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Autor Thema
  1. Lightning Drake Benutzerbild von Meister Dackel
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    78791
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    08.2008
    #16
    echt tolel geschichte, aber bitte MEHR MEHR MEHR
    _______________
    IGN: Xun Chang Xian
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  2. Salving Cactus Benutzerbild von Metafrank
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    48256
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    Ich verzichte.

    Kapitel 5

    #17
    Ein Totenkopf, geknebelt mit einem schwarzen Seidenschal. Lesen war ein Luxus, aber dieses Schild sagte alles, was zu sagen war. Hierhin brachte man die Stillen. Hier war ihr Ghetto, der Ort ihres Sterbens, ihr Grab. Der Rastlose lächelte verbittert: Ein Seidenschal – wer von denen konnte sich schon so etwas leisten...
    In der Stadt grassierte die Seuche und die Gefahr, dass man ihn erkannte.

    Rufus blickte in das versiffte, zersplitterte Glasfenster eines längst verlassenen Hauses und die Augen, die zurück starrten, waren blau. Es war längst nicht hell genug hier, als dass ihre Farbe ihn ohne sein Zutun verraten könnte. Vielleicht machte er sich zu viele Gedanken. Gewiss, die graue Minderheit in seinem ansonsten braunen Haar begann sich bei seinen nicht mal dreißig Jahren bereits durchzusetzen, aber das kam auch bei anderen vor, das war nichts besonderes.
    Man würde ihn schon nicht erkennen.

    Viel wichtiger war: In Hardtsteyn gab es Handel und genug zu Essen – noch. Zu allem Überfluss war gerade Jahrmarkt. Eine Farce, diese fröhliches Volksfest inmitten von Elend.
    Der Rastlose war nicht gern unter Stadtmenschen, aber es schien ihm das geringere Übel zu sein.
    Rufus ging weiter und der Mann im Fenster folgte, wie er es immer tat.
    Wenigstens sein Spiegelbild blieb ihm treu.

    Zuletzt wohl gefühlt hatte er sich beim alten Liff. Das Leben als Schreiner war ruhig und sicher gewesen, fast wie eine Heimat. Aber er versuchte, nicht mehr daran zu denken. Unweigerlich wanderte sein Blick zu seinem Arm, dessen Brandnarben unwillkommene Zeugen der Ereignisse waren. Er hätte helfen können, hätte sie retten können... Nein. Er hatte das schon zu oft durchgespielt. An sich selbst zu denken war richtig gewesen. Zu viert hätten sie es nie durch die Menschenmenge geschafft und vielleicht war ein Feuertod sogar gnädiger als ein schweigender. Rufus hoffte das. Sein Arm heilte gut und wenn er Glück hatte, würden nicht einmal Narben bleiben. Nicht auf der Haut.
    Immer, wenn er glaubte, eine Antwort gefunden zu haben, war die Frage bereits eine andere.

    Lärm und ein Ellbogen lösten ihn aus seinen Gedanken und er fand sich mitten auf Hardtsteyns Jahrmarkt wieder.
    Vor ihm lärmte eine Menschentraube und sofort beschlich ihn das ungute Gefühl beobachtet zu werden. Bemüht, den Blick gesenkt zu halten, fragte er den Nächststehenden, was es hier zu sehen gab.
    „Synedrus is' da un' hat Thorgal mitgebracht. Für 5 Kupferlinge kannste gegen den innen Ring. Kriegst'n Silberling wenne gewinnst. Gewinnt aber natürlich keiner“.
    Die Antwort half ihm kaum weiter. „Synedrus? Thorgal?“
    „Bist nich' von hier, was? Thorgal is' der Arena-Champion und Synedrus is' sein Besitzer“.

    Rufus umkreiste die Zuschauer, die sich um den improvisierten Kampfplatz drängten und versuchte einen Blick auf die Besagten zu erhaschen.
    Von einem kleinen Holzkarren aus konnte er schließlich gerade noch sehen, wie das Gesicht eines offensichtlich betrunkenen kleinen Mannes von einer riesigen, dick in gerötetes Leinen gewickelten Faust verformt wurde. Nach einem bizarren Salto blieb der Mann reglos im aufgehäuften Sand liegen, einige Fuß von seinen ehemaligen Zähnen entfernt. Ein paar Leute lachten.
    Die Faust gehörte einem schwarzen Hünen, muskelbepackt und mit Narben übersät. Als der sich herumdrehte, sah Rufus, dass sein rechtes Auge von einer ledernen Augenklappe verdeckt war.
    Das andere wirkte gelangweilt, aber keineswegs einfältig wie das eines Schlägers. Ein Champion und Sklave.
    Boxkämpfe gegen Halbstarke und Betrunkene waren sicher kein Erlebnis, wenn man sonst als Gladiator um Leben und Tod kämpfte.
    Der Rastlose beschloss, dass ihn das hier nicht betraf und ging.
    Wahrscheinlich hatte dieser Thorgal alles falsch gemacht. Ein Leben als Sklave, voll und ganz dem Kampf für die Tasche seines Meisters verschrieben, dem Sieg in der Arena - ohne eigenen Antrieb. Ohne gestern, ohne morgen. Ohne Reue.
    Vielleicht machte dieser Thorgal alles richtig.

    Den Lärm des Kampfplatzes hinter ihm, führte sein Weg vorbei an einer anderen Art Arena. Auf einer billigen Holzbühne vertrimmte ein Laienschauspieler in einer verdellten, viel zu großen Metallrüstung mit einem Holzschwert einige ebenso lächerlich wirkende Gestalten und schmetterte Parolen über den Heldenmut und die Unerschütterlichkeit des Menschengeschlechts.
    Die Szene sollte wohl darstellen, wie Garibald der Starke das Städtchen Hajol vor den „bösen Elfen“ beschützt hatte. Lächerlich. Es schien, als würde sich die Geschichte mit der Zeit immer weiter von der Realität entfernen. Das Letzte mal, als sie Rufus untergekommen war, sahen die Elfen noch normaler aus und wollten die Menschen nur vertreiben, weil sie ihre Steinhäuser hassten. Hier waren die Elfen als kleine, buckelige, grüne Wesen dargestellt, mit Ohren so spitz und lang, dass ihre untalentierten Darsteller aufpassen mussten, wenn sie sich herumdrehten. Sie wollten die Kinder der Menschen entführen, um sie zu fressen. Je unmenschlicher der Feind, desto heldenhafter erschien wohl Garibald.

    Die Wirklichkeit sah anders aus. Nicht die Elfen waren die Aggressoren gewesen. Es waren die Menschen, die sich immer weiter ausgebreitet hatten, bis die Grenzen ihrer Reiche auf das kleine Heimatgebiet der Elfen getroffen waren.

    Menschen behaupten immer von sich, tolerant zu sein – Im Gegenzug erwarten sie dann von einem, sich so lange zu integrieren, bis man sich nicht mehr von ihnen unterscheidet und es gar nichts mehr gibt, was zu tolerieren wäre.
    Die Elfen wollten das nicht, aber genauso wenig hatten sie ihre Heimat verlassen wollen, um der Ausbreitung der Menschen Platz zu machen. Der Krieg dauerte nur wenige Wochen, gefolgt von ein paar Jahren des Völkermords und dann hatte das Geschlecht der Menschen einen weiteren Konkurrenten beseitigt, dessen Sprache überhaupt keinen Begriff für Konkurrenz kannte.

    Davon wussten heute natürlich die Wenigsten noch etwas. Die Ausrottung der Elfen war fast zweihundert Jahre her. Zwei Jahrhunderte, in denen die Geschichte von denen erzählt wurde, die sie ausgerottet hatten.

    Ein Mann mit grauer Robe und rauschendem, ebenso grauem Bart schien seinen angewiderten Blick bemerkt zu haben. Jedenfalls kam er mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze zu ihm hinüber und bemerkte beiläufig:
    „Das ist doch alles Lug und Trug“.
    Rufus wusste nicht recht, wie er reagieren sollte. Der Mann war ihm unheimlich, aber er sprach ein wahres Wort gelassen aus. Er beschloss, ihn mit einem freundlichen Nicken abzufertigen und den Jahrmarkt zu verlassen.
    „Mit den Elfen hat es angefangen“, rief ihm der Fremde hinterher. Von einer aufkommenden Gänsehaut angetrieben, ging Rufus schneller und bald lagen Musik und Marktgeschrei hinter ihm.

    Gerade glaubte er, endlich seine Ruhe zu haben, da vernahm er aus einer Seitengasse aufgebrachte Stimmen. Neugier brauchte keine Sekunde, um Vorsicht in die Schranken zu weisen und er spähte um die Ecke.
    Die Gasse war eng und die Häuser drum herum hoch, sodass kaum ein Sonnenstrahl seinen Weg hierher fand, doch für seine Augen war selbst tiefste Nacht kein Problem. Die Stimmen, die er gehört hatte, gehörten zwei jungen Burschen, vielleicht um die fünfzehn. Einer von ihnen trat gegen ein großes Knäuel, das vor ihnen am Boden lag.
    Rufus wagte sich ein Stück weiter vor und erkannte mit Schrecken, dass es eine Frau war. Sie hatte sich zusammengerollt und rührte sich nicht.

    Wieder kochte ein Konflikt in Rufus' Gewissen auf, doch diesmal traten der Vorsicht Mitgefühl und Zorn gegenüber.
    Wie aus dem Nichts tauchten vor seinem inneren Auge wieder Meister Liff und seine Frau auf und dieser Junge, der ihn so verängstigt angeschaut hatte.
    Nein. Er konnte nicht wieder nur an sich denken, konnte nicht erneut einfach Reißaus nehmen. Das hier war keine aufgebrachte Menge mit Mistgabeln und Fackeln; es war eine dunkle Gasse und zwei frustrierte Jungen.
    „He! Ihr da! Lasst sie in Ruhe!“, vernahm er seine eigene Stimme. Sie wirkte selbstbewusster als er sich fühlte.

    Die Schläger drehten sich um und musterten ihn. Und als er sie von vorn sah, wurde ihm klar, dass er nichts zu befürchten hatte. Sie waren abgemagert, ihre Wangen eingefallen und ihre Klamotten schienen ihnen auf einmal viel zu weit zu sein. Diese hungernden Kinder waren keine Gefahr für ihn. Sie selbst sahen das offenbar nicht anders, denn als sie ihn im Zwielicht erkannt hatten, liefen sie in die andere Richtung davon.
    Zurück blieb die Frau, leblos auf dem Boden zusammengekauert.
    Ihr Retter schritt beherzt auf sie zu.
    „Seid Ihr in Ordnung?“

    Sie antwortete nicht. Rufus beugte sich zu ihr hinunter und drehte behutsam ihr Gesicht zu sich.
    Ihre blutunterlaufenen Augen starrten ins Leere. Ihre Haut war bleich und brüchig und von dunklen Flecken übersät. Sie war sicher schon eine Weile tot.
    Der Rastlose erkannte die Zeichen, die ihr Martyrium bezeugten, ihre letzten Tage schweigenden Leides.

    Die Jungen waren angetrieben gewesen vom gleichen Frust wie die Menschenmenge an der Dorfschreinerei damals, in seinem letzten Leben. Angetrieben von Wut, die Angst entstammte – Blindem Unverständnis gegenüber allem, was mit dieser seltsamen Krankheit zu tun hatte, Hass gegenüber allen, die von ihr befallen waren.
    Und nun beschlich diese Angst auch ihn.
    Der Frau war nicht mehr zu helfen – Kein Grund sich länger einer Ansteckungsgefahr auszusetzen als nötig.
    Er ließ den leblosen Leib liegen und entfernte sich rasch. Als er um die Ecke bot, rempelte er jemandem an die Schulter.

    Es war der bärtige Kapuzenträger von vorhin.
    „Ihr schon wieder!“
    „Ich habe gesehen, was Ihr da getan habt“, sagte der Fremde unbeeindruckt.
    „Das ist ja schön für Euch“. Rufus hatte andere Sorgen. Er wollte von hier weg und überlegte, ob er einfach los rennen sollte, aber diese Straße war belebt und das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, war Aufmerksamkeit.
    „Ich weiß auch, was die getan haben. Mit den Elfen hat es angefangen und der schweigende Tod ist die gerechte Strafe. Die Menschen stürmen blindlings ihrem Untergang entgegen und bemerken es nicht einmal. Wir können etwas ändern, wenn wir wollen“, sagte der Fremde ernsten Tones.
    Dieser Mann war verrückter, als er gedacht hatte.
    „Ihr nervt“, erwiderte der Rastlose nur und ging. Zu seinem Ärger folgte ihm der Bärtige diesmal. Nicht nur das: Er wurde nachdringlicher.
    „Hast du dich niemals gefragt, woher die Dürre kommt und warum das Schicksal den Menschen diese Seuche aufbürdet? Wir können dieses Schicksal erleichtern“.
    Sie bogen in eine menschenleere Straße ein, in der er hoffte, seinen Verfolger abschütteln zu können.

    „Das Schicksal?! An das Schicksal glaubt nur, wer zu feige ist sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Verschwinde. Hilf doch dieser Frau. Erleichtere ihr Schicksal“. Rufus beschleunigte seinen Schritt.
    „Ich weiß, wer du bist“. Verrückter alter Mann.
    „Das freut mich für dich“, erwiderte Rufus mit brechender Stimme und erhöhte sein Tempo erneut.
    Endlich gab der Verwirrte sich geschlagen und blieb stehen.
    Als er schon etwas zurückgefallen war, rief er ihm hinterher: „Und Rufus: Ich weiß auch, was du bist“.
    Der Rastlose erstarrte. Unwillkürlich ballte sich seine vernarbte Hand zur Faust, bis die Kruste splitterte. Langsam drehte er sich um: Der Fremde hatte seine Kapuze abgenommen und schaute ihn eindringlich an. Im Sonnenlicht strahlten die Augen des Mannes so verräterisch wie seine eigenen.
    _______________
    Das Skillsystem war Guild Wars' Geist, die Vollendbarkeit der Charaktere seine Seele und PvP war sein Herz.
    Seinem Nachfolger, schon geistlos zur Welt gekommen, wurde im November auch die Seele entrissen.
    Schweigend lausche ich dem immer gleichen Takt seines verkümmerten Herzens und frage mich, was geblieben ist...

    - Nietzsche.9017
    Geändert von Metafrank (04.12.2011 um 11:11 Uhr)
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  3. Necrid Horseman Benutzerbild von Marv
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    #18
    War klar, das eine der wenigen sprachlich, inhaltlich und stilistisch guten Geschichten hier von Dir stammt. Irgendwas muss die RUB ja bringen

    Liest sich gut.
    _______________
    Sieht man aber hinein, so sitzen sie, sitzen und lesen, unbesorgt; sorgen sich nicht um morgen, ängstigen sich nicht um ein Gelingen, haben einen Hund, der vor ihnen sitzt, gut aufgelegt, oder eine Katze, die die Stille noch größer macht, indem sie die Bücherreihen entlang streicht, als wische sie die Namen von den Rücken. Ach, wenn das genügte: ich wünschte manchmal, mir so ein volles Schaufenster zu kaufen und mich mit meinem Hund dahinterzusetzen für zwanzig Jahre. rmr

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  4. Salving Cactus Benutzerbild von Metafrank
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    Ich verzichte.
    #19
    Die ersten fünf Kapitel einer Jungzellenkur unterzogen.
    Daher sind alle entsprechenden Posts nun editiert. Kapitel 1 und 2 haben dabei am meisten abbekommen, beim Rest gab es auch etwas, aber das bestand hauptsächlich in einheitlichen Anführungsstrichen und der Wortwahl hier und da.

    Blöderweise habe ich dabei auch die Teile der Posts gelöscht, die auf Kommentare im Thread reagiert haben, aber ein bisschen Schwund ist immer.
    Dank Kreativlosigkeit wars das wohl erstmal, aber wer weiß...
    _______________
    Das Skillsystem war Guild Wars' Geist, die Vollendbarkeit der Charaktere seine Seele und PvP war sein Herz.
    Seinem Nachfolger, schon geistlos zur Welt gekommen, wurde im November auch die Seele entrissen.
    Schweigend lausche ich dem immer gleichen Takt seines verkümmerten Herzens und frage mich, was geblieben ist...

    - Nietzsche.9017
    Geändert von Metafrank (16.01.2012 um 16:12 Uhr)
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