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  1. Bone Dragon Benutzerbild von Isara
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    Jahr 150, dritter Zyklus. Marktplatz von Crestendum.

    Dankbarkeit für die Hilfe der Frau erfüllte Evaine. Doch wusste die Elfe wenig über die Bräuche der Menschen und sie kannte auch den Stand der anwesenden Personen nicht. Abenteuerlust blitzte in ihren Augen auf, während sie eine nach elfischen Standards angemessene Antwort gab: "Verzeiht, Herr... Kalia. Ist es bei Euch üblich, dass Ihr gewaltsam fremde Gespräche unterbrecht?" Ihr Blick wurde kalt und berechnend. Sie wandte sich an die Frau und sprach schnell weiter: "Ich hoffe, dass wir unser Gespräch bald fortsetzen können. Ich miete momentan ein Zimmer in dem Gasthaus "Zum Donnerhirsch"." Die Elfe drehte auf dem Absatz um, wirkte den Chamäleon-Zauber und verschwand mühelos in der Menge, während der Edelmann aussah als würde er am liebsten etwas zertrümmern. Der Donnerhirsch war ein Gasthaus, das Evaine auf ihrem Weg über den Marktplatz gesehen hatte. Es war 3 Straßen von dem Schauplatz des merkwürdigen Ereignisses entfernt und hatte den Ruf einer tadellosen Bleibe. Evaine begab sich auf direktem Weg zu dem Gasthaus, betrat es und wandte sich an den Hausherrn: "Ich möchte ein Zimmer mieten." Nach kurzem Feilschen einigten die beiden sich auf einen Preis und Evaine nahm den Schlüssel entgegen. Nun begab sie sich wieder in Richtung des Platzes, auf dem sie die Frau verlassen hatte. Sie hoffte, dass die Frau und der Mann noch nicht gegangen waren, um sie aus der Menge beobachten zu können.


    150. Jahr des 3. Zyklus, Orwina, Nacht

    Neira überlegte einen Moment. Sie hatte Schwierigkeiten den Fremden einzuschätzen. Im Falle eines Kampfes wusste sie nicht mit was sie rechnen musste, außer, dass er Magie beherrschte.
    Sie löste die Klinge vom Hals des Fremden und zischte leise: „Gut. Wir verschwinden von hier. Wenn ihr aber Anstalten macht zu fliehen, brate ich euch mit einem Energieblitz.“ Langsam schob sie den Fremden vor sich her. An den Versammelten vorbei, den Wachen. Sie verließen den Hof und gingen in eine Seitengasse. Schließlich packte Neira ihn am Arm und drückte ihne gegen die Gassenwand. „Nun ist es Zeit, dass ihr euch erklärt. Wer seid ihr und was habt ihr mit dem Sklavenhandel in Orwina zu tun?“
    Ohne auf eine Antwort zu warten, zog sie ihm die Kapuze vom Kopf. Sie erstarrte.
    Diese Augen, die waren nicht menschlich. Das waren die Augen eines Tiermenschen. Jetzt wo sie genauer hinsah, sah Neira auch die spitzen Zähne. Sie lies den Fremden los und machte einen Schritt rückwärts. Sie streifte ihre Kapuze ab und entblößte ihr Gesicht.


    150. Jahr des 3. Zyklus, Orwina, Nacht

    Als Eran das Gesicht seines Gegenübers erblickte, entspannte er sich. Er atmete tief durch und rieb sich mit der rechten Hand über den Hals, während er den Kratzer heilte.

    "Guten Abend, Schwester. Verzeiht meine Unfreundlichkeit dort drinnen, es schien mir nicht der passende Ort für Höflichkeit.
    Mein Anreiz diesen Markt zu besuchen scheint derselbe zu sein, der euch hierherführte, denn was kann unsereins anderes für diese Ausgeburten der Leere empfinden als Hass?
    Ich schlage vor, ihr setzt das", mit einem Kopfnicken verwies er auf ihre Kapuze, "lieber wieder auf und folgt mir in ein beschauliches, ruhiges Gasthaus, das ich kenne. So wichtig es auch sein mag, den Sklavenhändlern Einhalt zu gebieten, ist es doch von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Pläne abstimmen, damit wir uns nicht noch einmal in die Quere kommen. Was sagt ihr?"
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    #17
    150. Jahr des 3. Zyklus, Orwina, Nacht

    Neira war völlig aus der Fassung. Einen Tiermenschen, oder in einen Halb-Tiermenschen hatte sie hier am wenigsten erwartet. Konnte sie ihm vertrauen? So oft war sie schon verraten worden von Menschen die sie für vertrauenswürdig gehalten hatte. Aber dieser Mann vor ihr hatte eine Ausstrahlung, der sie sich nicht verwehren konnte. Doch sie musste vorsichtig sein. Ihr gegenüber beherrschte Magie und sie wusste nicht welche Art von Magie. Verdrehte er ihre Gedanken?
    Neira hörte auf nachzudenken und ließ sieh von ihren Instinkten leiten.
    "Nennt mir den Namen des Gasthauses und wir treffen uns dort. Wenn wir zusammen dorthin gehen, erregen wir zuviel Aufmerksamkeit." Nach einer kurzen Pause fügte sie noch hinzu: "Ich bin Neira."
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    #18
    150. Jahr des 3. Zyklus, Orwina, Nacht

    Der Mann deutete eine Verbeugung an: "Ich bin Eran", stellte er sich vor. "Das 'Goldene Wort' ist ein Gasthaus an der Westseite des Großmarkts, bei dem man ungestört ein Wörtchen wechseln kann. Trefft mich in einer Stunde dort."
    Mit einem Nicken verabschiedete sich und machte sich auf den Rückweg zu seinem Quatier.
    Nachdem Eran sich aus dem dreckigen Mantel geschält hatte und wieder das vertraute Gewicht seines Stabes auf dem Rücken spürte verließ er erneut seine Unterkunft und begab sich zum Großmarkt.

    Das "Wort" war trotz der späte Stunde gut besucht. Ein Feuer flackerte fröhlich im Kamin und überall tuschelten Pärchen oder kleine Gruppen über allerlei Neuigkeiten. Da er Neira nirgendwo entdecken konnte, wählte Eran einen unauffälligen Tisch in der Ecke des Gasthauses, von wo er einen guten Blick auf den Eingang hatte und bestellte sich ein Bier.
    Jetzt hieß es warten.
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  4. Bone Dragon Benutzerbild von Isara
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    #19
    Jahr 150, dritter Zyklus. Marktplatz von Crestendum.

    Feena zuckte erschrocken zusammen, als sie die Antwort der Elfe vernahm. Wäre sie nicht sofort vor ihren Augen verschwunden hätte sie sich auf eine harte Bestrafung einstellen müssen. Adelige, insbesondere die Kalia, reagierten allgemein sehr empfindlich auf mangelnden Respekt. Daher brauchte Feena den Hausherrn der Kalia nicht einmal ansehen, um zu wissen, dass er vor Wut bebte.
    Sie zuckte erneut zusammen, als er mit einem fast drohenden Unterton zu sprechen anfing: "Du hast wie immer ein Talent dafür dich mit den falschen Leuten abzugeben, junge Gerlier." "Entschuldigt mein Herr... Ich... Ich hätte nicht gedacht, dass es diese Wendung nehmen würde... Sie...", stammelte Feena verunsichert, schon fast verängstigt ihre Antwort. Doch bevor der Adelige zu einer Antwort ansetzen konnte, wurde die Tür der zweiten Kutsche aufgerissen. Aus Reflex warf sie einen Blick in die Richtung und sah, wie ein junger Mann mit gelangweiltem Gesichtsausdruck ausstieg. Feenas Magen drehte sich herum. Das Wappen, das er trug, war ihr völlig unbekannt, was mit ziemlicher Sicherheit hieß, dass er ein weiterer ihrer möglichen Ehemänner war. Sie fluchte innerlich, schaute aber noch zu Boden, bevor sich ihr Blick und der des jungen Mannes kreuzten.

    „Gremo, was ist los? Warum geht es nicht weiter?“, fragte er und Feena stellte verwundert fest, dass er das Familienoberhaupt der Kalia mit den Vornamen ansprach. Damit stieg ihre innere Unruhe immer weiter. Der Adelige brummte einmal noch aufgebracht, strich sich dann aber über das Gesicht und erwiderte: „Nur ein Fall von aufmüpfigen Ungeziefer…“ Verwundert echote der andere, „Ungeziefer?“, und Feena spürte seinen Blick auf sich, insbesondere auf ihrem Dekolletee. „Dann aber ein verflucht hübsches Ungeziefer.“, lachte er. Feena schaute verwundert auf und tastete sich langsam zu dem Blick des jungen Mannes vor. Er lächelte sie breit an und die Langweile war aus seinem jugendlichen Gesicht gewichen. „Nein, nein, Kira. Ich meinte nicht die junge Dame hier, sondern eine aufmüpfige Elfe, die ihren Platz nicht gekannt hat und anschließend in der Menge verschwand.“, erwiderte Gremo beherrscht, räusperte sich dann und fuhr fort: „Wie auch immer. Feena es freut mich dir Kira Solet vorstellen zu dürfen. Er ist extra aus Orwina gekommen, um heute Abend mit uns zu speisen.“ Feena fluchte innerlich. Jetzt war es so gut wie besiegelt. Dieser Mann war mit Sicherheit ein Heiratskandidat. Und wie sie ihre Mutter kannte, würde sie sich nicht die Chance nehmen lassen, Feena an einen Mann zu verheiraten, der viel Ansehen und Geld besaß. Es gab auch keine Zweifel daran, dass Kira dies tat. Sonst könnte er nicht mit Gremo auf diese Art und Weise sprechen. Doch dann wurde Feena aus ihren Gedanken gerissen. Kira schmunzelte gelöst, griff noch während Gremo sprach nach ihrer Hand, hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken und flötete: „Selten findet man einen Schmetterling von derartiger Schönheit. Darf ich nach Ihrem Namen fragen?“ Überrumpelt und völlig aus der Fassung geworfen, fingen ihre Wangen an zu brennen und färbten sich mit einem schwachen Rot. Er schien Gremo nicht zugehört zu haben.

    „Feena… Fenna Gerlier. Es ist mir eine unbeschreibliche Ehre und Freude sie kennen zu lernen, Herr Solet.“, stammelte sie, wobei sie das erste Mal dankbar war, dass es Regeln gab an die sie sich halten konnte. Ohne hätte sie sich mit Sicherheit in eine noch sehr viel peinlichere Situation manövriert. „Feena… Wahrlich ein wohlklingender Name. Wie…“, setzte Kira erneut an, ließ dabei ihre Hand nicht los, wurde dann aber von Gremo unterbrochen, der sich ärgerlich räusperte. „Kira, die Anziehungskraft der jungen Dame ist unbestritten, aber könntet ihr diese Unterhaltung nicht in einer angebrachten Umgebung fortführen? Ich kann den Dreck dieser Gegend nicht mehr sehen.“ „Gewiss, Gremo. Verzeiht mir, bei ihrem Anblick, vergaß ich.“, während Kira sprach, griff er nach dem Korb in Feenas freien Hand, reichte ihn einem der Kutscher und wandte sich dann wieder an Feena: „Deine Magd darf sich natürlich vorne zu meinem Kutscher gesellen… Ich hoffe doch du gewährst mir den Wunsch, dass du mir die Fahrt bis zu eurer Villa versüßt?“ Es war keine Frage und auch kein Angebot. Es war im Grunde ein Befehl, dem Feena gehorchen musste. Sie zwang sich zu lächeln, machte einen tiefen Knicks vor dem Adeligen und ließ sich anschließend von ihm zu der Kutschentür führen. Dabei warf sie einen hilfesuchenden Blick zu Delia, die aber genauso hilflos zurückschaute und leicht mit den Schultern zuckte. Sie hatte wohl keine andere Wahl, als Kira zu begleiten.

    Als sie ihren Blick noch einmal über die Menge schweifen ließ, meinte sie doch tatsächlich die Elfe iweder erkannt zu haben. Es war nur für einen einzigen kurzen Augenblick, aber sie meinte die erhabenen Züge der Elfe unter den Gesichtern der gaffenden Menge ausgemacht zu haben. Sie hoffte inständig, dass dies nicht der Fall war. Die nächste Begegnung mit Gremo würde für die Elfe bestimmt nicht so bremzlig verlaufen, wie die letzte.

    Kira ließ es sich auch nicht nehmen ihr beim Einsteigen zu helfen, indem er sie an den Hüften fasste und sie mehr oder weniger in das Innere der Kutsche hob. Er folgte ihr, lächelte sie freundlich an, schloss die Tür hinter sich und setzte sich gegenüber von ihr auf die andere Sitzbank. Feena lächelte mit gespielter Dankbarkeit und versuchte damit ihr Unbehagen darüber zu verbergen, das sie beiden einzigen Personen in der Kutsche waren, als sich diese langsam in Bewegung setzte.
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    #20
    150. Jahr des 3. Zyklus, Orwina, Nacht

    Eran. Das war also der Name des mysteriösen Fremden. Neira war immer noch unsicher ob sie die Verabredung wahrnehmen sollte. Doch wenn sie mehr über den Mann und seine Bewegegründe erfahren wollte, hatte sie keine Wahl. Bevor sie sich allerdings mit Eran traf, wollte sie den Kopf freikriegen. An einer geeigneten Hauswand, kletterte sie nach oben. Innerhalb weniger Sekunden hatte sie das Dach erreicht und bewegte sich vorsichtig auf den Giebel zu. Von dort oben hatte sie eine atemberaubende Aussicht über Orwina. Sie sah die Stadtmauer, den Großmarkt, das Wachhaus..... Neira sog die Luft in tiefen Atemzügen ein und entpsannte sich. Der Tag war anders verlaufen, als sie es sich vorgestellt hatte.
    Dann nahm sie Anlauf und sprang mit einem großen Satz auf das angerenzende Hausdach. Von dort suchte sie die nächste Möglichkeit zum spingen. Rechts von ihr sah sie ein größeres Haus mit Flachdach. Mit einem Sprung landete sie auf dem Dach und rollte sich ab. Sie sah sich um. Alles war ruhig und dunkel. Vom inneren des Hauses hörte sie leise Stimmen und aus dem Kamin quoll Rauch hervor. Neira spitzte die Ohren und lauschte dem abendlichen Klang von Orwina. Das Grölen aus einer Taverne, dass Schreien eines Babys, der Gesang einer Frau. Neira blinzelte irritiert. Was war das gewesen? Sie konzentrierte sich und versuchte das mysteriöse Geräusch wiederzufinden. Da war es. Fieberhaft überlegte Neira, was das für ein Geräusch war. Sie kannte es, doch trotzdem fiel ihr nicht ein was.....
    Neira wurde blass. Instinktiv warf sie sich auf den Boden, gerade rechtzeitig um dem Armbrustbolzen zu entkommen, der beinahe ihre Brust durchschlagen hätte. Irgendwer war ihr gefolgt. Jemand der nicht wollte, dass sie weiterhin Nachforschungen anstellte. Und wenn sie in Gefahr war, dann war es auch Eran.
    Sie rollte sich seitlich weg und sprang vom Dach in eine Gasse. GLeichgültig ob sie ihm vertraute oder nicht. Sie musste ihn warnen.
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    #21
    Jahr 150, dritter Zyklus. Crestendum, Nacht.

    Evaine hatte den Platz nicht schnell genug erreicht, die Kutschen waren bereits weg. Jedoch konnte sie von einem der Bürger den Namen der Frau erfahren: Feena Gerlier. Der Familie gehörte eine Villa in oder in der Nähe der Stadt. Der Elfe war es jedoch unangenehm sich wie ein tratschendes Weib zu verhalten, also beließ sie es bei diesen spärlichen Informationen. Nun schlich die Elfe durch die verlassenen Straßen. Angeblich war diese Stadt auch des Nachts sehr sicher, doch ihr Gefühl sagte Evaine, dass sie vorsichtig handeln sollte. Nur noch wenige Händler waren an ihren Ständen, die meisten hatten den Handel für heute aufgegeben. Diejenigen, die noch an ihren Ständen waren, trieben meist zwielichtige Geschäfte: den Verkauf von Giften, verbotenen Rauschmitteln oder anderen Freuden.

    Einer der Stände erregte die Aufmerksamkeit der Elfe. Aufmerksam bewegte Evaine sich zu diesem Stand und legte dort angekommen mehrere Münzen in die Hand des Händlers. „Ich bin auf der Suche nach einem Gift, falls ihr wisst, was ich meine." Die Münzen schienen die Zunge des Händlers gelockert zu haben: „Aber gewiss. Wie kann ich euch behilflich sein?" Evaine beschrieb das Gift, das ihren Vater getötet hatte: innerhalb weniger Minuten wirkend, kaum zu heilen und definitiv tödlich. Der Mann schien unsicher, rätselnd, ob er der Elfe das Gift, nach dem sie suchte, nennen sollte. „Das Gift.., das ihr meint, ist mir bekannt. Es wird aus.. dem.. rötlichen Fleckenpilz gewonnen. Es nennt sich Velox-Gift..." Evaine war der Meinung, dass der Mann zu sehr zögerte. Sie sammelte ihre Kraft, blickte dem Mann in die Augen und sprang in seinen Verstand: „Schattenrose... Korrup-. Gift, lieblicher Tod... verraten?" Die Magierin flüsterte eine Frage: „Wie lautet Euer Name?" Der Mann schwieg, doch seine Gedanken rasten: „Darf... nicht. Gemeinschaft... Larus Sona." Evaine wandte sich ab, verschwand in den Gassen und begab sich zum "Donnerhirsch".

    Am nächsten Morgen fragte Evaine nach dem Weg zum Anwesen der Gerlier und begab sich dort hin. Sie pochte an der Tür, ein Diener öffnete: „Sie wünschen?" „Ich bin mit Feena Gerlier verabredet." „Bitte warten Sie einen Moment." Misstrauisch entfernte der Diener sich, vermutliche um bei der Frau oder ihren Eltern diesbezüglich nachzufragen. Evaine wartete an der Tür.
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  7. Bone Dragon Benutzerbild von Isara
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    #22
    Jahr 150, dritter Zyklus. Crestendum, Villa der Gerlier, Nacht/Morgen

    Der Abend verlief angenehmer, als Feena erwartet hatte. Kira, wie auch die Familie Kalia erwähnten den Vorfall mit der Elfe nur am Rande, wodurch sie Feena einen Tadel durch ihre eigenen Eltern ersparten. Der einzige Punkt, der Feena davon abhielt den Abend auch noch zu genießen, waren die Bemühungen ihrer Mutter, sie in einem möglichst guten Licht dastehen zu lassen. Damit waren nämlich auch die letzten Zweifel aus der Welt geschafft. Wenn nach ihren Eltern ginge, sollte Kira wohl ihr Ehemann werden.
    Zumindest, wenn sie es nicht verhindern konnte. Und sie würde sich nicht einfach so hingeben. Immerhin hatte sie schon drei Kandidaten vor ihm abgeschreckt und sie war sich sicher, dass sie es bei ihm auch schaffen würde. Ihre eigene Familie war nämlich nicht so reich, wie sie gerne wären. Auch wenn der Handel gut lief und sie sich auf dem aufstrebenden Ast befanden, so war ihr Ansehen noch lange nicht mit dem anderer Familien zu vergleichen. Allein die Kalia standen mehrere Ränge über ihrer Familie. Und die Solets, befanden sich noch sehr viel weiter oben. Soweit Feena Bescheid wusste, waren ihre Schmieden und Bergewerke, die produktivsten im ganzen Land. Egal ob Waffen, Edelsteine, kunstvolle Beschläge, all ihre Arbeiten befanden sich angeblich auf dem gleichen Niveau, wie die Arbeiten der Zwerge. Und das war die Ursache von Feenas Zuversicht, sich aus dieser Lage befreien zu können. Geld und Ansehen besaß Kira mehr, als sie sich jemals hätte vorstellen können, um diese zu steigern brauchte er keine Ehe eingehen. Sein Interesse musste sich also auf etwas anderes begründen. Und Feena war zuversichtlich dies schnell genug herauszufinden und ihn anschließend davon zu überzeugen, dass sie nicht die Richtige für ihn war.

    So zog sich Feena, trotz der warnenden und enttäuschten Blicke ihrer Mutter, schon relativ früh auf ihr Gemach zurück. Delia war ihr gefolgt und schloss leise die Tür hinter sich. Erschöpft ließ sich Feena auf ihr Bett fallen und murmelte: „Was für ein Tag…“ Delia kicherte verhalten und setzte sich neben ihre Herrin auf das Bett. „Aber jetzt seien Sie doch mal ehrlich. Dieser Kira Solet ist doch gar kein schlechter Fang, wenn Sie ihn mal mit den Kandidaten davor vergleichen.“, meinte Delia sanft, während sie die Schnüre des Korsetts lockerte. Erleichtert atmete Feena auf, nachdem der Druck auf ihrem Brustkorb verschwunden war. Luft hat sich noch nie so gut angefühlt, dachte sie. „Im Vergleich gesehen hast du vielleicht Recht…“ „Aber?“, stocherte Delia neugierig nach. „Aber ich will mit meinem Leben noch etwas anfangen… Einmal will ich nur für mich leben und nicht für die Freude von anderen…“, flüsterte Feena und zog dabei ein Kissen an ihre Brust, das sie fest umklammert hielt. „Doch nicht das schon wieder… Herrin, sie haben doch heute die Blicke der Frauen gesehen. Sie würden sie umbringen, wenn sie in Ihre Haut schlüpfen könnten. Sind sie nicht ein wenig undankbar?“, tadelte sie Delia sanft. Feena drückte das Kissen fester an sich und ihr Gewissen sagte, dass ihre Magd Recht hatte. Im Grunde waren ihre Gedanken egoistisch und selbstsüchtig. Aber trotzdem wollte sie sich damit nicht so einfach abfinden… Da strich ihr Delia fast liebevoll über die Haare und flüsterte: „Außerdem öffnen sich Ihnen als Ehefrau vielleicht ganz neue Möglichkeiten. Überlegen sie doch einmal. Ihre Eltern halten sie streng so streng an der Leine, dass es doch eigentlich kaum noch schlimmer werden könnte, oder nicht?“ Schon wieder hatte sie Recht. Aber Feena schwieg und gab Delia mit einem Blick zu verstehen, dass sie nicht weiter darüber sprechen wollte. Ihre Magd lächelte sie an und holte Feenas Nachtgewand. „Ihre Mutter lässt Ihnen übrigens ausrichten, dass sie Morgenfrüh mit den Kalia einen Ausflug unternehmen wird…“ Nach einer Pause fügte sie hinzu, „Das heißt, dass sie mit dem jungen Herrn Solet alleine sein werden.“ „Danke Delia… Würdest du mich dann wecken, sobald sie außer Haus sind?“ „Natürlich.“ Feena nickte ihr dankbar zu und gab ihr dann zu verstehen, sich zu entfernen. „Gute Nacht, Herrin.“, wünschte sie ihr noch und zog damit die Tür hinter sich zu.
    Verwirrt schlüpfte Feena in das leichte Stoffgewand, pfefferte das Korsett unachtsam in einen Schrank und legte sich anschließend schlafen. Es dauerte einige Zeit, aber schließlich fiel sie in einen unruhigen Schlaf, in dem sie von Bildern ihrer Zukunft verfolgt wurde.
    Am nächsten Morgen lag Feena bereits wach, bevor Delia ihr Gemach betrat. Sie fing sich einen tadelnden Blick von ihrer Magd ein, als diese das achtlos hingeworfene Korsett entdeckte, ließ im Anschluss die Prozedur des Ankleidens wortlos über sich ergehen. „Ist der Herr Solet schon wach?“, fragte sie schließlich, während Delia mit dem Schnüren beschäftigt war. „Nein, er hat gestern Abend noch lange mit Ihrem Vater zusammengesessen und einige Gläser geleert. Er wird vermutlich noch ein paar Stunden im Land der Träume bleiben.“ Erleichtert atmete Feena auf. Vielleicht würde sie heute noch weniger mit ihm reden müssen, als sie gedacht hatte.
    Nach dem Ankleiden setzte sie sich auf ihre Terrasse und ließ sich von Delia ein leichtes Frühstück servieren. Sie genoss die Ruhe des Morgens, genauso wie die frische Luft, doch plötzlich näherte sich einer ihrer Angestellten und sagte: „Verzeihen sie mir die Störung, Herrin, aber es steht eine Elfe vor der Tür, die behauptet, dass sie verabredet seien.“ Verblüfft schaute Feena ihn an, während sie sich daran erinnerte, dass ihre Eltern außer Haus waren. Denn normalerweise wurden Besuche von ihrer Mutter geregelt, egal ob sie für Feena oder ihren Vater waren. „Hat sie einen Namen genannt?“, fragte Feena nach, aber der Diener schüttelte seinen Kopf. „Soll ich sie abweisen, Herrin?“, fragte er. Feena schwieg zunächst verunsichert, schüttelte dann aber selbst leicht den Kopf. „Nein, lass sie eintreten. Das hat schon seine Richtigkeit.“ Der Diener verbeugte sich und entfernte sich. „Sind sie sich sicher, Herrin? Es ist bestimmt die selbe Elfe, die den Herrn Kalia gestern Abend verärgert hat… Wenn er das herausfindet, werden Sie sich in großen Schwierigkeiten befinden.“ Aber Feena lächelte sie nur an. „Wir werden uns schon nicht so lange unterhalten… Meine Eltern werden noch einige Stunden auf ihrem Ausflug sein, also warum sollte ich nicht die Chance nutzen und herausfinden, was sie will?“ „Herrin… Ihre Neugierde wird sie irgendwann noch einmal ins Grab bringen.“, flüsterte Delia besorgt, aber Feena winkte ab und meinte nur lächelnd: „Lass das mal meine Sorge sein und hol uns bitte noch einen Teller. Vielleicht möchte unser Gast auch etwas frühstücken.“ Delia schüttelte schweigend den Kopf, wandte sich dann aber um und erfüllte den Wunsch ihrer Herrin, während der Diener die Elfe in Feenas Gemach geleitete.
    Als die Fremde das Zimmer betrat, stand Feena auf und verbeugte sich vor der Elfe. „Es freut mich, dass wir uns tatsächlich einmal unterhalten können.“, begrüßte sie die Fremde und bot ihr mit einem Handzeichen den Platz gegenüber von ihr an.
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    Der Diener führte Evaine durch das Haus zu einer Terrasse. Die Elfe musterte Feena überrascht, als sich diese vor ihr verbeugte, äußerte sich jedoch nicht sondern ahmte die Verbeugung nach. Bevor sie sich auf dem angebotenen Platz niederließ, lehnte sie ihren Stab griffbereit an die Hauswand. „Ich möchte mich bei Euch für Eure Hilfe bedanken. Ich hoffe, dass ich keine Schwierigkeiten gemacht habe. Die Bräuche der Menschen sind mir ein wenig fremd.", äußerte Evaine entschuldigend. „Oh, mein Name lautet übrigens Evaine." Nach kurzem Überlegen sprach sie weiter: „Falls ich Euch irgendwie für Eure Hilfe entschädigen kann, lasst es mich bitte wissen."
    Die Elfe überlegte, ob sie Feena über ihr nächtliches Abenteuer aufklären sollte, als sie im Innern des Hauses Schritte auf einer Treppe hörte. „Ich störe doch nicht, oder?", fragte Evaine erschrocken. Die Tätigkeiten von anderen Personen zu unterbrechen oder zu stören gehörte zu den unhöflichsten Handlungen, die Elfen sich vorstellen konnten. „Vielleicht sollte ich besser gehen?" Die Elfe wurde ein wenig unruhig, sie hatte bisher wenig Kontakt zu Menschen gehabt.
    Während Evaine zögerte, ob sie aufbrechen oder bleiben sollte, trat ein Mann in die Tür. „Ich hätte nicht herkommen sollen.", murmelte sie, ohne es zu merken hatte sie ihren Stab in die linke Hand genommen. Ihr Geist war noch immer mit einer möglichen Lösung für die Situation beschäftigt, doch ihre Instinkte hatten diese schon gefunden. Manche Magier hätten diese Lösung problemlos feststellen können, Nichtmagier jedoch verspürten nur leichtes Unbehagen: Evaines Augen begannen sanft zu leuchten, Energie floss langsam aus ihren Fingerkuppen und wanderte in ihre Handfläche. Da der Zauber nicht komplett bewusst gewirkt wurde, schritt er nur langsam voran und hatte nur einen Bruchteil seines eigentlich Effektes. Innerhalb des Gartens der Gerlier erschienen dünne Nebelschwaden.
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    Eran hatte lang genug gewartet. Neira war nicht erschienen und würde wahrscheinlich auch nicht mehr kommen. Es war Zeit nach Hause zu gehen.
    Was, wenn ihr etwas passiert ist? ging es ihm durch den Sinn Du musst sie finden und beschützen. Doch Eran schüttelte den Kopf.
    Sie kommt schon zurecht, wahrscheinlich hat sie mir nicht genug vertraut und beschlossen, dass sie alleine besser dran wäre.
    Er schüttelte das Gefühl der Dringlichkeit ab. Nur ein Vorwand, eine Falle um wieder an die Macht zu kommen.

    Er verließ das "Wort", konnte aber nicht umhin, sich immer wieder in der Hoffnung, die mysteriöse Tiermenschin zu erspähen, umzublicken.

    Plötzlich ein Ahnung: Wut, Erregung, jemand war hinter ihm, und dieser jemand wollte bestimmt nichts gutes.
    Mit einem Fauchen fuhr Eran herum und hieb mit seinem Dolch nach dem Angreifer. Das kreischen von Stahl auf Stahl erfüllte seine Ohren, als sein Dolch von der Rüstung abprallte, die sein Gegenüber unter der zerschlissenen Kleidung trug. Nun hohlte der Andere zum Schlag aus, doch Eran duckte sich unter seinem Arm hinweg und hieb den Dolch in den Hals des Wiedersachers, der sofort in sich zusammensackte.
    Schnell entfernte Eran alles wertvolle von dem Leichnahm und schleuderte seinen Dolch auf ein nahes Dach. Er betrachtete, was die Leute am nächsten Morgen vorfinden würden: Ein einfacher Raubüberfall, schrecklich, aber nicht außergewöhnlich.

    Das war kein einfacher Dieb, das war ein Soldat. Du warst sein Ziel und wahrscheinlich sind auch einige hinter Neira her. Du weißt, wie du sie finden könntest. - Ich kenne ihre Aura nicht. Keine Chance sie so zu finden. Und jetzt sei still und lass mich arbeiten

    Eran schloss die Augen. Obwohl er nicht so feine Sinne hatte wie ein wahrhaftiger Tiermensch, so konnte er, wenn er sich konzentrierte doch vieles wahrnehmen, was einem einfach Menschen verschlossen wäre.
    Da, ganz leise, weit weg einige merkwürdige Geräusche:
    Klappern, hektische Schritte, keuchen; sie war auf dem Dach. Schnell erklomm Eran einen Stapel Kisten und lief gebückt über die Dächer in Richtung der Geräusche.
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    Jahr 150, dritter Zyklus. Crestendum, Villa der Familie Gerlier, Morgen.

    Feena hatte schnell reagiert. Sie kannte ihr Haus gut genug, um die leichten Schritte ihrer Diener von denen der Adelsmänner zu unterscheiden und war dementsprechend vorgewarnt. Vergeblich hatte sie noch versucht die Elfe zu beruhigen, damit die Situation nicht ausartete. Als sie dann aber aufstand und nach ihrem Stab gegriffen hatte, folgte Feena ohne nachzudenken ihrer Bewegung. Sie flüsterte noch ein schnelles „Vertrau mir.“ und entwendete der Elfe mit der nötigen Kraft ihren Stab. Gleichzeitig erschuf direkt im Türrahmen eine grelle Lichtkugel, dessen Licht dem Mann ein unangenehmes Stöhnen entlockte. Feena war erleichtert. Es war wirklich Kira gewesen und sein Kater war wohl noch weitausschlimmer, als sie es sich erhoffen hatte können. Die Kugel schwirrte um seinen Kopf herum, während der junge Mann unkoordiniert und geblendet versuchte sie mit der Hand zu verscheuchen. „Warte bitte hier, ich komme sofort zurück, sobald ich mich um dieses Riesenbaby gekümmert habe.“, flüsterte Feena Evaine zu und ging dann mit schnellen Schritten zu dem Adeligen herüber. Sie atmete einmal tief durch, zumindest so tief, wie es ihr Korsett erlaubte und flüsterte ihm beruhigend zu: „Mein Herr, beruhigen sie sich. Es scheint als haben Sie sich den Nachwirkungen des Alkohols nicht völlig entziehen können. Kommen Sie mit.“ Während sie sprach, führte sie ihn an den Händen aus der Tür hinaus und sobald er außerhalb von Evaines Blickfeld war, ließ sie die Lichtkugel langsam erlöschen. „Feena?“, lallte er, wobei er Probleme hatte ihren Namen richtig auszusprechen. „Ja, mein Herr?“, erwiderte sie mit süßer Stimme und zog ihn langsam hinter sich her. „W-was war das gerade? I-irgendwas schwirrte um mich herum und wollte mich stechen.“ „Herr? Das müssen sie sich eingebildet haben. Sie sollten weniger von dem Schnaps meines Vaters trinken. Der bekommt nur den aller Wenigsten.“ Er hickste einmal, während sie schon sein Zimmer, wo er genächtigt hatte, erreicht hatten. „Das merke ich… Mein Schädel dröhnt, als hätte ein Luftmagier ein Gewitter in meinem Kopf heraufbeschworen.“, brummte er und ließ sich dabei von Feena auf das Sofa führen. Dort ließ sie sich neben ihm nieder, griff nach einem widerwilligen Zögern sanft nach seinem Kopf und legte diesen auf ihren Schoß. Vorsichtig streichelte sie ihn, lächelte gezwungen und flötete leise: „Schlaf dich aus, mein Herr.“ Danach fing sie an leise ein Wiegelied zu singen, dass sie einmal in einem Buch gefunden hatte. Und tatsächlich schlief Kira schon nach weniger als einer Minute tief, fest und vor Allem ruhig. Vorsichtig hob sie seinen Kopf hoch, legte ihn sachte auf das weiche Sofa und verschwand dann mit leisen Schritten aus seinem Zimmer.
    „Ich hoffe Evaine ist nicht geflüchtet…“, flüsterte sie zu sich selbst und betrat ihr Gemach.
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    150. Jahr des 3. Zyklus, Orwina, Nacht

    Neira keuchte. Mit großen Schritten sprintete sie durch die Gassen. Vor sich sah sie einen kleinen Marktstand. Mit zwei großen Sätzen erklomm sie den Stand und anschließend das Dach des angrenzenden Gebäudes. Sie kniete sich hin und lauschte. Als sie nichts auffälliges hörte, richtete sie sich auf und sprang von Dach zu Dach in Richtung des Gasthauses.
    Hoffentlich war sie noch nicht zu spät. Plötzlich hörte sie ein metallisches Kratzen. Metall auf Metall! Neira beschleunigte ihre Schritte und sprang schließlich auf die Straße hinunter. Sie rollte sich geschickt ab und sah sich um. Vor ihr sah sie eine Gestalt. Fluchend blieb sie stehen und machte sich bereit einen Zauber zu wirken.
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    Evaine hielt still, während der Mann aus dem Zimmer geführt wurde. Dann spürte sie, dass sie einen Zauber wirkte und beendete diesen. Sie verspürte Erschöpfung, die letzten Tage waren anstrengend gewesen und die Situation ungewohnt. Die Elfe versuchte sich zu beruhigen, was ihr zumindest ein wenig gelang. Nun wartete sie darauf, dass Feena zurückkehrte. Sie blickte kurz in den Garten, die Nebelschwaden hatten sich beinahe aufgelöst. Auf Schritte horchend blickte sie sich in dem Zimmer um. Viele Kleider waren zu sehen, jedoch schienen die wenigsten bequem zu sein. Evaine zupfte an ihrer Kleidung, sie verspürte mit einem Mal Lust nach dem Meer. Doch einfach zu gehen wäre die falsche Entscheidung gewesen, sie wartete weiter. Eine simple Konzentrationsübung: kleine Eiskristalle schwebten um Evaine, die Luft selbst schien zu glitzern.
    Nach kurzer Zeit kehrte Feena zurück, Evaine entschuldigte sich mehrfach für die Unannehmlichkeiten und bot ihre Hilfe an: „Falls ich Euch irgendwie meine Dankbarkeit zeigen kann, sagt mir wie." Hoffnungsvoll blickte Evaine in Feenas Augen. Eine Aufgabe, die sie erfüllen konnte, würde ihr die Möglichkeit geben sich abzulenken. Danach könnte sie sich weiter um diese Gifthändler kümmern.
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    "Nicht der Rede wert.", winkte Feena ihre Entschuldigungen ab und setzte sich erfreut wieder an den Tisch. "Und euer Angebot kann ich auch nur schwerlich annehmen... Außer Sie können meine Eltern davon überzeugen, mich gehen zu lassen." Feena seufzte erschöpft und nahm einen Schluck von ihrem Tee. "Aber das ist so gut wie unmöglich. Immerhin ist meine Heirat mit diesem Mann, dessen Schokoladenseite er wohl gerade eben vorzüglich gezeigt hat, ein Gutschein zu unglaublichem Reichtum und damit auch Macht. Am liebsten würde ich hier einfach verschwinden, aber ich wüsste nicht wohin und meine Eltern würden mich garantiert suchen lassen. Von daher wäre ich schneller wieder hier, als mir lieb wäre." Sie träumte einen Augenblick lang, riss dann aber von ihren Vorstellungen los, lächelte die Elfe entschuldigend an und fragte neugierig: "Aber was verschlägt Sie denn hier nach Crestendum? Wollen Sie die Fähre rüber nach Onnes nehmen?"
    Sie wollte von dem Thema ablenken. Die Worte waren so aus ihr heraus gepurzelt, ohne dass sie es hätte verhindern können. Würden sie von den falschen Ohren gehört werden, würde sie ernsthafte Probleme bekommen. Gerade jetzt, wo der Sohn der Solets in ihrem Haus schlief.
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    #29
    Eran rannte weiter über die Dächer. Ohne richtig über den Weg nachzudenken sprang er über schmale Kluften und Sprang über Schornsteine, nur von seinem Gehör geleitet. Er war jetzt nahe dran. Fast wunderte er sich, als er wieder auf festen Boden stand, doch dort war sie: Eingehüllt in denselben weiten Mantel, in dem er sie getroffen hatte, stand Neira nur wenige Meter von ihm entfernt. Zwischen ihnen ein weiterer Söldner. Bevor Eran irgendetwas tun konnte, schlug das Gefühl mächtiger Magie über ihm zusammen. Ihm blieb nur, die Arme schützend vor dem Gesicht zu verschränken und darauf zu hoffen, dass Neira gut gezielt hatte.
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    #30
    150. Jahr des 3. Zyklus, Orwina, Nacht

    Gerade als Neira ihre gesammelte Magie in einem mächtigen Energieblitz gebündelt und ihn mitten in die Brust ihres Widersachers entladen hatte, bemerkte sie eine zweite Gestalt hinter ihrem Ziel. Fluchend erkannte sie Eran, doch es war zu spät. Mit einem leisen Knistern schlug der Blitz in den Magen des Söldners ein, durchschlug die Rüstung, seinen Körper und streifte Eran an der Schulter. Mit einem Röcheln brach der Söldner zusammen. Neira keuchte, als der Zauber seinen Tribut forderte. Mit einem Kopfschütteln streifte sie die Folgewirkungen ab und rannte zu Eran, der zu Boden gestürzt war. Sie beugte sich über ihn und begutachtete seinen Arm. Glücklicherweise waren die Verletzungen nicht schlimm. Oberflächliche Verbrennungen, das war alles.
    „Bleib still.“ Sagte Neira und began einen Heilzauber zu wirken. Sie schloss die Augen und sammelte ihre Kräfte. Dann ließ sie sie langsam in Erans Körper strömen. Sie reparierte das beschädigte Gewebe und erneuerte die Haut.
    Als sie ihren Zauber abgeschlossen hatte, kniete sie sich auf den Boden. Das Rennen über die Dächer und das Wirken der beiden Zauber hatten sie geschwächt.
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