Bled Gambler
27.11.2005, 21:41
Bled murmelte einen leisen Fluch und rutsche auf dem Bauch ein Stück weiter unter den Busch, unter welchem er seit dem Morgen gelegen hatte. Der mit dem Golde des Tempels reisende Mönch, der nach seinen Informationen immer alleine unterwegs war, hatte diesmal Begleiter!
Bled fluchte erneut und spukte leise aus. Er hatte so viele Stunden unbeweglich verharrt, nur um festzustellen, dass seine Informationen falsch waren; die Götter mochten diesen Herumtreiber in der schmierigen Kneipe von Elonasspitze mit Hagelkorn strafen, dem er in seiner samseligen Bierlaune am Vorabend dreitausend Gold für diese offenbar falsche Information gezahlt hatte.
Der Schatz des Tempels, der alten Gerüchten nach deshalb noch nie gestohlen wurde, weil er immer zwischen den verschiedenen Tempeln der Gilde durch das Land transportiert wurde und quasi nie an einem Ort verweilte, er war so nahe und doch so weit entfernt!
Bled musste würgen, das Bier vom Vortag tat sein übriges.
Als das Schwindelgefühl nachliess, war es zu spät; der Mönch und seine Kameraden waren auf ihn aufmerksam geworden und durchsuchten das Gestrüpp nach dem vermeintlichen Wegelagerer.
Bled, zwar benebelt, doch auch erfahren von vielen Kämpfen und Reisen, zählte aufgrund der Schrittgeräusche sieben Kämpfer; dazu kam der Mönch. Bled war zwar in der Lage, zwei Pfeile zugleich zu schiessen; doch dies würde nicht ausreichen, sie alle zu erschiessen...
Bled hatte dennoch keine Wahl, er musste handeln.
*
Die dunkle Gestalt beobachtete das Geschehen von einem sicheren Ort in einiger Entfernung am Hang, der hinauf zum Gebirge und schließlich zur Wüste führte. Sie trug sich mit dem gleichen Gedanken wie der Waldäufer; sie wollte den Mönch um das Gold des Tempels erleichtern. Doch anders als Bled hatte der Dunkle gewusst, dass der Schatz gut bewacht sein würde; er war vorbereitet. So liess er sich Zeit, und beobachtete, wie der Waldläufer, der übrigens ungewöhnlich laut für einen Burschen seiner Klasse agierte, entdeckt wurde und den Kampf mit der Gruppe um den Mönchen aufnahm. Der Dunkle lächelte. Er sprach mit fremder Stimme einige uralte Flüche, und schickte seine beschworenen, garstigen Diener in den Kampf, auf dass er selbst schließlich der letzte Überlebende sein möge.
*
Bled zwinkerte durch das Spinnenetz, welches vorhin eine kleine Tigerspinne um seine Augenbraue gewoben hatte. Seine ersten beiden Pfeile hatten ihr Ziel erreicht; zwei Krieger aus der Gruppe um den Mönch fielen um, ehe sie wussten, aus welcher Richtung die Pfeile kamen. Doch es blieben noch sechs... Und diese kamen nun in seine Richtung gerannt, die Schwerter hoch erhoben, die Hände verstrickt in der Beschwörung magischer Formeln, die gleich auf ihn niederfallen würden! Und er hörte, dass noch weitere Schritte sich näherten, eher dumpfe Schritte wie von unirdischen Kreaturen. Bled hielt sich für verloren, doch wie es für einen Waldläufer üblich war, wollte er sich nicht ergeben und auf Gnade hoffen, sondern bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen. Also schaltete er seine Gedanken aus, so dass er nur noch aus Bewegung und Instinkt bestand, und liess, während er aufsprang und mit nahezu überirdischer Geschwindigkeit wieder und wieder die Stellung wechselte, einen Pfeil nach dem anderen in die Gegner fahren.
*
Bled stand vor den Leichen der Gegner; den letzten liess er gnädig seinen Hund erledigen. Sein Wams war völlig zerstört; die Handschuhe keine Goldmünze mehr wert. Und auch die Stiefel würden ihn irgendwo mehr hinbringen, ohne ihn an diesen Kampf zu erinnern. Er schnaubte und würgte; sein Bogen war in der Mitte zerbrochen und hing schlaff in seiner Hand. Zuletzt hatte er seine Pfeile werfen müssen...
Bled sah sich um; er hatte seine Gegner nicht alleine unterworfen, dessen war er sich bewusst. Irgend jemand hatte noch seine Hand im Spiel. Argwöhnig sah er in die Richtung der Hügel und entdeckte die Gestalt, die sich nunmehr gemächlich erhob und gemütlich in Richtung des Goldes schlenderte, welches verteilt am Boden rund um die Leiche des Mönches lag. Bled durchfuhr der Gedanke, das er das Gold doch noch verlieren könne, wie ein Blitz eine Schweineherde, und er wankte in Richtung der Gestalt; doch der eigene Blutverlust liess ihn schwindeln, und schließlich brach er zusammen.
Dunkelheit umfing ihn.
*
Tief in seinem Inneren sorgte die schlechte Luft für Aufruhr, und die Alarmsignale seiner Lunge erweckten ihn schließlich. Bled zwinkerte; er wusste sofort, dass er gefesselt war, denn das Efau schnitt tief in sein ohnehin noch vom Kampf malträtiertes Fleisch. Er stellte sich weiterhin bewusstlos; doch vergebens. Er hörte ein rauhes Lachen.
"Dies ist dein bester Tag, Waldläufer; ich habe Dich noch am Leben gelassen", hörte er eine heisere Stimme sprechen.
Bled krächzte und murmelte, zum Sprechen war er nicht in der Lage. Das war die dunkle Gestalt von vorhin; sicher ein Magier, der nun dem Schatz erobert hatte und ihn dazu noch überwältigt. Bled durchfuhr ein Schauder; ein letzter Rest Schwindel der letzten durchzechten Nacht, der Blutverlust durch den Kampf oder die Ohnmacht; oder alles zusammen...
Er zwang sich, seine Augen zu öffnen, und sah die Gestalt hochaufgerichtet vor sich stehen. Das Gesicht konnte er nicht erkennen, doch er war sich sicher, dass der Unbekannte dreckig grinsen musste.
"Ich werde Dich nicht töten; doch das heisst nicht, dass Du Leben darfst. Du sollst mir als Kreatur dienen, denn gut zu kämpfen weisst Du. Ich habe schon besondere Pläne mit Dir... Du wirst die Zierde meiner Dämonenbrut." Bled lauschte dem Klang der Stimme, und konzentrierte sich auf das, was er als Waldläufer damals durch seinen Vater erlernt hatte. Bled befreite seine Hände. Seine Muskeln, ebenso schmiegsam wie stark, schlängelten sich durch das Efeu, und er wusste, dass sein Tier noch in der Nähe war und lebte. Denn er konnte es riechen.
*
Der Unbekannte, scheinbar sehr von sich überzeugt, redete noch eine Weile über seine Taten. Bled lauschte ihm gespannt; zumindest sah es so aus. Zwar hatte er keinen Bogen mehr, doch er hatte eines noch: seinen Willen. Er spannte die Muskeln, griff an seine Schulter, riß das Horn des Drachen von der Drachenschuppenrüstung und bewegte sich schneller, als der Verstand wahrnehmen konnte, auf den Fremden zu. Er umfing ihn mit dem Arm, ehe dieser einen dunklen Spruch murmeln konnte, und hielt ihm das Schulterhorn an die Kehle.
Bled spuckte aus.
"So sei Dir gesagt, Fremder, dass Dir nicht der Tag vergönnt ist, mir zu schaden", murmelte er, dann drückte er zu.
*
Bled hatte eine selbst für einen Waldläufer nicht zu sprengende Fessel aus den umliegenden Dornen erstellt; zusätzlich hatte er dem Dunklen einen Stein in den Mund gestopft, damit dieser keine dunkle Beschwörung murmeln konnte. Sein Hund bewachte ihn zusätzlich. Bled hatte das Gold in seine Satteltasche gepackt; er war sich sicher, dass keine Gefahr mehr drohte, und er das Gold gewiss habe. Bled grinste ob des Gedanken an das viele Gold, welches er nun sein Eigen nennen konnte. Und tappte direkt in die magische Feuerfalle, die der Dunkle vor Stunden dort gelegt hatte; denn der Dunkle wusste immer um die Zukunft der Dinge.
*
Sie standen sich gegenüber; Bled und die dunkle Gestalt. Bled rieb seine Arme, die noch immer rauchten, und unterdrückte den Schmerz. Die Feuerfalle hatte seinen Hund vertrieben und die Fesseln des Dunklen durchtrennt; sein neuer Bogen war ebenfalls schon wieder zerstört. Lediglich die Lindwurmrüstung oder das, was davon übrig war, hatte ihn vor dem elenden Flammentod gerettet. Der Dunkle schien sich jedoch wohl zu fühlen; er stieß glucksende Laute aus und schien sich zu amüsieren. Zwischen ihnen lag das Gold; Bleds Packen war ebenfalls verbrannt und hatte das Gold freigegeben.
Sie umlauerten sich, zwischen Ihnen das Gold: Der Waldläufer und der Dunkle. Keiner von Beiden rührte sich, und nur das Rauschen des Windes war zu vernehmen. Keiner hatte mehr einen Vorteil; alle Trümpfe waren ausgespielt. Das Tier fort, der Bogen gebrochen; der Waldläufer musste sich arg anstrengen, um sich an eine ähnliche Lage zu erinnern. Doch auch der Magier, der ihm gegenüberstand, schien Schwierigkeiten zu haben; die Hand mit dem Zauberstab stand im rechten Winkel, so, als sei sie am Gelenk gebrochen. Und der Stab selber hatte auch einen Riß am Stiel.
"Nun gut", murmelte der Waldläufer, "dann wollen wir es vollenden."
*
Der Dunkle sah, wie der Waldläufer plötzlich in die Hocke ging, dann verwischten dessen Bewegungen zu einem Schattenspiel. Er schien sich so schnell zu bewegen, dass das Auge kaum folgen konnte; nahezu unsichtbar. Mit einer lässigen Bewegung schwenkte der Magier seinen Stab in Richtung des Waldläufers, doch der Stab gab ein lautes, krächzendes Geräusch von sich und brach in der Mitte entzwei, so dass die Hälfte des Stabes herunterbaumelte wie die Schale einer frisch geschälten Banane.
Dann war der Waldläufer heran.
*
Bled hatte den Dunklen mit einem gezielten Hieb gegen den Hals endgültig außer Gefecht gesetzt und hielt den reglosen Körper in seinen Armen. Während er den Bewusstlosen auf den Boden bettete, entsann er sich eines uralten Rituales, welches sein Vater ihm einmal erklärt hatte. Damals hatte er ihm, als ein Gewitter mit Donner und Blitz den Wald erschüttert hatte, in welchem sie lebten, ein altes Geheimnis erzählt. Das Geheimnis des Lebens...
Bled war mit seinen Vorbereitungen soweit. Der Dunkle war an einen Baum gebunden, und unter ihm brannte ein kleines Feuer, in welches er nun einige seltene Pflanzenfasern aus der Umgebung warf. Er murmelte einige alte Flüche, und langsam verwandelte sich der Magier...
*
Fröhlich pfeifend schritt Bled den Pfad entlang, der zur Stadt Ascalon führte. Mit sich führte er das Gold des Tempels; ein ansehlicher Schatz, der seiner geliebten Zara und ihm gewiss ein paar schöne Tage bescheren würde. Ihm voraus lief sein neuer Gefährte, der auf den Namen "Der Dunkle" hörte, und der ihm treu sein würde bis zum Tode...
Bled fluchte erneut und spukte leise aus. Er hatte so viele Stunden unbeweglich verharrt, nur um festzustellen, dass seine Informationen falsch waren; die Götter mochten diesen Herumtreiber in der schmierigen Kneipe von Elonasspitze mit Hagelkorn strafen, dem er in seiner samseligen Bierlaune am Vorabend dreitausend Gold für diese offenbar falsche Information gezahlt hatte.
Der Schatz des Tempels, der alten Gerüchten nach deshalb noch nie gestohlen wurde, weil er immer zwischen den verschiedenen Tempeln der Gilde durch das Land transportiert wurde und quasi nie an einem Ort verweilte, er war so nahe und doch so weit entfernt!
Bled musste würgen, das Bier vom Vortag tat sein übriges.
Als das Schwindelgefühl nachliess, war es zu spät; der Mönch und seine Kameraden waren auf ihn aufmerksam geworden und durchsuchten das Gestrüpp nach dem vermeintlichen Wegelagerer.
Bled, zwar benebelt, doch auch erfahren von vielen Kämpfen und Reisen, zählte aufgrund der Schrittgeräusche sieben Kämpfer; dazu kam der Mönch. Bled war zwar in der Lage, zwei Pfeile zugleich zu schiessen; doch dies würde nicht ausreichen, sie alle zu erschiessen...
Bled hatte dennoch keine Wahl, er musste handeln.
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Die dunkle Gestalt beobachtete das Geschehen von einem sicheren Ort in einiger Entfernung am Hang, der hinauf zum Gebirge und schließlich zur Wüste führte. Sie trug sich mit dem gleichen Gedanken wie der Waldäufer; sie wollte den Mönch um das Gold des Tempels erleichtern. Doch anders als Bled hatte der Dunkle gewusst, dass der Schatz gut bewacht sein würde; er war vorbereitet. So liess er sich Zeit, und beobachtete, wie der Waldläufer, der übrigens ungewöhnlich laut für einen Burschen seiner Klasse agierte, entdeckt wurde und den Kampf mit der Gruppe um den Mönchen aufnahm. Der Dunkle lächelte. Er sprach mit fremder Stimme einige uralte Flüche, und schickte seine beschworenen, garstigen Diener in den Kampf, auf dass er selbst schließlich der letzte Überlebende sein möge.
*
Bled zwinkerte durch das Spinnenetz, welches vorhin eine kleine Tigerspinne um seine Augenbraue gewoben hatte. Seine ersten beiden Pfeile hatten ihr Ziel erreicht; zwei Krieger aus der Gruppe um den Mönch fielen um, ehe sie wussten, aus welcher Richtung die Pfeile kamen. Doch es blieben noch sechs... Und diese kamen nun in seine Richtung gerannt, die Schwerter hoch erhoben, die Hände verstrickt in der Beschwörung magischer Formeln, die gleich auf ihn niederfallen würden! Und er hörte, dass noch weitere Schritte sich näherten, eher dumpfe Schritte wie von unirdischen Kreaturen. Bled hielt sich für verloren, doch wie es für einen Waldläufer üblich war, wollte er sich nicht ergeben und auf Gnade hoffen, sondern bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen. Also schaltete er seine Gedanken aus, so dass er nur noch aus Bewegung und Instinkt bestand, und liess, während er aufsprang und mit nahezu überirdischer Geschwindigkeit wieder und wieder die Stellung wechselte, einen Pfeil nach dem anderen in die Gegner fahren.
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Bled stand vor den Leichen der Gegner; den letzten liess er gnädig seinen Hund erledigen. Sein Wams war völlig zerstört; die Handschuhe keine Goldmünze mehr wert. Und auch die Stiefel würden ihn irgendwo mehr hinbringen, ohne ihn an diesen Kampf zu erinnern. Er schnaubte und würgte; sein Bogen war in der Mitte zerbrochen und hing schlaff in seiner Hand. Zuletzt hatte er seine Pfeile werfen müssen...
Bled sah sich um; er hatte seine Gegner nicht alleine unterworfen, dessen war er sich bewusst. Irgend jemand hatte noch seine Hand im Spiel. Argwöhnig sah er in die Richtung der Hügel und entdeckte die Gestalt, die sich nunmehr gemächlich erhob und gemütlich in Richtung des Goldes schlenderte, welches verteilt am Boden rund um die Leiche des Mönches lag. Bled durchfuhr der Gedanke, das er das Gold doch noch verlieren könne, wie ein Blitz eine Schweineherde, und er wankte in Richtung der Gestalt; doch der eigene Blutverlust liess ihn schwindeln, und schließlich brach er zusammen.
Dunkelheit umfing ihn.
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Tief in seinem Inneren sorgte die schlechte Luft für Aufruhr, und die Alarmsignale seiner Lunge erweckten ihn schließlich. Bled zwinkerte; er wusste sofort, dass er gefesselt war, denn das Efau schnitt tief in sein ohnehin noch vom Kampf malträtiertes Fleisch. Er stellte sich weiterhin bewusstlos; doch vergebens. Er hörte ein rauhes Lachen.
"Dies ist dein bester Tag, Waldläufer; ich habe Dich noch am Leben gelassen", hörte er eine heisere Stimme sprechen.
Bled krächzte und murmelte, zum Sprechen war er nicht in der Lage. Das war die dunkle Gestalt von vorhin; sicher ein Magier, der nun dem Schatz erobert hatte und ihn dazu noch überwältigt. Bled durchfuhr ein Schauder; ein letzter Rest Schwindel der letzten durchzechten Nacht, der Blutverlust durch den Kampf oder die Ohnmacht; oder alles zusammen...
Er zwang sich, seine Augen zu öffnen, und sah die Gestalt hochaufgerichtet vor sich stehen. Das Gesicht konnte er nicht erkennen, doch er war sich sicher, dass der Unbekannte dreckig grinsen musste.
"Ich werde Dich nicht töten; doch das heisst nicht, dass Du Leben darfst. Du sollst mir als Kreatur dienen, denn gut zu kämpfen weisst Du. Ich habe schon besondere Pläne mit Dir... Du wirst die Zierde meiner Dämonenbrut." Bled lauschte dem Klang der Stimme, und konzentrierte sich auf das, was er als Waldläufer damals durch seinen Vater erlernt hatte. Bled befreite seine Hände. Seine Muskeln, ebenso schmiegsam wie stark, schlängelten sich durch das Efeu, und er wusste, dass sein Tier noch in der Nähe war und lebte. Denn er konnte es riechen.
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Der Unbekannte, scheinbar sehr von sich überzeugt, redete noch eine Weile über seine Taten. Bled lauschte ihm gespannt; zumindest sah es so aus. Zwar hatte er keinen Bogen mehr, doch er hatte eines noch: seinen Willen. Er spannte die Muskeln, griff an seine Schulter, riß das Horn des Drachen von der Drachenschuppenrüstung und bewegte sich schneller, als der Verstand wahrnehmen konnte, auf den Fremden zu. Er umfing ihn mit dem Arm, ehe dieser einen dunklen Spruch murmeln konnte, und hielt ihm das Schulterhorn an die Kehle.
Bled spuckte aus.
"So sei Dir gesagt, Fremder, dass Dir nicht der Tag vergönnt ist, mir zu schaden", murmelte er, dann drückte er zu.
*
Bled hatte eine selbst für einen Waldläufer nicht zu sprengende Fessel aus den umliegenden Dornen erstellt; zusätzlich hatte er dem Dunklen einen Stein in den Mund gestopft, damit dieser keine dunkle Beschwörung murmeln konnte. Sein Hund bewachte ihn zusätzlich. Bled hatte das Gold in seine Satteltasche gepackt; er war sich sicher, dass keine Gefahr mehr drohte, und er das Gold gewiss habe. Bled grinste ob des Gedanken an das viele Gold, welches er nun sein Eigen nennen konnte. Und tappte direkt in die magische Feuerfalle, die der Dunkle vor Stunden dort gelegt hatte; denn der Dunkle wusste immer um die Zukunft der Dinge.
*
Sie standen sich gegenüber; Bled und die dunkle Gestalt. Bled rieb seine Arme, die noch immer rauchten, und unterdrückte den Schmerz. Die Feuerfalle hatte seinen Hund vertrieben und die Fesseln des Dunklen durchtrennt; sein neuer Bogen war ebenfalls schon wieder zerstört. Lediglich die Lindwurmrüstung oder das, was davon übrig war, hatte ihn vor dem elenden Flammentod gerettet. Der Dunkle schien sich jedoch wohl zu fühlen; er stieß glucksende Laute aus und schien sich zu amüsieren. Zwischen ihnen lag das Gold; Bleds Packen war ebenfalls verbrannt und hatte das Gold freigegeben.
Sie umlauerten sich, zwischen Ihnen das Gold: Der Waldläufer und der Dunkle. Keiner von Beiden rührte sich, und nur das Rauschen des Windes war zu vernehmen. Keiner hatte mehr einen Vorteil; alle Trümpfe waren ausgespielt. Das Tier fort, der Bogen gebrochen; der Waldläufer musste sich arg anstrengen, um sich an eine ähnliche Lage zu erinnern. Doch auch der Magier, der ihm gegenüberstand, schien Schwierigkeiten zu haben; die Hand mit dem Zauberstab stand im rechten Winkel, so, als sei sie am Gelenk gebrochen. Und der Stab selber hatte auch einen Riß am Stiel.
"Nun gut", murmelte der Waldläufer, "dann wollen wir es vollenden."
*
Der Dunkle sah, wie der Waldläufer plötzlich in die Hocke ging, dann verwischten dessen Bewegungen zu einem Schattenspiel. Er schien sich so schnell zu bewegen, dass das Auge kaum folgen konnte; nahezu unsichtbar. Mit einer lässigen Bewegung schwenkte der Magier seinen Stab in Richtung des Waldläufers, doch der Stab gab ein lautes, krächzendes Geräusch von sich und brach in der Mitte entzwei, so dass die Hälfte des Stabes herunterbaumelte wie die Schale einer frisch geschälten Banane.
Dann war der Waldläufer heran.
*
Bled hatte den Dunklen mit einem gezielten Hieb gegen den Hals endgültig außer Gefecht gesetzt und hielt den reglosen Körper in seinen Armen. Während er den Bewusstlosen auf den Boden bettete, entsann er sich eines uralten Rituales, welches sein Vater ihm einmal erklärt hatte. Damals hatte er ihm, als ein Gewitter mit Donner und Blitz den Wald erschüttert hatte, in welchem sie lebten, ein altes Geheimnis erzählt. Das Geheimnis des Lebens...
Bled war mit seinen Vorbereitungen soweit. Der Dunkle war an einen Baum gebunden, und unter ihm brannte ein kleines Feuer, in welches er nun einige seltene Pflanzenfasern aus der Umgebung warf. Er murmelte einige alte Flüche, und langsam verwandelte sich der Magier...
*
Fröhlich pfeifend schritt Bled den Pfad entlang, der zur Stadt Ascalon führte. Mit sich führte er das Gold des Tempels; ein ansehlicher Schatz, der seiner geliebten Zara und ihm gewiss ein paar schöne Tage bescheren würde. Ihm voraus lief sein neuer Gefährte, der auf den Namen "Der Dunkle" hörte, und der ihm treu sein würde bis zum Tode...