Meine neueste Geschichte.
Prolog:
Die Drachen waren hier gewesen, bevor wir das Land besiedelten. Sie lebten in den Bergen, in Wäldern oder in den Steppen und Wüsten. Stets hatten sie uns gemieden. Wenn wir ihnen nachjagten flohen sie oder verteidigten sich und töteten uns. Sie sind mächtige magische Kreaturen. Sie gehören zu den ältesten Lebewesen in Sikeen. Sie mischen sich nicht in weltliche Angelegenheiten ein. Wir wissen nicht was sie wollen, wo sie herkommen, oder warum sie so sind, wie sie sind. Doch eins wissen alle Menschen, alle Elfen, Zwerge, Orks, Tiermenschen, ob Kind oder Greis. Sie sind Böse.
Kapitel 1
Oben, am höchsten Punkt des Tempels, saß ein Falke. Seine Rückenfedern waren in einem kräftigen braun gefärbt, ganz im Kontrast zu seinem weißen Bauch. Er wartete. Dann erklang ein schriller Schrei über den gesamten Vorplatz und der Falke stieß in einem Sturzflug herab.
Laura bewegte sich keinen Zentimeter als der Falke auf sie zustieß, seine Flügel spannte und schließlich davonflog, hinfort über die Dächer von Arterium. Eine der Federn des Falken schwebte langsam vor ihr nieder. Wie ein Pendel hin und her schwingend.
Wie in Trance streckte Laura ihre Hand aus. Kurz bevor die Feder jedoch auf ihrer Hand landete kam ein Windstoß über den Platz und fegte die Feder davon. Laura sah ihr fast wehmütig nach, doch dann wandte sie ihren Blick ab.
Langsam verließ sie den Tempelplatz, machte sich auf in das Gewirr von Gassen welches sich über Arterium erstreckte.
Nachdem sie zwischen einigen der großen tempelnahen Steinbauten hindurchgewandert war, kam sie auf die Hauptstraße. Überall drängten sich Menschen, Händler priesen lautstark ihre Waren an. Fisch, Backwaren, Fleisch, Kunsthandwerk, Kleidung, Schmuck, Wein …… Dicht an dicht drängten sich die Stände aneinander, während ihre Besitzer versuchten ihre Konkurrenten an Lautstärke zu übertönen und möglichst viel Aufmerksamkeit auf ihre Waren zu ziehen.
Laura ließ sich davon nicht beeindrucken. Als sie noch klein war, hatte sie bei jedem zweiten Stand anhalten und irgendetwas kaufen wollen, wenn ihre Eltern sie nicht weiter gezogen hätten, doch nun schaute sie nur kurz auf die verschiedenen Waren welche die Händler anboten. Stoffe aus Orwina, Metallarbeiten aus Norvonn…. Sie entdeckte sogar einen Zwerg der ganze Rüstungen aus makellos silbernem Stahl anbot.
Schließlich machte die Straße eine Kurve und Laura kniff die Augen zusammen als die Sonne ihr ins Gesicht strahlte. Bis jetzt hatte die Hauptstraße im Schatten der großen Anwesen, der Gildenhäuser und sonstiger Steinbauten gelegen. Nun jedoch strahlte die Abendsonne auf das Pflaster und tauchte alles in einen diamantenen Glanz. Für einen Moment blieb sie stehen und genoss die Wärme welche sich nun in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Das Sonnenlicht prickelte auf ihren Armen, ihrem Gesicht.
Nach ein paar Sekunden setzte Laura ihren Weg schließlich fort, weiter über die Hauptstraße zu dem Haus ihres Vaters.
Die Sonne war bereits untergegangen und in der ganzen Stadt breitete sich die nächtliche Kälte aus, als Laura zuhause ankam. Sie schritt die steinernen Stufen vor der Eingangstür hinauf und klopfte dreimal an die Tür. Ein kleiner Spalt öffnete sich als ein Stück Holz zur Seite geschoben wurde und ein paar Augen musterten die Gestalt die vor der Tür stand.
Eine gedämpfte Stimme erklang aus dem Innenraum: „Oh Herrin ihr seid es. Sie kommen spät heute.“
Ohne eine Antwort abzuwarten öffnete der Bedienstete die Tür und Laura betrat das Haus.
Eine wohlige Wärme umfing Laura und der Geruch von gebratenem Fleisch stieg ihr in die Nase.
„Euer Vater erwartet euch bereits. Er befindet sich in der Küche.“
Ein Grinsen schlich sich auf Lauras Gesicht. Ihr Vater war ein Magier, ein allseits geachteter Mann. Er war reich, hatte ein großes Haus mit vielen Dienern und er konnte sich alles leisten was er wollte und trotzdem ließ er es sich nicht nehmen selbst zu kochen. Einige nannten es seinen Zeitvertreib, andere bösere Zungen nannten ihn einen niederen Bürger, der sich selbst bewirten musste. Ihr Vater hatte ihnen immer gleich geantwortet: „Wenn jemandem etwas Freude bereitet, wenn ihr sich dabei glücklich fühlt, warum sollte er es dann nicht ausüben dürfen nur weil er ein Magier mit zuviel Geld ist? “
Der Fleischgeruch wurde intensiver, als Laura sich der Küche näherte. Als sie die Tür öffnete umfingen sie Rauchschwaden und verschiedene Gerüche. Fleisch, Gemüse und diverse Gewürze. An der anderen Seite des Raumes stand ihr Vater über einem brennenden Steinofen und lud gerade das Essen auf 2 Holzteller. Als er sich umwand erblickte er Laura an der Tür und ein strahlendes Lächeln erfüllte sein Gesicht.
„Laura, da bist du ja. Ich dachte schon du hättest dich mal wieder verlaufen.“ Er zwinkerte ihr zu und reichte ihr schließlich die mit Fleisch und Gemüse beladenen Teller.
Laura lachte. „Auch dir einen guten Abend Vater. Wie ich sehe hast du gleich für die gesamte Dienerschaft mit gekocht.“
Ihr Vater blickte auf das Fleisch welches sich noch auf dem Ofen befand.
„Haland hatte heute ein ganzes Kalb im Angebot, beste Qualität und wirklich günstig. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.“
„Und da musstest du gleich das ganze Kalb kaufen?“, frage Laura mit einem Grinsen im Gesicht.
„Ja soll ich denn das halbe Kalb zurücklassen? Auch wenn wir nicht alles davon essen, Haland hätte den Rest kaum noch verkaufen können. Verderben lassen darf man so etwas natürlich auch nicht. Außerdem haben Gregor, Maria und Serana etwas Ordentliches zu essen verdient.“ Er wandte sich um und löschte mit einer Handbewegung das Feuer welches im Ofen gebrannt hatte.
Lachend schüttelte Laura den Kopf und ging in den Wohnraum. Sie stellte die Teller auf den großen Holztisch und setzte sich. Ihr Vater kam dazu und beide begannen zu essen.
Laura wusste zwar, dass ihr Vater ein guter Koch war, doch hiermit hatte er sich selbst übertroffen. Das Fleisch war perfekt gebraten und passte hervorragend zu der Gewürzauswahl die ihr Vater getroffen hatte.
„Und Laura wie war dein heutiger Tag?“
Laura schluckte herunter und berichtete ihrem Vater über die heutigen Geschehnisse.
„Nächste Woche ist die Aufnahmeprüfung. Wir wissen nicht genau wie sie ablaufen wird, alles ist streng geheim. Natürlich verbreiten sich unter den Anwärtern die wildesten Gerüchte, wir müssten gegen einen Drachen antreten oder uns einer Armee von Dämonen entgegenstellen. Alle fantasieren rum.“
Ihr Vater legte das Besteck hin und sah sie liebevoll an. „Du wirst es schaffen Laura, ich weiß es. Alle deine Lehrer halten dich für äußerst viel versprechend.“
„Das Vertrauen meiner Lehrer hat mir bis jetzt allerdings noch nicht weitergeholfen.“ Sagte Laura, während sie sich das letzte Stück Fleisch in den Mund schob.
„Hör zu Laura.“, begann ihr Vater. „Die meisten Rekruten schaffen es nicht einmal dahin wo du momentan stehst. Die Arterianische Wache ist die Elite unseres Königreiches und in einer Woche wirst auch du dazugehören.“
Dann begann auch er damit sich wieder seinem Teller zu widmen und für den Rest des Mahles saßen sie schweigend am Tisch. Als sie fertig waren kam Gregor an den Tisch, und nahm die Teller mit in die Küche, allerdings nicht ohne sich noch überschwänglich bei Lauras Vater für das köstliche Essen zu bedanken.
„Ich muss noch ein paar Vorbereitungen treffen, bevor wir morgen das Kampftraining haben.“, sagte Laura entschuldigend als sie sich erhob um sich in ihr Zimmer zu begeben.
„Wenn du wiederkommst werde ich vermutlich nicht da sein. Ich habe einen wichtigen Termin mit einigen Händlern, die es anscheinend nicht für nötig hielten die Behörden über einige dubiosen Vorgänge zu informieren.“
Laura nickte und ging schließlich nach oben. Ihr Vater arbeitete für den Königshof als Berater und derweilen auch als so genannter „Diplomat“. Dies war jedoch die offizielle Bezeichnung seiner Tätigkeit. „Druckmittel“ träfe es da wohl eher. Als Zauberer verbreitete er große Autorität und er besaß, nunja man könnte es wohl „bestimmte“ Kräfte nennen. Diese Ausstrahlung war nützlich um z.B. Händler oder Beamte die sich ein wenig neben den Gesetzen bewegten daran zu erinnern, wem sie wirklich unterstanden um sie auf den rechten Pfad zurückzuführen. Gerade dieser Teil seiner Arbeit hatte ihrem Vater schon einige Feinde eingebracht.
Einmal war er nachts von einem Assassinen angegriffen worden. Leider hatte dieser nicht mit den Schutzzaubern ihres Vaters gerechnet, weswegen der Kampf relativ schnell vorbei gewesen war. Seitdem hielten sich jedoch immer 2 Soldaten der Stadtwache in ihrem Haus auf. Ihr Vater hatte dies unter Protest akzeptiert. Seiner Meinung nach bestand für ihn und seine Tochter keinerlei Gefahr und Laura konnte nicht umhin ihm zuzustimmen. Sie beide waren keinesfalls das, was man als „wehrlos“ bezeichnen würde. An ihrem Bett hatte sie stets ihr Schwert liegen und ihr Bogen lag griffbereit im Schrank. Schließlich war sie in der oberen Etage angekommen und sie schritt den Flur entlang. Ihr Zimmer lag am hintersten Ende des Hauses, mit Blick auf den Garten.
Sie öffnete die Tür und ließ sie hinter sich gleich wieder ins Schloss fallen. Ein leichter Duft von Rosen empfing sie und Laura blieb einen Moment irritiert stehen. Dann erblickte sie den großen Rosenstrauß welcher in einer kunstvoll verzierten Vase auf ihrem Schreibtisch stand. Sie seufzte. Arlen konnte es einfach nicht lassen. Warum musste er ihr immer noch nachstellen? Sie hatte ihm schon oft genug gesagt, dass sie nicht an ihm interessiert war.
Laura nahm den Blumenstrauß und ging zum Fenster. Dann überlegte es sie sich jedoch anders. Gleich von wem dieser Strauß kam, er war schön anzusehen und es wäre eine Schande ihn wegzuwerfen.
Arlen war einer der Rekruten welcher zusammen mit Laura ausgebildet wurde. Der Elf hatte schon lange ein Auge auf sie geworfen und hatte stets versucht mit allen Mitteln ihr Herz zu gewinnen. Obwohl er sehr gut aussah und aus reichem Hause kam, hatte Laura kein Interesse an ihm. Sein Aussehen konnte nicht über sein schlechtes Benehmen und seine bösartige Ader hinwegtäuschen. Trotz allem konnte Laura nicht verhehlen, dass er ein ausgezeichneter Soldat war. Seine Kampfkünste waren hervorragend und nur Wenige konnten sich mit ihm messen. Laura war eine von ihnen.
Sie steckte die Rosen zurück in die Vase und als sie einen Schritt zurück machte und das Abendlicht auf die Rosen fiel, musste sie zugeben, dass sie wunderschön waren.
Sie wandte sich ab und verbrachte den Rest des Abends damit ihre Ausrüstung zu säubern und sich auf den morgigen Tag vorzubereiten. Als sie fertig war, entledigte sie sich ihrer Kleidung und schlüpfte in ihre Schlafbekleidung. Als sie im Bett lag, starrte sie an die Decke und dachte über ihre Zukunft nach. Als Mitglied der Arterianische Wache würde sie selten zuhause sein. Die einfachen Soldaten hatten keinen Einfluss auf ihre Einsatzgebiete. Ihr Vater würde sie wohl vermissen, doch er wusste, dass sie ihren Weg gehen musste. Langsam fielen Laura die Augen zu.
Dunkelheit legte sich über Arterium. Alle normalen Bürger waren längst zuhause und nur ein paar Wachen patroulierten noch durch die Straßen. Ein leichter Westwind wehte über die Stadt und wirbelte Staub und Dreck durch die Gassen. Ein Pferd, welches noch vor Minuten ruhig geschlafen hatte regte sich plötzlich. Unruhig trabte es umher und stieß ein lautern Wiehern aus. Der Horizont, war von pechschwarzen Wolken verdeckt. Das was die Tiere bereits spürten, blieb den Menschen verborgen. Niemand ahnte, was Arterium erwarten würde.












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