Die Geschichte
Die Charr waren einst eine primitive Rasse voller Zorn und dem urzeitlichen Drang zu beherrschen und zu unterwerfen. Sie kämpften gegen jeden, der sich ihnen in den Weg stellte- auch gegen ihre Artgenossen- und sie überdauerten diese blutrünstige Zeit nur, indem sie sich zu einer strengen hierarchischen Gesellschaft entwickelten. Verschiedene, unerbittliche und voneinander unabhängige Kriegstruppen vereinten sich zum Wohle ihrer gesamten Rasse unter ihrem Anführer Khan- Ur, mit dem ein goldenes Zeitalter der Charrherrschaft anbrach.
Nun, da sie nicht mehr untereinander um Gebiete kämpften, stießen die geeinten Charr über die Hügel im Norden ihrer Heimat und in die Ländereien östlich des Zittergipfelgebirges vor.
Sie unterwarfen oder vernichteten alles und jeden, der es wagte, sich in seinem Gebiet zu widersetzen; sie beherrschten das, was sie einmal ins Auge gefasst hatten.
Die Herrschaft brachte aber auch unausweichlich Probleme mit sich. Interne Streitigkeiten, rücksichtslose Machtspiele und brutale Fehden bedrohten den Zusammenhalt des Reiches. Einzig und allein Khan- Ur war es zu verdanken, dass diese wilde und immer noch primitive Rasse weiter bestand.
Außer den Streitigkeiten untereinander ging die einzig wahre Bedrohung für die Charr zu dieser Zeit von den Vergessenen aus, die in der Kristallwüste weit im Süden zu Hause waren. Aber durch den klugen Einsatz der Berge, die ihre Ländereien von denen der Vergessenen trennten, gelang es den Charr, die unangefochtenen Herren der Länder im Norden zu bleiben. Als sich die Vergessenen zurückzogen, um einer anderen Macht zu dienen, verschwand auch die Bedrohung, die sie auf die Charr ausübten.
Dann kamen die Menschen; eine Plage, geschaffen von den Göttern, mit denen die Charr von Anfang an verfeindet waren. Die Menschen verehrten diese Götter und beteten sie an und im Gegenzug gaben diese ihnen Magie, die die Charr zuvor noch nie gesehen hatten. Diese aufsteigende Rasse verteilte sich wie eine Seuche über den Kontinent und die Charr standen der ersten ernsthaften Bedrohung ihrer Macht gegenüber- der Bedrohung durch die Menschen.

Nachdem sie im ersten Krieg gegen die Menschen unterlagen, waren die Charr gezwungen, die Ländereien zu verlassen, die danach Ascalon genannt wurden.
Unerschrocken und durch den gemeinsamen Feind vereint, bereiteten die Charr sich auf einen Gegenschlag vor, der alles hinwegfegen sollte. Aber während den Schlachtvorbereitungen traf das Schicksal das Reich: Khan- Ur wurde ermordet.
Bis heute weiß niemand, wer den letzten Khan- Ur umbrachte, ob eine Legion hinter dem Attentat steckte, die Menschen oder ihre mächtigen Götter. Mit seinem Tode versanken die Legionen wieder in Streitigkeiten und Chaos und Aufzeichnungen über diesen Teil der Charr- Geschichte sind nur schwer zu finden. Ohne einen Anführer zankten sich die Nachkommen des Khan- Ur untereinander und teilten schließlich das Reich in ihrem sinnlosen Kampf den Titel des Khan- Ur zu erhalten und die Kontrolle über alle Charrlegionen wieder zu erlangen.
Die Menschen nutzten diese Zeit der Uneinigkeit und bauten den Großen Nordwall, um ihr neu erobertes Land gegen die Truppen der Charr zu verteidigen. Es würde Generationen dauern, bis die Charr diese Ländereien wieder zu Gesicht bekommen sollten. Die Zeit verging und die Charr wurden immer weiter nach Norden zurückgedrängt; die Menschen begannen sogar Siedlungen hinter dem Wall zu errichten, weit im Gebiet der Charr. Die Menschen festigten ihre Herrschaft und nannten die Ländereien Ascalon und die Charr konnten nichts tun, um sie aufzuhalten.
Der Wall stellte ein unüberwindbares Hindernis dar, sodass ihnen nichts anderes übrig blieb, als die nördlichen ascalonischen Siedlungen wie Surmia zu überfallen.
Kein Charr weiß, wie viele Nachkommen der letzte Khan- Ur hatte, aber jede der vier Hohen Legionen behauptet, ein Spross seiner Linie zu sein. Man vermutete zwar auch andere Erben und gelegentlich tauchten kleinere Familien mit dem Anspruch auf die Herrschaft auf, aber keine hatte mit ihren Forderungen Erfolg. Die vier Erben des Khan- Ur gründeten die vier hohen Legionen und benannten sie nach ihrer Truppe- die Eisen Legion, die Flammen Legion, die Blut Legion und die Aschen Legion. Die Anführer dieser Legionen behielten ihre Familiennamen und indem sie Namen wie Flammenbringer, Ascheklaue und Eisenschlag trugen, stellten sie die Überlegenheit ihrer Truppe innerhalb der Legion heraus.
Seit mehr als tausend Jahren hat es nun keinen wahren Khan- Ur mehr gegeben. Obwohl mehrmals Anspruch auf diesen Titel erhoben wurde, schaffte es kein Charr lange genug an der Macht zu bleiben, um seine Herrschaft zu festigen oder ein neues Herrschergeschlecht zu gründen. Jeder einzelne wurde kurze Zeit nach seiner Machtübernahme gestürzt, weil die Charr keinen Herrscher akzeptierten, der zu schwach war, um seinen Thron zu verteidigen.
Aber man brauchte mehr als einen Herrscher, um den Charr wieder zu Größe zu verhelfen.
Vor dem Zeitalter der Menschen hatten die Charr keine Götter, keine Vorstellung von höheren Wesen, die mehr Macht haben könnten, als sie selbst.
Sie wussten von Melandru und kannten sogar die Legenden, die davon erzählten, wie sie die Welt erschaffen hatte.
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Aber die Charr verehrten diese Wesen nicht oder fürchteten sie- sie wollten sie bekämpfen und, wenn möglich, vernichten. Als die Charr bemerkten, dass die Menschen die Götter verehrten und Macht durch sie erhielten, glaubten sie, dass diese Macht für die Niederlage der Charr verantwortlich war. Nur mit solchen Kräften auf ihrer Seite hätten die Menschen jemals die Charr besiegen können.
Um die Menschen also zu vernichten, suchten sie nach ihren eigenen Göttern. Zweihundert Jahre vor dem Großen Feuer durchstreifte der Brandtrupp- ein Teil der Flammen Legion- die Gegend um den Hrangmer Vulkan (was für Menschen soviel wie „Klauen der Vergessenheit“ bedeutet). Bei ihrer Rückkehr behauptete der Trupp, endlich Götter für die Charr gefunden zu haben.
Eifrig und voller Stolz schworen die Angehörigen der Flammen Legion den neuen Göttern ihre Treue und bekehrten oder töteten alle, die sich ihnen in den Weg stellten. Eine Legion nach der anderen stellte sich in den Dienst der neuen „Götter“ und ihrer Schamanen und so erlernten die Charr eine völlig neue Art der Magie, eine neue Technik, um ihre menschlichen Feinde südlich des Walls zu vernichten.
Zu guter letzt trafen sich die Schamanen der verfeindeten Legionen an einem geheimen Ort und schworen, jede Legion zu zwingen, an die neuen Götter zu glauben. Sie kehrten in ihre Heimat zurück und überzeugten alle, die Titanen zu verehren- nur Bathea Chaosbote tat dies nicht. Diese Heldin, deren Stärke und Kampfbereitschaft sie zur Anführerin der Blut Legion gemacht hatten, stellte sich gegen die Frevelei und wurde dafür von den Schamanen getötet, ihre Hinrichtung sollte eine Opfergabe an die neuen Götter sein.
Wegen Batheas Ungehorsam gegen die neue Ordnung wurden alle weiblichen Charr aus den Truppen und Armeen verbannt und zur Arbeit in den Häusern der Legionäre gezwungen. Obwohl sie gegen dieses Verbot aufbegehrten und sich auf ihr Recht beriefen, gegen die Menschen kämpfen zu dürfen, hatten die Schamanen, die sich auf ihre „heiligen Befehle“ beriefen, die Legionen zu dieser Zeit schon voll unter Kontrolle.
Als die Charr Ascalon das nächste Mal angriffen, wurden sie von ihrer unbändigen Wut getrieben. Mit einem magischen Gegenstand, der als „Kessel der Verheerung“ bekannt wurde, riefen die Schamanen die Magie der Titanen und führten das Ritual des Großen Feuers durch. Man sagt, dass die Magie des Kessels älter war als die Charr, älter als alles, was die Geschichte kannte, geschmiedet von Wesen, die in Ruhe und einen tiefen Schlaf gefallen waren.
Die Schamanen vertrauten auf die Kraft der Titanen und ihre Kontrolle über die Charr Legionen- und die Verheerung, die sie dem Königreich der Menschen brachten, war wahrhaftig so groß, dass die Charr einen Vorteil erhielten, auf den sie schon seit tausend Jahren gewartet hatten. Mit dem Kessel beschworen die Schamanen gigantische kristallähnliche Meteoriten, die auf ihre Feinde nieder regneten, Weideland verwüsteten und den Wall zum Einsturz brachten. Einer der Anführer der Flammen Legion zu dieser Zeit, Bonfaaz Brandpelz, führte die Charr gegen den Wall und brachte den Schamanen ein neues Zeitalter der Einigkeit. Während die Menschen in Panik flüchteten, stießen die Charr nach Ascalon vor, besetzen Städte und Dörfer und versklavten alle Menschen, die das Pech hatten, ihnen in die Hände zu fallen.
Die Belagerung Ascalons dauerte mehr als zwei Jahre an, bis einige Helden im Zentrum des Glaubens der Charr zuschlugen und die Titanen vernichteten und damit beweisen, dass sie keine Götter sein konnten. Zu dieser Zeit geriet der Vorteil der Charr ins wanken, ihr heiliger Krieg hatte sich zu einer Besetzung verändert. Die Schamanen hatten Schwierigkeiten, die Legionen bei dieser Erkenntnis zusammenzuhalten, dennoch versprachen sie ihnen den Sieg, auch ohne die Magie der Titanen.
Zusätzlich zu den Problemen, die sie durch den Widerstand der Menschen hatten, schlugen nun auch noch Ascalons Helden zu. Die Charr kämpften gegen ihren eigenen Verfall und die Armee der Menschen bis sie schließlich jede Festung unter ihre Kontrolle gebracht hatten- bis auf die Stadt Ascalon.
Mehr als 30 Jahre tobte der Kampf zwischen den Charr und den Ascaloniern vor den Toren der Stadt. Angeführt von ihrem alten König Adelbern kämpften die Menschen tapfer, aber schließlich fielen die Mauern Ascalons und die Charr drangen in die Stadt ein. Auch jetzt, im Augenblcik ihres größten Sieges, vereitelte die Magie der Menschen ihre Pläne.
Obwohl sich die Charr noch immer unsicher sind, welche Art Magie Adelbern bei seinem Untergang beschworen hatte, berichten einige von einer schwertähnlichen Flamme, die vom höchsten Turm herabkam und als weiß loderndes Inferno durch die Straßen fegte und in den Reihen der Angreifer wütete. Als die Hitze nachließ, erhoben sich die Geister der gefallenen ascalonischen Soldaten, ihre gespenstischen Hüllen trugen übernatürliche Waffen- und die Charr waren gezwungen die Stadt zu verlassen.
Die Stadt Ascalon wurde nie zurückerobert und die Geister von Adelberns Streitkräften durchstreifen noch immer das Land, um ihre alten Feinde zu bekämpfen. Ihr König wacht von seinem Thron inmitten der zerstörten Stadt und er lenkt noch immer seine Armee ruheloser Toter. Die Charr festigten den Griff um Ascalon von ihrer Heimat im Norden bis in den Süden, wo die beiden Gebirgszüge am Rande der Kristallwüste aufeinander treffen; jedoch entzog sich die Stadt Ascalon für immer ihrer Herrschaft.
Während dieser Besatzung lernten die Charr, dass es möglich war, Gebiete auch ohne Götter zu erobern und zu halten. Der Betrug der Schamanen und ihre Unterwürfigkeit in die Knechtschaft der Titanen mahnten die Charr, jeden zu vernichten, der versuchen würde ihnen einen Meister aufzuzwingen, egal ob Gott oder nicht.
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