallen kitzeln an Arons Nase. Er streckt sich und springt auf. Heute ist es soweit, heute wird Aron endlich seinen ersten Elitezauber bekommen. Es klopft an der Tür und Aron öffnet diese. Vor ihm steht ein Geschöpf in einen langen braunen Mantel, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Eine tiefe Stimme bittet Aron, dass er folgen sollte. Ohne auch nur ein Wort erwidern zu können, dreht sich die Gestalt um und geht den langen Flur hinaus. Aron zieht noch schnell seinen verzauberten Wanderstock unterm Bett hervor und folgt dann unauffällig dem Wesen in den braunen Mantel. Es ist ruhig, fast zu ruhig. Wo sind all die anderen Mönche geblieben. Aron wundert sich war, denkt sich aber, dass dies alles nur mit der heutigen Prüfung zusammenhängen kann. Im Klosterhof angekommen staunt Aron nicht schlecht. Wo ist die Sonne? Er wurde doch erst vor ein paar Minuten von ihr geweckt. Dunkle Wolken ziehen über den Himmel und ein frischer Wind weht Aron ins Gesicht. Die Gestalt, der Aron folgen sollte steht in der Klosterpforte und blickt Aron an. `Nun werdet ihr eurer wahren Bestimmung zugeführt werter Herr Aron´. Was? Was ist das nur für eine merkwürdige Prüfung der ich unterzogen werden soll? Fragt sich Aron. Er hat schon von vielen Prüfungen gehört etwa, dass man gegen Jemanden kämpfen muss der einen gleicht wie sein Spiegelbild, oder das man Essenzen von Himmlischen wesen sammeln soll, aber was soll das hier nun werden? Aron ist sehr gespannt was sich Meister Torben nun wieder ausgedacht hat.
Auf einmal kommt hinter dem Klosterzaun eine Person in einer hellen Rüstung zum Vorschein. Aron erkennt sie sofort, aber was hat ein Weißer Mantel Offizier hier zu suchen?
Das Wesen in dem braunen Mantel erzählt Aron dass er dem Weißen Mantel Offizier folgen solle, dieser wird ihn zu seiner wahren Bestimmung bringen. Aron ist verstutzt folgt aber wie befohlen dem Offizier.
Ihr Weg führt aus den Bergen in Richtung Küste. Aron fragt gespannt den Offizier wo die Reise denn hingehen würde doch dieser antwortet nicht darauf. Wie er auch auf alle anderen Fragen von Aron nicht geantwortet hat.
Mittlerweile ist es schon Abend, 12 Stunden sind die zwei jetzt schon marschiert ohne auch nur ein Wort miteinander zu reden.
An einen großen Sandstrand bleibt der Offizier plötzlich stehen. Hebt seinen Arm und streckt ihn weisend in Richtung Wasser aus. Jetzt ist es endlich soweit, freut sich Aron. Er läuft ein paar Schritte weiter und dreht sich noch mal um. Wo ist der Offizier hin? Aron steht wie angewurzelt da und überlegt was er nun machen solle. Er geht nervös weiter und sieht in der Ferne einen Riesigen Knochendrachen mit einer hell schimmernden blauen Aura…
Wusch, kling kling, wusch.
Die Naga kriechen auf einen Haufen und sehen ihre älteste Seherin tot auf den Boden liegen.
Wusch, kling kling kling, wusch.
Der Naga Kireger, welcher als einziger am Eingang des Nestes wache gehalten hat, kriecht gequält zu seinen Kameraden, sackt zu Boden und der Sand um ihn herum färbt sich langsam rot. Die verbleibenden Nagas irren sichtlich verwirrt umher und können gar nicht fassen was da soeben passiert ist.
Die kleine Saya hatte all ihren Mut zusammengefasst und mit dem neu erlangten Wissen das Naganest erneut angegriffen. Wie ihre Mutter ihr geraten hat, ist Saya diesmal taktischer vorgegangen. Sichtlich überrascht wie gut die Kleine ihre Ratschläge umgesetzt hat, stellt sich Sayas Mutter neben sie.
„Sehr gut mein Kind. Du hast den Überraschungseffekt perfekt ausgenutzt. Die verbleibenden vier Naga wirst du aber nicht so leicht ausschalten können. Du wirst jetzt etwas mehr Zeit benötigen, deshalb werde ich dir jetzt eine letzte Lektion erteilen.“
Begeistert schaut Saya ihre Mutter an.
„Kannst du dich an Ryu Cho erinnern wie er immer die Schatten angebetet hat, damit diese seine Haut hart wie Stahl und seinen Geist unempfänglich gegenüber Zaubern macht?“
„JAAA!“
„Dies ist eine sehr mächtige Verzauberung die einem Assassinen fast unverwundbar machen kann. Um diese bestmöglich auszunutzen musst du lange üben und einen hohen Preis dafür Zahlen, denn wenn du diese Verzauberung nicht mehr aufrechterhalten kannst bist du dem Tode sehr nahe. Da du die Schattenkräfte noch nicht maximieren kannst werde ich dich nun mit dieser Verzauberung belegen, nutzte dein Kampfwissen und erledige dann die Naga.“
Sayas Mutter murmeln ein paar Worte und augenblicklich befindet sich Saya von Schattengeistern umgeben.
„Greif jetzt an!“
Gesagt getan. Saya stürmt zu den Nagas und tötet eine nach den anderen. Jetzt lebt nur noch der letzte Nagabogenschütze. Saya wetzt ihre Dolche und sticht auf den Schützen ein. Er fängt an zu Bluten. Plötzlich verschwinden die Geister. Dem Tode nahe schießt der Nagabogner einen letzten Pfeil ab bevor er tot zu Boden fällt.
Saya springt vor Freude in die Luft, und ruft: „Mama, Mama, ich hab es geschafft…“
Saya dreht sich zu ihrer Mutter um sieht diese auf dem Boden liegen. Sie rennt zu ihr und sieht einen Pfeil im Brustkorb ihrer Mutter stecken.
„Mama.“
Totenstille.
Mit Tränen in den Augen muss die kleine Saya feststellen, dass sie nur noch einen leblosen Körper in ihren Händen hält. Der Pfeil hatte ihre Mutter getroffen nachdem Sie die Verzauberung auf Saya nicht mehr länger aufrechterhalten konnte.
Verschwommenen Blickes sieht Saya auf einmal Naga auf sich zustürmen. Hastig wischt sie sich die Tränen aus den Augen und schaut sich um. Aus allen Richtungen kommen Nagas auf sie zu. Alle Fluchtwege sind abgeschlossen bis auf das Wasser. An der Küste sieht Saya ein kleines Fischerboot. Sie prescht zu dem Boot, springt hinauf, greift in die Ruder und entfernt sich langsam von der Küste. Ein paar Pfeile landen neben ihr im Wasser. Die Naga haben sich an dem Ufer versammelt und schießen vereinzelt mit ihren Langbögen auf das kleine Fischerboot. Als sie endlich außerhalb der Reichweite der Nagaschützen ist, spannt sie die Segel des kleinen Fischerbootes und treibt hinaus auf den weiten Ozean…
Das Gold in meinen Rucksack drückt mir aufs Kreuz. Ich hätte nie gedacht, dass ich so einen guten Handel machen kann. Aus dem einen goldenen Ettinfell habe ich eine überlegene Lebensrune bergen können. So viel Gold habe ich noch nie auf einen Haufen gesehen wie ich dafür von dem Händler bekommen habe. Die neue Rüstung muss erst noch ein bisschen eingetragen werden. Aber mein neuer magischer Flachbogen ist mir jetzt schon ans Herz gewachsen. Ich brauche für diesen Bogen keine Pfeile mehr. Ich war zwar immer der Meinung das so etwas nie funktionieren kann aber ein Meisterwaldläufer hat mich vom Gegenteil überzeugt.
Plötzlich höre ich ein fürchterliches heulen, wie als ob die Toten in Geisterform wieder auferstehen würden. Verängstigt schaue ich mich um und sehe am Horizont einen riesigen Drachen. Vorsichtig schleiche ich mich an und muss mit erschrecken feststellen, dass dort ein Kampf stattfindet. Ein riesiger Knochendrache kämpft mit einem Mönch. Es sieht nicht gut aus. Der Mönch rennt wie wild umher und versucht die verschiedensten Ausweichmanöver zu starten. Er spricht immer wieder magische Formeln um sich zu heilen, aber ich kann erkennen, dass seine magischen Kräfte langsam schwinden. Auf einmal kommen um den Mönch herum merkwürdige Kreaturen aus dem Boden. Eine schlägt dem Mönch seinen Stab aus der Hand und rennt davon. Die Anderen dagegen fangen auch an mit ihren scharfen Krallen auf den Mönch einzuschlagen. Das kann ich nicht zulassen. Ich springe aus meinen Versteck hervor und Spanne meinen Bogen so, dass ich mehrere Gegner auf einmal angreifen kann. Während ich dies tue spricht der Mönch wieder einen Zauber und ich finde mich in einer Aura göttlicher Kraft wieder. Somit schieße ich meine Pfeile ab und sie hageln wie ein Sperrfeuer auf die kleinen Kreaturen nieder. Es dauert nicht lange und diese Kreaturen fallen wie die Fliegen. Nur der Knochendrache steht immer noch unangekratzt da. Der Mönch schreit zu mir, dass ich meine ganze Feuerkraft auf den Drachen richten soll. Somit greifen wir jetzt zusammen den Drachen an. Doch dieser scheint keinerlei Erschöpfung zu zeigen. Immer und immer wieder heilt sich der Drache auf magische weise und wir werden dagegen immer und immer schwächer. Fast unserem Tode nahe passiert auf einmal etwas Seltsames. Wie der Schatten eines über mir vorbeifliegenden Vogels springt jemand an den Drachen heran und sticht auf ihn ein. Mit dieser geballten Angriffsstärke gelingt es uns den Drachen zu töten. Dieser fällt in den Sand und sein Skelett verschwindet auf magische Weise. Bevor es ganz verschwunden ist, benutzt der Mönch noch einen magischen Gegenstand und scheint den Drachen damit, auf irgendeine mir unbekannte Art, Energie zu entziehen.
„Danke, ich bin Aron ein Mönch vom Kloster des Mondes in den Zittergipfeln.“
„Hallo, ich bin Ben, ein Waldläufer auf Wanderschaft. Und wer bist du kleines Mädchen?“
„Ich, ach das ist eine lange Geschichte. Mein Name ist Saya. Was zu Teufel ist hier eigentlich passiert?“
„Normalerweise sollte ich heute die Prüfung der Weisheit ablegen. Doch dann sind merkwürdige dinge passiert.“
„Seit ihr beide in Ordnung?“
„Jetzt ja, aber eine Dieser Kreaturen hat mir meinen Zauberstab entwendet. Dies war ein magisches Familienerbstück mit unheimlich Starken göttlichen Kräften…“